LH: Kartellgericht untersagt Österreich-Diskriminierung

Distribution Cost Charge ist nicht rechtswidrig. - Urteil nicht rechtskräftig.

Foto: Martin Metzenbauer.

Der Fachverband der Reisebüros in der WKÖ obsiegte vor dem österreichischen Kartellgericht gegen die Deutsche Lufthansa AG inklusive ihrer Tochtergesellschaften hinsichtlich Preisdiskriminierung. Betreffend der umstrittenen GDS-Gebühr konnte allerdings der Kranich das Gericht überzeugen. Die Wirtschaftskammer prüft nun hinsichtlich der DCC in Berufung zu gehen.

Hintergrund der Kartellklage ist, dass die Lufthansa Gruppe in Österreich über GDS-Systeme im Vergleich zu Deutschland deutlich höhere Ticketpreise verlangte. Laut Wirtschaftskammer habe man anhand eines exemplarischen Falles hat das Kartellgericht die Preisdiskriminierung herausgearbeitet: Demnach hat die LH-Group über globale Computerreservierungssysteme einen Tarif im österreichischen Markt angeboten, der um etwa 65 Prozent höher war als die ab Deutschland gebuchte, völlig idente Flugleistung.

Das Kartellgericht hat der LH-Group einen entsprechenden Abstellungsauftrag erteilt. Damit dürfen bei den betreffenden Buchungen in Zukunft keine unterschiedlichen Preise und Konditionen mehr gegenüber österreichischen Kunden und Reisebüros verlangt werden.

Felix König, Obmann des Fachverbandes der Reisebüros in der WKÖ: "Die Österreich-Zuschläge auf Tarife der LH-Group wurden gerichtsanhängig gemacht. Die Reisebüros sind froh, dass diese Nachteile für österreichische Reisebüros und Kunden bald der Vergangenheit angehören sollen."

Eine Niederlage musste die Wirtschaftskammer aber hinsichtlich der Distribution Cost Charge, umgangssprachlich auch aus GDS-Gebühr bezeichnet, erleiden. Der Lufthansa-Konzern verrechnet seit einiger Zeit rund 16 Euro extra, wenn die Buchung über GDS-Systeme, die insbesondere von Reisebüros verwendet werden, erfolgt. Gegen diese laufen europaweit Reisevermittler Sturm.

Das österreichische Kartellgericht sieht allerdings keinen Missbrauch der Marktstellung der Lufthansa Group, da diese nach Ansicht des Gerichts in Europa lediglich 12 Prozent Marktanteil halte und hinsichtlich der DCC kein Missbrauchsfall der marktbeherrschenden Stellung vorliegen würde. Allerdings hielten die Richter fest, dass in Österreich eine relative Marktbeherrschung der LH-Group gegenüber den Reisebüros vorliegt. Der Grund ist, dass Reisebüros auf die Buchungsmöglichkeit bei der LH-Group angewiesen sind. Daher darf die LH-Group österreichische Reisebüros nicht diskriminieren oder ihnen unangemessene Preise verrechnen. Die DCC hingegen ist nach Ansicht des Kartellgerichts nicht überhöht.

"Die Reisebüros teilen diese Rechtsansicht hinsichtlich der DCC nicht und überlegen, den diesbezüglichen Beschluss des Kartellgerichtes vom Obersten Gerichtshof überprüfen zu lassen", so König von der Wirtschaftskammer.

Das Urteil des Kartellgerichts ist aufgrund offener Rechtsmittelfristen nicht rechtskräftig.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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