Laudamotion: AK bemängelt "überraschende" Gebühren

Carrier weist vor Abflug wiederholt deutlich auf Zusatzgebühr für Schalter-Check-In ohne Bordkarte hin, die Arbeiterkammer will dennoch prüfen.

Airbus A320 (Foto: Thomas Ramgraber).

Verschiedene Fluggesellschaften, darunter beispielsweise Ryanair, Laudamotion und Wizzair, erheben für den klassischen Schalter-Check-In eine Zusatzgebühr, insbesondere dann wenn die Bordkarte nicht ausgedruckt oder in der Smartphone-App anzeigbar mitgebracht wird. Dabei unterscheiden manche Anbieter zwischen "gar nicht online eingecheckt" und "Ausdruck vergessen".

Die Arbeiterkammer Salzburg hat nun Laudamotion im Visier, da deren Gebührensystem, das sich an jenem von Ryanair orientiert, eine Servicepauschale in der Höhe von 55 Euro pro Person und Strecke vorsieht, wenn am Flughafen keine selbstausgedruckte oder in der Ryanair-App gespeicherte Bordkarte vorgewiesen werden kann. Vergisst man lediglich den Ausdruck oder ist beispielsweise der Akku des Smartphones leer, so fallen für die Aushändigung einer neuen Bordkarte immerhin noch 20 Euro an.

Sonderlich überraschend können diese eventuellen Zusatzkosten allerdings nicht kommen, da im Gegensatz zu den Darstellungen der Arbeiterkammer Salzburg nicht nur im Kleingedruckten darauf hingewiesen wird, sondern vor dem Abflug von Ryanair mehrere E-Mails verschickt werden, die in unübersehbarer Schrift deutlich darauf hinweisen, dass die Nutzung des Schalter-Check-Ins ohne ausgedruckte Bordkarte (alternativ kann die Einsteigekarte in der App gespeichert werden) eben 55 Euro kostet. Auch bei Mitbewerber Wizzair werden Kunden per E-Mail und Push-Mitteilung (sofern die App installiert ist) wiederholt rechtzeitig vor Abflug daran erinnert, dass der Online-Check-In notwendig ist und am Flughafen hohe Extrakosten anfallen würden.

Die Behauptung der Arbeiterkammer Salzburg, dass sich Informationen zu dieser Zusatzgebühr nur im Kleingedruckten befinden würden, ist daher schlichtweg unzutreffend. Die Realität ist wie beschrieben, dass seitens Ryanair, deren Buchungssystem Laudamotion nutzt, wiederholt deutlich auf diese möglichen Zusatzkosten per E-Mail hingewiesen wird. Auch die App von Ryanair bzw. im Log-In finden sich entsprechende Hinweise. Das Gebührenverzeichnis, das auf der Homepage abrufbar ist, weist ebenfalls auf diesen Umstand hin.


Mit solchen E-Mails weist Ryanair auch bei Laudamotion-Flügen deutlich darauf hin, dass das Nicht-Einchecken über das Internet zu Zusatzkosten am Flughafenschalter führen kann.

Dafür, dass jene Beschwerdeführer, auf deren Antrieb die Arbeiterkammer Salzburg offenbar aktiv wurde, ihre E-Mails nicht lesen und sich nicht mit den Bestimmungen der gebuchten Airline befassen, kann die Fluggesellschaft nichts. Bemerkenswert ist allerdings der Umstand, dass offensichtlich Urlaubsreisende äußert wenig mit Veränderungen in der Luftfahrt befassen, obwohl diese teilweise schon zum Zeitpunkt der Buchung bekannt sind. Bei einem Laudamotion-Mitbewerber in Wien kommt des dem Vernehmen nach gerade in der Ferienzeit immer wieder zu Überraschungen, dass nicht nur ein Selbst-Check-In erforderlich ist, sondern dass ein kofferloser Tarif gebucht wurde und für die Mitnahme des Gepäcks eine Gebühr zu bezahlen ist. Manchmal ist die Ursache dahinter, dass diese Wenigflieger bei der Buchung schlichtweg nicht darauf geachtet haben was sie eigentlich kaufen und leider durchaus auch die österreichische "Raunzer-Manier" kombiniert mit dem Irrglauben, dass das Bodenpersonal, wenn es mit einer ordentlichen Portion Unfreundlichkeit und Drohung mit Beschwerden den Koffer schon gratis einchecken wird. Mit selbigem Problem sind diese Mitarbeiter übrigens durchaus auch beim Boarding konfrontiert, denn diese ganz spezielle Kundengruppe will natürlich auch von Gewichts- und Größenbeschränkungen des Handgepäcks nie etwas gehört oder gelesen haben.

Selbstredend sind Zusatzgebühren für die Nutzung von Schalter-Check-In, Mitnahme von Gepäck oder zusätzlichen Handgepäckstücken nicht gerade kundenfreundlich, doch nach und nach haben diese sich zum Branchenstandard durchgesetzt. Die meisten europäischen Anbieter verlangen auf der Kurz- und Mittelstrecke für die Mitnahme von Koffern extra, manche sogar auf der Langstrecke. Dennoch erscheint es zumutbar, dass man sich spätestens während der Buchung mit den Bestimmungen befasst, es ist auch anzunehmen, dass man einen Vertrag vor der Unterschrift liest. Leider ist es so, dass Papierverträge - beispielsweise ein Wohnraummietvertrag - aufmerksam gelesen werden, während beim Onlineshopping oder Onlinekauf von Flugtickets gerne die AGB einfach "als gelesen" weggeklickt werden. Dies kann im Streitfalll ärgerlich sein, denn im von der Arbeiterkammer vorgebrachten Fall dürften die Aussichten aufgrund der Tatsache, dass Laudamotion und Ryanair wiederholt deutlich sichtbar aktiv auf die Zusatzkosten für Schalter-Check-In ohne Bordkarte hinweisen, eher aussichtslos erscheinen. Selbiges gilt übrigens auch für andere Fluggesellschaften, die solche Gebühren erheben und ihre Kunden wiederholt deutlich darauf hinweisen. Ein Beispiel hierfür ist Wizzair.


Boeing 737-800 von Ryanair (Foto: Thomas Ramgraber).

"Unsere Kollegen in Wien prüfen derzeit, ob diese Check-In-Praxis tatsächlich rechtmäßig ist oder ob eine Abmahnung dieser AGBs möglich ist. Die AK Salzburg hat Laudamotion um Stellungnahme ersucht – bislang ohne Antwort", erklärt die Arbeiterkammer Salzburg. "Derzeit häufen sich die Anfragen von verärgerten „Laudamotion“-Flugpassagieren bei uns. Der Grund: Beim Check-In am Flughafen wird pro Ticket eine Gebühr von 55 Euro verlangt. Das steht zwar im Kleingedruckten der Beförderungsbedingungen, wird aber von vielen Passagieren überlesen. Deshalb empfehlen wir, Laudamotion-Bordkarten selbst im Vorhinein auszudrucken, um nicht dann am Schalter von Gebühren überrascht zu werden."

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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