Lufthansa: Brüssel prüft "abgekartetes Spiel"

Hinweisen auf illegale Absprachen zwischen Air Berlin, der deutschen Regierung und Lufthansa wird nachgegangen.

Foto: www.AirTeamImages.com.

Von Mitbewerbern der Lufthansa Group wird der gesamte Vorgang rund um die Insolvenz der Air Berlin und den anschließenden Zuschlägen zu Gunsten der Kranich-Gruppe stets als "abgekartetes Spiel" bezeichnet. Genau diesen Vorwurf nimmt nun die EU-Kommission unter die Lupe, denn laut der europäischen Wettbewerbsbehörde gehe man Hinweisen auf Preiswucher und illegale Absprachen nach.

Der Hintergrund beginnt bereits im Herbst des Vorjahres mit einem Besuch des damaligen Air-Berlin-Chefs Stefan Pichler, begleitet von Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel bei Etihad Airways. Bereits damals soll der damalige Lufthansa-München-Hub-Leiter und heutige Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann involviert gewesen sein. Nur wenige Tage später wurde besagter Manager als neuer Air-Berlin-Chef - mit Amtsantritt im Feber 2017 - vorgestellt.

Ohne ersichtlichen Grund erwarb die finanziell schwerst angeschlagene Berliner Fluggesellschaft im Frühjahr den langjährigen Subunternehmer LGW, der zwischenzeitlich bereits "vereurowingsiert" wurde. Offiziell hat Lufthansa noch kein grünes Licht für den Kauf der Luftfahrtgesellschaft Walter aus der Insolvenzmasse der Air Berlin, doch defacto fliegt LGW ausschließlich für den Kranich-Konzern.

Die Anschuldigung, die im Raum steht, ist kein Pappenstiehl: Mit Wissen und moralischer Förderung der deutschen Bundesregierung soll das "Problem Air Berlin" zu finanziellen Gunsten der Lufthansa, jedoch zu Lasten der Konsumenten "beseitigt" worden sein. Dass Air Berlin ohne Finanzspritzen schon viel früher pleite gewesen wäre, ist nicht das Ärgernis, das die EU-Kommission prüft. Es geht darum, ob es Absprachen gegeben hat, die dazu führten, dass Lufthansa die Ticketpreise astronomisch anheben konnte, was letztlich zu Lasten von Konsumenten geht. Die Ausrede des Kranich-Konzerns ist stets das automatische Buchungssystem verbunden mit Flugzeugen, die dank der EU-Kommission nicht fliegen dürfen.

In Brüssel sieht man die Lage allerdings nicht so relaxed wie bei Lufthansa, die sich bislang auf patriotische Unterstützung durch die deutsche Bundesregierung verlassen konnte. Die EU-Kommission will nun Besprechungsprotokolle und interne E-Mails der Lufthansa und Air Berlin auf mögliche Hinweise auf gezielte Absprachen prüfen. Kurz gesagt: Brüssel will beweisen, dass ein von Mitbewerbern als "abgekartetes Spiel" bezeichneter Vorgang tatsächlich vorliegt. Sollte dies gelingen, was zumindest nicht vollständig ausgeschlossen werden kann, sind die Auswirkungen völlig unklar.

Abschließend gilt es darauf hinzuweisen, dass es sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren der EU-Kommission handelt und für alle Beteiligten unabhängig von ihrer Position, Firmen- oder Parteizugehörigkeit die Unschuldsvermutung gilt.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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