Laudamotion-Chef Colin Casey: "Ich will Laudamotion profitabel machen"

Die beiden Geschäftsführer, Andreas Gruber und Colin Casey, im Doppelinterview.

Andreas Gruber und Colin Casey während dem Interview (Foto: Thomas Ramgraber).

Am Montag landete mit der OE-LOB die erste Laudamotion-Maschine in neuer Livery am Flughafen Wien-Schwechat. Die beiden Geschäftsführer, Colin Casey und Andreas Gruber, sehen dies als einen historischen Tag in der Unternehmensgeschichte, doch liegt noch viel Arbeit vor den beiden, um das Unternehmen in die Profitabilität führen zu können.

Während Andreas Gruber zuvor für Niki tätig war und einer der ersten Manager war, die bei Niki Laudas neuem Airline-Projekt unterschrieben, stieß Colin Casey im Sommer dazu. Er war zuvor für den nunmehrigen Mehrheitseigentümer Ryanair tätig. Chairman ist Niki Lauda, der allerdings aufgrund der Genesungsphase in Folge seiner Erkrankung sich derzeit nicht ins öffentliche Rampenlicht stellt.

Austrian Aviation Net sprach mit Colin Casey und Andreas Gruber über aktuelle Entwicklungen bei Laudamotion, den Technikbetrieb in Wien, Pläne für Anpassungen im Catering-Konzept, neue Uniformen und über Wiener Schnitzel und Guinness-Bier.


Airbus A320 "Wien" (Foto: Thomas Ramgraber).

AANet: Schön Sie in Wien zu treffen. Leben Sie jetzt eigentlich in Wien oder in Dublin?
Colin Casey:
Beides. Ich wohne fünf Tage in der Woche in Wien und am Wochenende bin ich zu Hause in Dublin bei meiner Familie.

AANet: Da ist ja der „Corporate-Shuttle“ zwischen Wien und Dublin ganz praktisch für Sie. Sind Sie zufrieden mit dem Bordprodukt von Laudamotion?
Colin Casey:
Absolut zufrieden. Der Service ist meiner Meinung nach wirklich exzellent für unsere Passagiere. Für Ryanair und Laudamotion ist es auch sehr nützlich, dass diese Verbindung täglich angeboten wird. Aber ganz nebenbei: Bevor wir diese Route aufgenommen haben, bin ich natürlich auch schon sehr häufig zwischen Dublin und Wien hin- und hergependelt. Ich musste bei Mitbewerbern jede Woche mehrere Hundert Euro für meine wöchentlichen Reisen zwischen Wien und meiner Heimat hinlegen. Jetzt kann ich für weniger als 50 Euro jede Woche fliegen. Davon profitiere natürlich nicht nur ich persönlich, sondern alle Passagiere, die nach Wien oder Dublin reisen wollen.


Colin Casey (links) bei seinem ersten öffentlichen Auftritt für Laudamotion mit VIE-Vorstand Julian Jäger (Mitte) und Laudamotion-Co-Geschäftsführer Andreas Gruber (Foto: Laudamotion).

AANet: Was sind Ihre persönlichen Ziele bei Laudamotion?
Colin Casey:
Da gibt es nur ein ganz großes Ziel und zwar Laudamotion komplett und durch und durch profitabel zu machen.

AANet: Als langjährigen Ryanair-Mitarbeiter frage ich Sie: Hand aufs Herz, ist der Bordservice bei Ryanair oder Laudamotion besser?
Colin Casey:
Nun, ganz ehrlich: Beide haben ihre positiven Seiten, denn auf den Ryanair-Flugzeugen wird im Vergleich zu Laudamotion eine deutlich größere Auswahl an Speisen und Getränken angeboten. An Bord der Laudamotion-Maschinen ist die Speisekarte stark auf den österreichischen Markt zugeschnitten. Wir müssen das aber stark aus Kundensicht sehen, denn wir bieten nicht nur für Österreicher an, sondern sind eine internationale Fluggesellschaft. Auf meinem Flug von Dublin nach Wien sind beispielsweise viele irische Passagiere und wir bemühen uns die Erwartungen aller internationalen Gäste erfüllen zu können. Deswegen arbeiten wir daran, dass wir unsere Speise- und Getränkekarte stets entsprechend anpassen.

AANet: Im Frühjahr kündigte Laudamotion ein neues Cateringkonzept an, das im Herbst mit Einflottung der Maschinen mit neuer Livery umgesetzt werden sollte. Um dieses Thema wurde es verdächtig ruhig. Wann kommt denn nun das neue Cateringkonzept?
Andreas Gruber:
Ich bin der Ansicht, dass wir momentan ein sehr gutes Angebot an Bord haben, das die unterschiedlichsten Bedürfnisse unserer Kunden gut erfüllt. Wir bieten unseren Passagieren eine breite Auswahl an heißen und kalten Mahlzeiten wobei das Portfolio sowohl süße als auch salzige Snacks, heiße und warme Getränke und natürlich einige österreichische Spezialitäten beinhaltet. Mit Beginn des Winterflugplanes im vergangenen Monat haben wir unsere Produktpalette erneut verfeinert und arbeiten natürlich auch weiterhin an einer ständigen Verbesserung sowie Erweiterung unseres Angebots.


Triebwerk der OE-LOB (Foto: Thomas Ramgraber).

AANet: Laudamotion präsentierte am Montag mit der OE-LOB den ersten A320 in neuer Livery. Erzählen Sie uns ein bisschen über die neue Lackierung und das neue Flugzeug.
Andreas Gruber:
Heute ist ein sehr wichtiger Tag für uns, denn Ende August haben wir erstmals unsere neue Livery in einem Video präsentiert und jetzt einige Wochen später ist der erste Jet hier in Wien angekommen. Wir sind absolut stolz darauf, dass unser Flugzeug nun die neuen Farben und natürlich auch den Namen unseres Firmengründers durch ganz Europa und darüberhinaus trägt. Wir sind sehr glücklich darüber, dass wir es geschafft haben mit der OE-LOB das erste von 19 Flugzeugen hier in Wien zu haben.

AANet: Das neue Flugzeug ist da, doch würden da nicht auch neue Uniformen gut dazu passen?
Andreas Gruber:
Wir befinden uns gerade in einem laufenden Planungsprozess. Mit Beginn des Sommerflugplans 2019 werden unsere Crews in neuem Look unterwegs sein. Momentan haben wir die Qual der Wahl aus verschiedenen Designentwürfen und werden uns schon sehr bald für den besten Entwurf entscheiden.


Derzeit sind die Besatzungen noch in den Uniformen von Niki unterwegs. Das soll sich ändern. Die auf dem Foto ersichtlichen Sitze in der OE-LOB stammen übrigens aus dem Hause Zodiac Aerospace (Foto: Thomas Ramgraber).

AANet: Ihre „neue“ OE-LOB ist geleast. Haben Sie Pläne für A320neos?
Andreas Gruber:
Die am Montag in Wien angekommene „Wien“ ist der erste von 19 Airbus A320, die wir bis Ende Sommer 2019 übernehmen werden. Wie wir schon mitgeteilt hatten sind die Flugzeuge geleast. Was die Zukunft bringt, ja das werden wir dann sehen. Langfristig sind A320neos auf jeden Fall interessant für uns.

AANet: Ryanair bedient gelegentlich im Auftrag von Laudamotion die Route Wien-Dublin. Handelt es sich dabei um einen kurzen Wetlease oder was hat es damit auf sich?
Andreas Gruber:
Nur an Sonntagen fliegt Ryanair für uns auf dieser Route. Wir führen für Ryanair einige technische Arbeiten in unserer Technik in Wien durch und nutzen die Linienverbindung an Sonntagen dann auch für den Austausch des Fluggeräts.

AANet: Ryanair ist ein großer Boeing 737-800-Betreiber  - Laudamotion hingegen fliegt mit einer reinen Airbus-Flotte. Allerdings ist die Technik in Wien seit einigen Wochen auch zur Wartung von Boeing 737 zugelassen und Ryanair ist ein großer Kunde. Wie kam es zu dieser „Evolution“ im Hangar von Laudamotion:
Colin Casey:
Es ist einfach der Weg von Ryanair, dass wir immer nach Synergien innerhalb des Konzerns suchen. Laudamotion hat seinen eigenen Wartungsbetrieb. Von der Größe her ist dieser optimal für die Airbus-Flotte, aber bei Ryanair haben wir schon früh die Absicht gehabt die exzellente Arbeitsqualität der österreichischen Techniker als Teil unserer breiten Konzernstrategie zu nutzen. Wir konnten hier vor Ort zahlreiche Techniker für das Muster Boeing 737 trainieren und das ist natürlich für die Arbeiter auch eine tolle Sache, denn nun sind sie sowohl für Airbus, Embraer als auch Boeing geschult und zugelassen. Für die Firma ist das natürlich sehr wichtig, denn wir haben nun eine sehr gute interne Technik-Lösung, die sowohl für Ryanair als auch für Laudamotion perfekt ist. Dadurch, dass wir den Hangar in Wien nun optimal auslasten können und durch die Schulung der Techniker auf Boeing 737 auch weitere Drittkunden betreuen können, können wir unsere Kosten niedrig halten. Davon profitieren in weiterer Folge insbesondere die Passagiere.


Laudamotion-Geschäftsführer Andreas Gruber war zuvor für Niki tätig (Foto: Thomas Ramgraber).

AANet: Wie viele Ryanair-Flugzeuge werden im Sommer 2019 für Laudamotion im Einsatz sein?
Andreas Gruber:
Im Moment planen wir mit bis zu fünf Boeing 737-800, die Ryanair für uns betreiben wird.

AANet: Hat Ihnen Andreas Gruber eigentlich schon die vielen Bars in Wien gezeigt?
Colin Casey (lacht):
Leider noch nicht.

AANet: Und Sie mit ihm in Dublin?
Colin Casey:
Andreas reist sehr häufig zu Terminen mit dem Senior-Management nach Dublin. Dies mindestens alle zwei Wochen und unser Group CEO, Michael O’Leary, ist auch sehr häufig hier in Wien. Im Moment sind wir sehr stark auf unser Business fokussiert und haben leider noch nicht die Zeit gehabt Wien oder Dublin zu genießen. Wenn wir die Firma in die Richtung gebracht haben, in die wir sie bringen müssen, also profitabel fliegen, werden wir hoffentlich auch mal ein bisschen Zeit haben, um uns privat mal gegenseitig Wien und Dublin zeigen zu können. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass am Montag der Grundstein für die Profitabilität gelegt wurde, denn es ist das erste echte Laudamtion-Flugzeug. Meiner Meinung nach ist das ein historischer Meilenstein für Laudamotion.


Andreas Gruber und Colin Casey während des Interviews (Foto: Thomas Ramgraber).

AANet: Wenn es für einen Barbesuch in Wien noch nicht genug Zeit gab, mussten Sie ja hoffentlich nicht verhungern. Was ist Ihr Lieblingsgericht in Österreich?
Colin Casey:
Ich habe die letzten acht Monate in Wien in einem Hotelzimmer gewohnt und schon einiges probiert. Mein ganz persönlicher Favorit ist ganz klar: Wiener Schnitzel.

AANet: Und Ihres in Irland, Herr Gruber?
Andreas Gruber (lacht):
Das Guinness-Bier natürlich.


Wäre Niki Lauda noch auf dem Foto, so wäre das gesamte Geschäftsführer-Trio der Laudamotion zu sehen (Foto: Thomas Ramgraber).

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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