Laudamotion will Bestandsflotte "austauschen"

Handgepäckrichtlinie von Ryanair soll nicht übernommen werden.

Ryanair-Chef Michael O'Leary und Laudamotion-Geschäftsführer Andras Gruber (Fotos: Jan Gruber).

Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair kontrolliert nun 75 Prozent der Anteile der heimischen Laudamotion. Der Deal ist nun abgeschlossen, verkündeten Michael O'Leary und Andreas Gruber am Mittwoch in Wien. Die NL Holding GmbH des Niki Lauda wird weiterhin mit 25 Prozent beteiligt bleiben. Es gab und gibt keinerlei Pläne, dass der Firmengründer diesen Minderheitsanteil verkauft.

Michael O'Leary stellte im Rahmen des Pressegesprächs auch klar, dass es zwischen ihm und Niki Lauda keinerlei Verhandlungen im Krankenhaus gegeben habe. Entsprechende Medienberichte wies der Ryanair-Manager ebenso zurück, wie er um Verständnis bat, dass er aus Rücksichtnahme auf die Familie Lauda keinerlei Fragen zum Gesundheitszustand des dreifachen Formel-1-Weltmeisters beantworten werde. Zur Rolle künftigen Rolle des Niki Lauda im Unternehmen Laudamotion sagte Andreas Gruber, dass er weiterhin Geschäftsführer bleibt und keinerlei Änderungen geplant sind.

Bezüglich einer möglichen vollständigen Übernahme in drei Jahren sagte O'Leary, dass Ryanair eine Kaufoption hat, jedoch verschiedene Push- und Putmöglichkeiten beiderseitig vereinbart worden wären. Der Kaufpreis für die 75 Prozent wäre nicht sonderlich hoch gewesen, allerdings benötigt Laudamotion für die geplante Wachstumsstrategie viel Geld. Eine genaue Summe wollte der Manager jedoch nicht nennen.

Neues Design nur für zusätzliche Flugzeuge


Laudamotion-Geschäftsführer Andreas Gruber stellt die neue Livery vor.

Die Flotte von Laudamotion soll bis 2020 auf 30 Airbus-Maschinen wachsen. Im Sommerflugplan 2019 sollen 18 Einheiten der A320-Familie von den Österreichern selbst betrieben werden, während sechs Wetlease-Flugzeuge (Boeing 737-800) von Ryanair gestellt werden. Bis 2020 soll es keine solchen ACMI-Einsätze mehr geben. Bis dahin soll Laudamotion auch Gewinne abwerfen.

Angesprochen auf die Flottenplanung erklärte Michael O'Leary, dass man mit Lufthansa auf allerhöchster Ebene in Verhandlungen steht, da die momentan genutzte Flotte von dieser "sehr teuer" geleast wird. Andreas Gruber, Geschäftsführer der Laudamotion GmbH, fügte hinzu, dass man diese Maschinen ersetzen möchte und um eine einvernehmliche Lösung bemüht ist. Im Hinblick auf das laufende Gerichtsverfahren baten beide Airline-Manager um Verständnis, dass man sich nicht tiefergehend dazu äußern wird.

Konkret bedeutet das, dass Laudamotion jene neun Maschinen der A320-Familie, die von Lufthansa geleast werden, loswerden möchte. Ersatz soll durch andere gebrauchte Leasing-Flugzeuge kommen. Sofern jedoch keine Einigung mit dem Kranich-Konzern erzielt wird, sollen - wie Andreas Gruber gegenüber Austrian Aviation Net bestätigte - diese bis zum Ende der Leasingverträge in der momentanen Livery samt Air-Berlin-Logo auf dem Leitwerk fliegen.

Dies ist insofern ein spannender Punkt, weil die bestehende Flotte definitiv nicht umlackiert wird, sondern nur jene Jets, die neu dazu stoßen mit neuer Livery und neuer Kabine ausgestattet sein werden. Einigt man sich mit Lufthansa fliegen im Sommer 2018 insgesamt 18 Airbus-Jets in neuer Livery, wenn nicht 9 mit Air-Berlin-Logo und neun mit großem "Lauda"-Schriftzug. Die Strahlflugzeuge sollen von "großen, internationalen Leasingfirmen" bezogen werden und "signifikant günstiger" sein als jene, die man momentan von Lufthansa least.

Vorerst wird Laudamotion laut Michael O'Leary allerdings keine fabriksneue Jets erhalten, sondern es handelt sich um Gebrauchtflugzeuge, die nach dem ersten Leasingzyklus an die Lessors zurückgeben wurden. Das durchschnittliche Alter der jener ceo-Einheiten, die das österreichische Unternehmen bekommen wird, soll zwischen fünf und zehn Jahren liegen. Die Kabinen sollen allerdings runderneuert werden. Der erste Jet in neuer Livery soll im September 2018 in Dienst gestellt werden.

Mehr Geld für Piloten

Flugkapitänen will man künftig rund 90.000 Euro als Einstiegsgehalt anbieten und behauptet, dass Wizzair 56.000 Euro, Anisec/Level 72.000 Euro und Eurowings 78.000 Euro bezahlen würden. Das Gesamtgehalt inklusive Flugzulagen soll auf bis zu 180.000 Euro pro Jahr anwachsen. Co-Piloten sollen im ersten Jahr mit 46.000 Euro entlohnt werden. Wizzair soll angeblich 26.000 Euro zahlen, Anisec/Level 38.000 Euro und Eurowings 44.000 Euro. Das Gesamtgehalt pro Jahr inklusive Flugzulagen für Erste Offiziere soll auf bis zu 70.000 Euro anwachsen. Weiters soll es im Winter Dienstpläne mit fünf Arbeitstagen und drei freien Tagen geben. Neu ist auch, dass Piloten eine "Loss of License Insurance" angeboten wird.

Gesucht werden jedenfalls rund 100 Piloten und 290 Flugbegleiter, denen ab Sommerflugplan 2019 auch neue Uniformen verpasst werden sollen. Derzeit sammle man von den Crews Vorschläge und wird die Dienstkleidung vorstellen, wenn die Entscheidungen gefallen sind.

Sein Comeback im Lauda-Imperium feiert übrigens Christian Euler-Rolle, der als "Director HR & Legal" fungieren wird. Selbige Position bekleidete er bereits unter Niki Lauda bei Niki, ehe später unter Air-Berlin-Eigentümerschaft der Jurist und Niki getrennte Wege gingen.

Laudamotion und Ryanair mit unterschiedlichen Handgepäck-Richtlinien


O'Leary und Gruber verfolgen unterschiedliche Pläne, zumindest was das Handgepäck anbelangt.

Angesprochen auf Pläne für Vollcharter-Flüge und GDS-Vertrieb sagte Laudamotion-Geschäftsführer Andreas Gruber, dass dies alles für den Sommerflugplan 2019 "schlagend" werden soll. Man arbeite an verschiedenen Systemen, die Paketeinkauf für Reiseveranstalter, aber auch Gruppenbuchungen ermöglichen sollen. Auch sollen Buchungen über GDS-Systeme ermöglicht werden, woran "Technologiepartner Ryanair" momentan intensiv arbeiten soll. Vollchartern stehe man sehr positiv aufgeschlossen gegenüber und möchte Aufträge an Land ziehen.

Interessant ist allerdings, dass Michael O'Leary betonte, dass Laudamotion frei entscheiden kann was sie von Ryanair "übernehmen" und was nicht. Die neue Handgepäcksrichtlinie der Iren soll - wie Laudamotion-Chef Gruber deutlich betonte - nicht übernommen werden. Auch O'Leary betonte, dass diese nur für Ryanair-Flüge gelte. Angesprochen auf Hinweise auf der Homepage, sicherte Gruber zu, dass die entsprechende Passage in den FAQ angepasst werden würde. Das bedeutet, dass Laudamotion und Ryanair ab November diesen Jahres unterschiedliche Handgepäcksbestimmungen haben werden. Michael O'Leary fügte noch hinzu dass es für Laudamotion keinerlei Druck gäbe irgendetwas von Ryanair zu übernehmen und es bald noch viel mehr Unterschiede geben könnte, denn Laudamotion wäre zwar Mitglied der Ryanair Group, jedoch eine eigenständige, österreichische Firma.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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