Lufthansa Group plant Baukasten-Business-Class

Weiterhin illegale Zahlungsentgelte bei diversen Fluggesellschaften.

Foto: Martin Metzenbauer.

In der Luftfahrt scheint keine Möglichkeit, sei sie noch so dreist und teilweise sogar illegal, unversucht gelassen zu bleiben, um Passagieren bei möglichst wenig Service möglichst viel Geld aus der Tasche ziehen zu können. Ein Beispiel für illegale Gebühren sind Zahlungsentgelte, gelegentlich auch Kreditkartengebühren genannt, die in Österreich per Gesetz unzulässig und damit illegal sind.

Der Irrglaube, dass es zumindest eine kostenfreie Zahlungsart geben muss, stammt aus dem deutschen Recht und ist in Österreich nicht anwendbar. Wer in Österreich seine Dienstleistungen anbietet, hat sich an österreichische Gesetze und Verordnungen zu halten. So sieht § 27 Abs. 6 ZaDiG vor:

"Der Zahlungsdienstleister darf dem Zahlungsempfänger nicht verwehren, dem Zahler für die Nutzung eines bestimmten Zahlungsinstruments eine Ermäßigung anzubieten. Die Erhebung von Entgelten durch den Zahlungsempfänger im Falle der Nutzung eines bestimmten Zahlungsinstrumentes ist unzulässig."

Übersetzt bedeutet das, dass die Erhebung von Entgelten für die Bezahlung unzulässig ist. Wohl ist es aber erlaubt eine bestimmte Zahlungsform, zum Beispiel Barzahlung, mit einem Rabatt zu versehen. Dieses Gesetz scheint bei so manch Airlinemanager, aber auch bei Flixbus, völlig unbekannt zu sein. Arbeiterkammer und VKI gehen seit mehreren Jahren gegen schwarze Schafe vor.

Extrakosten in der Business-Class

Dass in der Economy-Class für beinahe jeden Handgriff, zum Beispiel Koffer, extra bezahlt werden muss, sollte mittlerweile allgemein bekannt sein. Leider kommt es trotz deutlicher Hinweise während dem Buchungsvorgang immer noch zu Missverständnissen an Flughäfen. Oftmals stellen sich im deutschen Fernsehen manche Reporter auch bewusst unwissend, um daraus einen Pseudo-Skandal inszenieren zu können.

Doch nun soll es auch Business-Class-Reisenden der Lufthansa Group an die Geldbörse gehen. Bislang galten Passagiere der "C" als wichtige und insbesondere gute Gäste, da diese für ihre Beförderung im Vergleich zur Economy im Regelfall deutlich mehr bezahlt haben. Dafür gibt es bei fast allein Fluggesellschaften auch eine bevorzugte Behandlung, Loungezugang, eine üppige Freigepäckmenge, Security-Fastlande, häufig bequemere Sitze und mehr Platz und natürlich besseres und umfangreicheres Catering. Alle Goodies der Business-Class aufzuzählen würde den Umfang dieses Artikels sprengen.

Die Lufthansa Group plant ab 2020, also mit der Einführung einer überarbeiteten "C" laut einem Bericht der "Wirtschaftswoche" auch aus der Business-Class ein Baukastensystem zu machen, was eine nette Umschreibung für Abkassieren für "Extraleistungen" - also jene Dinge, die bislang selbstverständlich inkludiert waren - ist.

Das Blatt beruft sich dabei auf einen nicht namentlich genannten Lufthansa-Manager, der gegenüber der Wirtschaftswoche bestätigte, dass es entsprechende Planungen gibt. So könnte für Sitzplatzreservierungen oder Plätze mit "mehr Platz" bis zu 50 Euro oneway extra kassiert werden. Der Kranich-Manager dazu gegenüber der Wirtschaftswoche: "Andernfalls riskiert er, nur einen der übrig gebliebenen, weniger guten Sitze in der Mitte zu bekommen." Weitere kostenpflichtige "Extras" werden zumindest nicht ausgeschlossen. Offiziell heißt es seitens Lufthansa allerdings, dass es noch keinen entsprechenden Beschluss der Entscheidungsträger gäbe.

Die Einführung von kostenpflichtigen "Zusatzleistungen" in der Business-Class ist durchaus aufgrund der geplanten Neubestuhlung verlockend. Diese soll ab 2020 zunächst in der B777-Teilflotte eingeführt werden und in 1-2-1- und 1-1-1-Anordnung konfiguriert werden. Dies bietet natürlich durchaus potential die einzeln anordneten Sitze teurer zu verkaufen. Ganz nebenbei soll sich die Liegefläche auf 2,20 Meter vergrößern, so dass auch äußerst langgewachsene Menschen mehr Platz haben werden.

Offiziell beschlossen ist zwar die neue Business-Class, jedoch die Zusatzkosten, die laut dem Manager, den die für gewöhnlich gut informierte Wirtschaftswoche zitiert, kommen könnten, noch nicht. Aufgrund der Entwicklungen der letzten Jahre, die airlineübergreifend als systematisches Abzocken mit "Zusatzleistungen" bezeichnet werden könnten, könnte dieser Trend nun auch in die Business-Class diverser Airlines wandern. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist die Lufthansa Group nicht die einzige Fluggesellschaft, bei der es zumindest entsprechende Überlegungen hierzu gibt.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

    Special Visitors

    ALITALIA / EI-WLA
    Alitalia / EI-WLA
    Beijing Airlines / B-3988
    Smart Lynx Estonia / ES-SAP
    Thai Airways / HS-TKU
    Bel Air / VP-BWR
    Funair Corporation / N737AG

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Jan Gruber

    Michael Csoklich

    Robert Hartinger

    Christoph Aumüller