Lufthansa und Swiss führen Wilma-Boarding ein

Austrian Airlines will die Ergebnisse abwarten und später entscheiden.

Den Sitzplatz möglichst zügig einnehmen vermeidet Verspätungen (Foto: Jens Goerlich / Lufthansa).

Darüber wie man das Boarding von Verkehrsflugzeugen beschleunigen kann, zerbrechen sich bei vielen Fluggesellschaften sogar Wissenschaftler mit dem Thema. Doch ein echtes „Wunderrezept“ hat bislang noch niemand gefunden, denn dies scheitert oft auch daran, dass insbesondere Wenigflieger das System gar nicht verstehen und natürlich auch unter den ersten, die an Bord gehen, sein wollen.

Gruppenboarding, Reihenboarding, Priority-Boarding und viele andere Ideen gibt es momentan, doch Lufthansa hat nun ein neues Wort erfunden: Das so genannte „Wilma-Boarding“, das in Kürze beim Kranich und bei Swiss getestet werden soll. Austrian Airlines will, so das Unternehmen gegenüber Airliners.de, die Ergebnisse beobachten und zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden.

Das Portal berichtet, dass „Wilma“ eine Abkürzung für „Window, Middle and Aisle“ ist und in dieser Reihenfolge auch die Flugzeuge betreten werden sollen. Zunächst sollen Passagiere mit Fensterplätzen einsteigen, gefolgt von jenen mit Sitzen in der Mitte und zum Schluss Reisende, die am Gang sitzen. Das Ziel soll sein, dass Verzögerungen für das Aufstehen, um andere Fluggäste „reinzulasen“, entfallen soll. Das Projekt ist allerdings nur bei Gangway-Boarding praktikabel, da es bei Busboarding so und so wieder zu Vermischungen kommen würde, außer man würde mehr Fahrzeuge einsetzen und zuvor konsequent sortieren.

Eben dieser Punkt ist auch beim Gangway-Boarding die sprichwörtliche Achillesferse, denn viele Reisenden missachten – bewusst und natürlich auch unwissend – die Reihenfolge, so dass sie fälschlicherweise mit einer anderen Gruppe an Bord gehen. Die Folge ist, dass das ausgeklügelte System dann nicht funktioniert. Manche Fluggesellschaften haben sich auch hierfür etwas einfallen lassen, denn beim Scannen der Bordkarte gibt es sprichwörtlich rotes Licht und das Bodenpersonal weist darauf hin, dass man noch warten muss. Leider kontern unfreundliche Fluggäste dies gelegentlich mit verbalem Kundtun ihres Unmuts darüber.

Bei Lufthansa und Swiss will man jedenfalls laut Airliners.de die Umsetzung des Wilma-Boardings bis November umsetzen. Weiters sollen die Teststandorte ausgebaut werden und bereits im September 2019 umgestellt werden. Allerdings betont der Konzern, dass es für Familien mit Kindern weiterhin Ausnahmen gibt, denn diese dürfen weiterhin gemeinsam einsteigen. Auch Passagiere, die beispielsweise spezielle Unterstützung benötigen (z.B. Reisende, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind) sind wie gehabt nicht vom allgemeinen Boarding umfasst und werden unverändert wie bisher auch zum Flugzeug gebracht. Business-Class-Passagiere und Inhaber bestimmter Statuskarten sollen auch in Zukunft Priority-Boarding in Anspruch nehmen können.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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