Lauda: "Wurde noch nie so unfair behandelt wie von Carsten Spohr"

Österreichische Fluggesellschaft struktuiert die Führungsgremien neu - Geschäftsführer Colin Casey kündigte drei Manager, Chairman will davon nichts gewusst haben.

Niki Lauda (Foto: Jan Gruber).

Laudamotion-Geschäftsführer Niki Lauda gibt im Interview mit der österreichischen Tageszeitung „Kurier“ erstmals zu, dass es hinsichtlich der Bezahlung von Leasingraten an die Lufthansa Group tatsächlich zu einem Verzug gekommen ist. Vor einigen Monaten noch dementierten sein Co-Geschäftsführer Andreas Gruber und Mehrheitseigentümer Ryanair diesen Umstand scharf.

Lauda räumt jedoch keinerlei Verschulden seines Managements ein, sondern fügt in diesem Gespräch hinzu, dass es sich um eine „banktechnische Verzögerung einer Überweisung von rund 700.000 Euro“ gehandelt habe. Gegen Lufthansa holt er im Gespräch mit dem Kurier zum Rundumschlag aus: „Lufthansa wollte Laudamotion vernichten.“ Der börsennotierte Luftfahrtkonzern hätte sich nicht an einen Vertrag über 21 Airbus-Flugzeuge gehalten, sondern lediglich neun übergeben. Später wurde Laudamotion laut Niki Lauda vor einem Londoner Gericht auf 21 Millionen Euro verklagt. Das Verfahren hätte – so der Airline-Teilhaber – der Kranich-Konzern verloren. Lauda gegenüber dem Kurier: „Ich wurde in meinem ganzen Leben noch nie so unfair behandelt wie von Lufthansa-Chef Carsten Spohr und seiner Mannschaft. Das vergesse ich nie.“


Niki Lauda im April 2018 vor der OE-LOF in Düsseldorf (Foto: Jan Gruber).

Replizierend ist allerdings festzuhalten, dass Niki Lauda selbst gegenüber diversen Medien, aber auch in Interviews, die er Austrian Aviation Net gegeben hatte, stets von einem Vertrag mit Lufthansa über 15 ehemalige Niki-Flugzeuge sprach. Die benannte „Stückzahl“ von 21 Jets ist auch insofern zweifelhaft, da der Kranich-Konzern nicht die komplette Flotte der ehemaligen Air-Berlin-Tochter erwerben konnte. Beispielsweise veräußerte ein Leasinggeber vier A321 nicht, sondern verleaste sie an die IAG-Neugründung Anisec.

Bezüglich dem Gerichtsverfahren in London ist auch darauf hinzuweisen, dass Laudamotion und Lufthansa laut offiziellen Mitteilungen einen Vergleich erzielt hatten, mit dem sämtliche wechselseitigen Rechtsstreitigkeiten beigelegt wurden. Beide Unternehmen teilten daraufhin mit, dass über die genauen Modalitäten Stillschweigen vereinbart wurde. Das Management von Laudamotion hielt sich bislang eisern daran und verweigert jegliche Auskunft über Details, die über die offizielle Mitteilung, dass die neun von Lufthansa geleasten Jets bis Juni 2019 zurückgegeben werden, hinausgeht.

Ohne Ryanair wäre Lauda „aufgeschmissen“ gewesen


Niki Lauda über Michael O'Learys Verhalten während seiner schweren Erkrankung gegenüber dem Kurier: "Er war derart fair, während ich nicht einsatzfähig war, dass ich nur meine Kappe vor ihm ziehen kann." Der Ryanair-Chef soll ihn bestens vertreten haben, jedoch ohne das Lauda-Kapperl (Foto: Jan Gruber).

Niki Lauda erklärt gegenüber dem Kurier aber auch, dass ohne den Einstieg von Ryanair das Unternehmen möglicherweise am Ende gewesen wäre. Er beschreibt dies sogar als „Rettung“ und deutet gleichzeitig an, dass er seinen Viertelanteil an Laudamotion vorzeitig an den irischen Luftfahrtkonzern verkaufen könnte. Hierzu bedarf es allerdings auch der Zustimmung von Ryanair, die momentan eher die Ansicht vertritt, dass Niki Lauda noch drei Jahre im Boot bleiben soll.

Die geplante Umstrukturierung der Unternehmensführung konnte bislang aufgrund der schweren Erkrankung des dreifachen Formel-Eins-Weltmeisters noch nicht vollständig umgesetzt werden. Ryanair entsandte Colin Casey in die Geschäftsleitung und gleichzeitig wurde ein Vieraugenprinzip eingeführt. Sowohl Niki Lauda als auch Andreas Gruber müssen rechtsverbindliche Verträge gemeinsam mit Colin Casey unterfertigen. Dies bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass der Ryanair-Mann nur mit Gruber oder Lauda unterfertigen kann. Ein typisches Vieraugenprinzip eben.

Aufsichtsrat in Planung: Lauda Nr. 1, O’Leary Nr. 2

Das Schwechater Luftfahrtunternehmen ist derzeit in einer Größe, in der das GmbH-Gesetz die Schaffung eines Aufsichtsrats nicht zwingend vorsieht. Laut Berichterstattung des Kuriers soll jedoch ein solches Gremium in den ersten Monaten des kommenden Jahres geschaffen werden. Niki Lauda wird dabei als Chairman fungieren, während Ryanair-Chef Michael O’Leary die Nummer Zwei sein wird. Der bestehende Gesellschafterausschuss, dem auch David O’Brien angehört, wird demnach aufgewertet. Lauda selbst ist übrigens Vorsitzender dieses Gremiums, wurde in den letzten Monaten jedoch krankheitsbedingt weitgehend durch Michael O’Leary vertreten. Der Österreicher betont im Gespräch mit dem Kurier, dass er mit dem Ryanair-Chef, aber auch mit dem Laudamotion-Management in sehr engem Kontakt gestanden habe.

Geschäftsführer Colin Casey räumt im mittleren Management auf

Verwunderlich wirkt dann jedoch, dass der Kurier weiters unter Berufung auf Niki Lauda berichtet, dass Colin Casey drei Mitarbeiter im mittleren Management gekündigt habe. Die Tageszeitung behauptet gar, dass der Laudamotion-Geschäftsführer lediglich eine Stunde zum Ausräumen persönlicher Gegenstände und zum Verlassen des Firmengebäudes gegeben habe. Lauda will von dieser Hardliner-Aktion seines Geschäftsführer-Kollegens angeblich nichts gewusst haben. Über die Namen der Betroffenen schweigt sich der ehemalige Rennfahrer allerdings aus.


Die Laudamotion-Geschäftsführer Colin Casey (links) und Andreas Gruber (rechts) mit Flughafen-Wien-Chef Julian Jäger bei der Erstlandung der OE-LOB (Foto: Thomas Ramgraber).

„Michael O‘Leary hat 150 Millionen Euro investiert und fährt Laudamotion auf 30 Flugzeuge hoch. Jedes Monat kommen zwei bis drei Flugzeuge, damit geht’s um 9,99 Euro nach Palma. Die Lufthansa wird in den nächsten zwei Jahren richtig Kopfweh bekommen und die anderen Billig-Airlines, die jetzt in Wien sind, ebenfalls“, so Niki Lauda gegenüber dem Kurier, der auch andeutet, dass bei Laudamotion die von Gewerkschaften immer wieder kritisierte „Ryanair-Kultur“ gegenüber Mitarbeitern Einzug halten würde.

Laudamotion-Beschäftigte dementieren in Gesprächen mit Austrian Aviation Net allerdings die Andeutung eines „Kulturwechsels“. Vielmehr ist die Rede von einem durchaus engen Zusammenhalt unter der Belegschaft und einer Geschäftsleitung, die für Ideen aller Art offen sein soll. Das Arbeitsaufkommen soll jedoch in allen Unternehmensbereichen sehr hoch sein, da man dem Vernehmen schneller personelle Verstärkung benötigt als ausgeschriebene Stellen besetzt werden können. Dies ist allerdings ein branchenübliches Problem, das insbesondere das fliegende Personal betrifft, das bei nahezu allen europäischen Airlines händeringend gesucht wird. Die Zeichen stehen bei Laudamotion und Mitbewerbern wie Wizzair, Eurowings und Eayjet, aber auch bei Konzernmutter Ryanair ganz klar auf Expansion.


Am Flughafen Wien liefern sich unter anderem Wizzair und Laudamotion einen harten Wettbewerb (Foto: Thomas Ramgraber).

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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