LBA entzog Germania die Betriebsgenehmigung

Check-In wurde in Schönefeld noch begonnen, obwohl die Airline gar nicht mehr fliegen hätte dürfen.

Beschädigte 737-700 der Germania (Foto: www.AirTeamImages.com).

Das deutsche Luftfahrt-Bundesamt (LBA) schritt in Sachen der strauchelnden Germania ein und entzog dem Unternehmen in der Nacht von Montag auf Dienstag die Betriebsgenehmigung. Auch das AOC ist mit sofortiger Wirkung anulliert worden. Dieser Schritt ist jedoch für Germania keinesfalls überraschend gekommen, denn seit mehreren Wochen wurde die Geschäftsleitung der nun insolventen Ferienfluggesellschaft zur Erbringung des Kapitalnachweises aufgefordert. Dem Vernehmen nach soll es wiederholte Fristverlängerungen gegeben haben.

Das Luftfahrt-Bundesamt teilt auf seiner Homepage kurz und knapp mit: "Seitens des Luftfahrt-Bundesamtes (LBA) ist der Widerruf der Betriebsgenehmigung angeordnet worden." Nähere Einzelheiten kommentiert die Behörde nicht, wobei Verschwiegenheit zu Details unter den Hinweis auf den Datenschutz beim LBA bei Medienanfragen ohnehin der Regelfall ist. Auch auf der "AOC-Liste" ist Germania nicht mehr vermerkt.

Eine Führungskraft der Germania, die namentlich nicht genannt werden möchte, erklärte gegenüber Aviation Net, dass die Nichtauszahlung der Monatsgehälter für das Kalender Monat Januar 2019 die Entscheidung des LBA beschleunigt hatten. Dieses soll Sicherheitsbedenken gehabt haben und darüberhinaus soll es Germania eine letzte Deadline gehabt haben, die man jedoch verstreichen lassen musste. Der Flugbetrieb wurde mit der Rückkunft der letzten Maschinen nach Deutschland eingestellt, kurz darauf war die Bewilligung ohnehin entzogen.

Dennoch leistete sich Germania unter anderem in Berlin-Tegel, Berlin-Schönefeld, München sowie an ausländischen Airports in der Nacht von Montag auf Dienstag noch unprofessionelle Arbeit. So wurden Passagiere eingecheckt und warteten an den Gates auf das Boarding, das jedoch ohne weitere Informationen verschoben wurde. In München wurde irgendwann mitgeteilt, dass der Flug auf den Folgetag um 22 Uhr 00 verlegt ist und in Tegel auf 12 Uhr 00. In Schönefeld checkte man auch noch ein und Reisende warteten auf das Boarding obwohl AOC und Betriebsbewilligung bereits erloschen war. Den Fluggästen wurde nach längerer Wartezeit lapidar mitgeteilt, dass Germania Insolvenz angemeldet hat und der Flug nicht stattfindet. Man möge das Gepäck abholen und zum Beispiel nach Hause fahren. 

Angesichts der Tatsache, dass die Rückflüge (beispielsweise Tel Aviv-Berlin Tegel) bereits frühzeitig an den ausländischen Airports als "gestrichen" gekennzeichnet wurden, wären die Szenen an den deutschen Airports absolut vermeidbar gewesen. Dieser unrühmliche Abgang der Germania ist im Grunde nur noch das i-Tüpfelchen auf die Geheimniskrämerei und offenbar unzutreffende Kommunikation der letzten Wochen, denn freudig teilte das Unternehmen mit, dass man frisches Geld gesichert habe. Nun ist die ehemalige Airline ein Fall für einen Insolvenzverwalter.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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