Laudamotion-Bestandsflotte wird nicht umlackiert

So man sich mit Lufthansa nicht einig wird, bleibt das Air-Berlin-Logo noch zwei bis drei Jahre erhalten.

Airbus A320 OE-LOF am Flughafen Düsseldorf (Foto: Jan Gruber).

Vergangene Woche kündigte die Fluggesellschaft Laudamotion ihre neue Livery und die Erweiterung der Flotte an, doch die bestehenden neun Airbus-Maschinen werden das neue Design nicht erhalten, wie Firmenchef Andreas Gruber gegenüber Austrian Aviation Net bestätigt.

Laudamotion wird die Flotte um insgesamt neun weitere Mittelstreckenjets des europäischen Flugzeugbauers Airbus ergänzen. Diese werden - wie berichtet - von "großen Leasinggesellschaften" geleast und sollen bereits zum Zeitpunkt der Indienststellung die neue Livery tragen. Die erste Einheit soll bereits im September zur Flotte stoßen.

Jene neun Jets, die Laudamotion momentan betreibt, sind bereits seit langer Zeit ein Zankapfel zwischen der heimischen Airline und dem Lufthansa-Konzern. In den Wirren der Pleiten von Air Berlin und Niki im Vorjahr erwarb der Kranich nahezu die gesamte Flotte der Österreich-Tochter. Lediglich vier Flugzeuge, die nun für Anisec unterwegs sind, verblieben bei einer Leasinggesellschaft. Lufthansa wurde aufgrund einer Anordnung der EU-Kommission dazu verdonnert die einstige Niki-Flotte, die man gekauft hatte, zu "marktüblichen Konditionen" an den Käufer von Niki zu verleasen oder aber zu verkaufen.

Laut Kranich-Konzern lehnte es Niki Lauda ab die betroffenen Airbus-Jets zu kaufen und entschied sich für das Leasingmodell. Ursprünglich erklärte der dreifache Formel-1-Weltmeister, dass er sich mit Lufthansa auf 15 Maschinen geeinigt hatte, jedoch wurden bis dato lediglich neun Einheiten übergeben, was ein weiterer Aspekt des Streits zwischen den beiden Fluggesellschaften ist.

On-Top kommt noch dazu, dass Lufthansa aufgrund behaupteter Zahlungsanstände die Verträge für die neun Airbus-Maschinen, mit denen Laudamotion momentan selbst fliegt, kündigte und die gesamte Angelegenheit in London vor Gericht verhandelt wird. Der nächste Termin im Gerichtssaal ist im November 2018, wo es möglicherweise eine Entscheidung geben könnte.

Laudamotion scheint jedoch eine Kehrtwende vollzogen zu haben und will die von Lufthansa geleasten Airbus-Maschinen nun loswerden und durch neun baugleiche Jets, die von einem anderen Leasinggeber bezogen werden, ersetzen. Dazu soll die eigenbetriebene Flotte um die selbe Stückzahl anwachsen, so dass man im Sommer 2019 insgesamt 18 Airbus-Jets selbst betreiben wird.

Vor diesem Hintergrund sollen - wie erwähnt - jene neun Maschinen, mit denen Laudamotion momentan selbst fliegt, nicht umlackiert werden. So man sich mit Lufthansa einig wird, könnten diese Maschinen ab November zügig ausgeflottet werden und durch andere, baugleiche Jets ersetzt werden. Wird man sich mit dem Kranich-Konzern allerdings nicht einig, würden die neun Ex-Niki-Maschinen noch bis zum Ende der Leasingvertragslaufzeit in der momentanen Livery, also mit Air-Berlin-Logo am Leitwerk und AirBerlin.com-Schriftzug am Bauch, für Laudamotion fliegen, bestätigte Andreas Gruber gegenüber Austrian Aviation Net.


Die Bestandsflotte wird das vergangene Woche vorgestellte neue Design nicht mehr bekommen (Foto: Jan Gruber).

Zu den genauen Konditionen, die ursprünglich zwischen Lufthansa und dem Niki-Nachfolger vereinbart wurden, wollte der Airline-Geschäftsführer genausowenig sagen wie zum aktuellen Stand der Gespräche mit Leasinggeber Lufthansa. Allenfalls ist aufgrund des bisherigen Verlaufs der Ereignisse zu erkennen, dass die Fronten verhärtet sein könnten. Die Vertragslaufzeit variiert und beträgt je nach Jet zwischen zwei und drei Jahren. Möglich, aber weder von Lufthansa noch von Laudamotion bestätigt oder kommentiert, ist auch, dass der Kranich-Konzern eine Abschlagszahlung für die vorzeitige Vertragsbeendigung fordert. Hierbei ist dies auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass Lufthansa öffentlich die Kündigung der Leasingverträge erklärte und hierbei als Grund Zahlungsanstände anführte und auf eine Entschädigung pochen könnte.

Sollten sich Laudamotion und Lufthansa nicht auf eine einvernehmliche Beendigung der Verträge einigen können, so könnte es nun wie folgt weitergehen:

  1. Laudamotion gewinnt das in London geführte Gerichtsverfahren und betreibt die neun Jets bis zum Ende der Vertragslaufzeit weiter.
  2. Lufthansa gewinnt das in London geführte Gerichtsverfahren und die neun Jets müssen zu einem Zeitpunkt, den das Gericht festlegt, von Laudamotion an Lufthansa zurückgegeben werden.
  3. Laudamotion gewinnt diesen Gerichtsprozess, einigt sich dennoch mit dem Kranich-Konzern auf eine einvernehmliche Vertragsbeendigung.

Zu den obigen drei Spekulationen gilt es zu berücksichtigen, dass das Verfahren in London derzeit in erster Instanz geführt wird. Unabhängig was das Gericht entscheidet, besteht die Möglichkeit, dass es zu einer Berufungsverhandlung kommen könnte. Alternativ steht noch die vierte Option zur Verfügung, dass sich die beiden Streithähne außergerichtlich auf Rückgabe der Airbus-Jets einigen und das Verfahren so mit einer außergerichtlichen Einigung (Vergleich) beendet wird.

Unabhängig von der Entwicklung der von Laudamotion selbst betriebenen Airbus-Flotte wird das Unternehmen bis 2020 weiterhin auf Wetlease-Flugzeuge von Ryanair setzen. Die Anzahl der Boeing 737-800, momentan zehn Stück, sollen bis 2020 auf null heruntergefahren werden. Diese Reduktion der ACMI-Kapazität wird schrittweise vollzogen werden.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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