Lauda: Kabinenpersonal als Reinigungspersonal

Heftige Kritik an Laudamotion - von intern und extern.

Auch bei der Flugzeugreinigung lässt sich Geld sparen (Foto: Pixabay).

Kaum eine andere Fluggesellschaft wurde auf der diesjährigen ITB Berlin so kontrovers diskutiert wie Laudamotion. Die Bandbreite der Meinungen reicht dabei von einem grenzgenialen Projekt bis hin zum Strohmann für Lufthansa/Eurowings.

Niki Lauda kündigte in der Öffentlichkeit einen Full-Service-Carrier an, doch starten wird man Ende März diesen Jahres als 1:1-Condor-Klon. Das bedeutet konkret, dass Laudamotion hinsichtlich der Flugtarife, aber auch was das Bordcatering anbelangt, sich überhaupt nicht von der deutschen Partner-Airline unterscheiden wird. Die Bordverpflegung ist in der niedrigsten Preisklasse vorläufig kostenpflichtig und stammt auch nicht aus dem Hause Do&Co, sondern wird über Condor bezogen.

Den fliegenden Kabinenmitarbeitern, die momentan auf das neue Produkt umgeschult werden, wurde in den Kursen bereits deutlich gesagt, dass Laudamotion nun doch auf ein Buy-on-Bord-Konzept setzen werde. Vom öffentlich und in Mitabeiterrundschreiben gegebenen Versprechen, dass Laudamotion Fliegen wieder zu einem Erlebnis machen wolle, will Niki Lauda laut seinen Kabinenmitarbeitern offenbar nichts mehr wissen.

Reinigungsaufgaben sind Sache der Flugbegleiter

Besonders sauer stößt den Laudamotion-Crews allerdings auf, dass der Firmenchef mit der roten Kappe an allen Ecken und Enden spart. Für die Reinigung der Flugzeugkabinen sollen die Crews selbst zuständig sein, denn den branchenüblichen Putztrupp zwischen zwei Flügen soll es nicht geben.

"Cabin Member bei Laudamotion haben gewusst, wenn Niki kommt, dann werden sich gewisse Dinge ändern. Mit gewissen Änderungen, kann man leben aber nicht mit allen. Damals musste man bei Niki, unter Flyniki-Zeiten: Sitztaschen schlichten und von Müll befreien, Fenster putzen und Ablagefächer abwischen. Mit diesen Aufgaben hat man gerechnet aber nicht mit denen von Laudamotion! Cabin Crews müssen: Nun ALLE Reinigungsarbeiten an Bord durchführen! Nach jedem Sektor: Gurte legen, Müll aus den Müllcontainern wechseln, Müll von den Sitzen entfernen, Fenster und Ablagefächer putzen und Sitztaschen schlichten", ist eine von Niki zu Laudamotion gewechselte Flugbegleiterin entsetzt.

Mittlerweile ist auch mehr oder weniger öffentlich bekannt, dass nur ein Bruchteil der einst rund 1.000 Niki-Mitarbeiter ein Jobangebot von Laudamotion bekommen hat. Versprochen wurde seitens Niki Lauda jedoch öffentlich im Fernsehen, in Form offener Briefe, aber auch persönlicher Anschreiben an die Belegschaft, dass er jedem ein Angebot machen werde. Eingetreten ist jedoch - wie erwähnt - nicht unbedingt das "Versprechen". Besonders im Bereich der Technik wurde ein ganz erheblicher Teil der einstigen Niki-Mitarbeiter nicht übernommen. Betroffene kritisieren heftig, dass die Personalauswahl angeblich nicht nach objektiven Kriterien wie Qualifikation erfolgt sein soll, sondern eher einer "Freunderlswirtschaft" geglichen haben soll.

Laudamotion soll laut einem Bericht der "Bild am Sonntag" massive Personalprobleme haben. Auch soll das Fluggerät noch immer nicht in trockenen Tüchern sein. Besonders soll es an Co-Piloten mangeln. Niki Lauda selbst fand dafür nur zwei Worte: "Alles Blödsinn." Dennoch scheint er sich nun unter Zugzwang zu sehen und will am Freitag im Rahmen einer Pressekonferenz seine Sichtweise der Dinge der Öffentlichkeit erklären.

Branche kritisiert, Mitarbeiter glauben nichts mehr

Von seinen Brachenkollegen - also Airlinechefs, die nicht dem Lufthansa-Konzern angehören - erntete Lauda am Rande der ITB Berlin heftigste Kritik. So wurde ihm vorgeworfen, dass er monatelang gegen das "Lufthansa-Monopol" öffentlich polterte und nun mit diesem kooperieren möchte. Weiters würde er sich von der Kranich-Gruppe an der kurzen Leine halten lassen. Angespielt wurde insbesondere auf jene Jets, die Lufthansa beispielsweise in Schönefeld herumstehen hat, jedoch aufgrund einer kartellrechtlichen Prüfung momentan nicht selbst betreiben kann. Eurowings und Austrian Airlines befinden sich in Gesprächen, betonen jedoch, dass noch kein ACMI-Vertrag unterschrieben worden wäre.

Bei der Laudamotion-Belegschaft soll Niki Lauda jedoch sein Vertrauen und seine Glaubwürdigkeit verloren haben. An ein von ihm weiterhin angekündigtes Full-Service-Produkt nach einem Relaunch soll niemand mehr glauben.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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