Lauda: "Habe noch nie eine Fluglinie im Stich gelassen"

Der dreifache Formel-1-Weltmeister und Neo-Fluglinieneigentümer Niki Lauda im Gespräch mit Austrian Aviation Net.

Niki Lauda (Fotos: Jan Gruber).

 

Am vergangenen Freitag stellte Niki Lauda erstmals seine Laudamotion im Rahmen einer Medienkonferenz der Öffentlichkeit vor. Dabei überraschte er gleich damit, dass er bis Juni diesen Jahres insgesamt 21 Flugzeuge betreiben möchte.

Angesprochen auf die Anzahl der Maschinen, die er von der Lufthansa Group im Rahmen eines Dry-Lease-Vertrags beziehen wird sagte Lauda: "Jetzt sind unterschrieben 14 Flieger. Es werden aber mehr." Bezüglich der sieben weiteren Maschinen befindet er sich momentan in Verhandlungen mit Lufthansa, aber auch weiteren Leasegebern. Welche Typen der Airbus-A320-Familie es werden, wollte Lauda noch nicht sagen: "Ich kann Ihnen aber jetzt sagen: In der ersten Juniwoche haben wir 21 Flugzeuge."

Jene Maschinen, die Niki Lauda jetzt hat, werden für das Flugangebot ab Deutschland und der Schweiz verwendet. "Jedes zusätzliche Flugzeug kommt nach Wien. Das Wachstum machen wir dann in Wien mit anderen Destinationen und anderen Geschichten", so Lauda. Geplant ist laut ihm ein City-Shuttle-Lowcoster.

Das Catering-Konzept wird zunächst von Condor übernommen, wobei Niki Lauda eine Änderung auf ein inkludiertes Konzept im Zuge eines Relaunches, den er für Herbst diesen Jahres plant, zumindest nicht ausschließen möchte: "Das werden wir im Herbst sehen. Jetzt muss ich mich danach richten was meine Kunden fliegen und die Condor ist ein Kunde von mir. So, ich kann nicht in der Zeit von 14 Tagen alles machen. Jetzt nehmen wir logischerweise das Condor-Produkt auf die Condor-Flieger drauf. Man kann nicht nachdenken irgendwas anderes zu machen, das geht alles nicht. Deswegen fangen wir jetzt mal so an wie es am Einfachsten geht und dann im Herbst überlegen wir uns in aller Ruhe – das kann ich Ihnen jetzt auch nicht sagen, weil ich bin beschäftigt das jetzt zu lösen – was wir dann ändern werden."

Wie berichtet erfolgt zunächst keine Umlackierung der Flotte, sondern diese werden lediglich mit einer Folie im Bereich der Air-Berlin-Logos versehen. Die Heckflosse wird weiterhin das Air-Berlin-Logo zieren, wobei dies keine Dauerlösung ist. Im Herbst sollen die Jets sukzessive komplett neu lackiert werden. Angesprochen darauf was dies pro Jet in etwa kosten wird, sagte Lauda: "Rund 200.000 Euro. Rund, weil das variiert je nachdem was drauf lackiert wird. Wenn Sie es in Metallic machen kostet es mehr und wenn Sie es nur weiß machen, kostet es nur 150.000 Euro."

 

"Habe Niki rechtzeitig verkauf, weil Air Berlin sie kaputt gemacht hat"

Niki Lauda erklärt im nachstehenden Gespräch mit Austrian Aviation Net einige Hintergründe zu seiner neuen Fluggesellschaft Laudamotion, die er eigenen Angaben nach ins Leben rief, um den Wettbewerb zu sichern, da ihn Monopole massiv stören.

Austrian Aviation Net: Herr Lauda, warum tun Sie sich Laudamotion an, ist Ihnen fad?
Niki Lauda: Es ist eine Herausforderung, die ich mir aus Wettbewerbsdenken einfach antun wollte. Wettbewerb war mein ganzes Leben, warum soll es nur Monopole geben? 

AANet: Hat Nostalgie eine Rolle gespielt, weil Sie Niki nicht einfach so verschwinden lassen wollten
Lauda: Nein, null. Es ging mir nur um den Wettbewerb, von Anfang an. 

AANet: Sie haben mit 47 Millionen viel eigenes Geld investiert, haben Sie es sich leichter vorgestellt, LaudaMotion auf die Beine zu stellen?
Lauda: Nein, gar nicht, die Probleme sind ganz normal. Gelernt habe ich, welche Komplikationen es bei Mitarbeitern mit der Motivation geben kann, wenn man ein Unternehmen übernimmt, das nach dem Air Berlin Desaster auch noch in die Pleite rutscht. Wie kompliziert es da ist, die Mitarbeiter zu motivieren. Das sehe ich auch für mich persönlich als Herausforderung, aber die nehme ich an. 

AANet: Sie haben also die Probleme, die am Tisch liegen, kommen sehen?
Lauda: Ja. 

AANet: Sie wollen ja wieder ein ähnliches Produkt machen, das Sie mit Niki schon einmal hatten. Der Markt hat sich mittlerweile aber verändert, es gibt in Wien Konkurrenten wie Vueling, Wizz Air oder Eurowings. Wird das so leicht gehen?
Lauda: Nein, es ist jetzt schwieriger logischerweise, die Gründe haben sie ja genannt.  Aber genau das sehe ich als Herausforderung, ich kenne ja den Markt und was da alles los ist. Ich muss jetzt ein Konzept machen, damit die Menschen mit mir fliegen und nicht z.B. mit Eurowings. 

AANet: Flugzeuge an Eurowings verleasen wollen Sie nicht, wollen Sie statt dessen an Eurowings Sitzplatzpakete verkaufen?
Lauda: Das müsste ja erst genehmigt werden. 

AANet: Wenn es genehmigt wird, ist das der Plan?
Lauda: Dann überlege ich es mir, zuerst muss ich wissen, was erlaubt ist und was nicht. 

AANet: Wenn Sie nicht mit Eurowings kooperieren, füllen Sie Ihre Flugzeuge dann selbst?
Lauda: Dann machen wir es selbst, und tun es ja auch schon. Eurowings wäre ja nur eine zusätzliche Möglichkeit. 

AANet: Sie haben also keine Sorge, dass Sie die Flugzeuge im Sommer nicht füllen können.
Lauda: Sorgen hat man immer, die Flugzeuge zu füllen. Aber mit den Voraussetzungen, die wir jetzt haben, können wir sie füllen.

AANet: Was sind die drei größten Probleme, die Sie jetzt lösen müssen?
Lauda: Die Flugzeuge bis zum 25. März in die Luft zu bekommen, zu schauen, dass alle Systeme funktionieren und alles, was man dazu braucht. Aber ich bin sicher, dass das gelingen wird. 

AANet: Sind Sie optimistisch, dass das neue Projekt gut laufen wird und Sie längerfristig überleben werden?
Lauda: Ja, da habe ich keinerlei Sorge. 

AANet: Stimmen, die sagen, der einzige, der am Ende gewinnen wird, ist Niki Lauda – das sind also dumme Sprüche.
Lauda: Bei mir ist noch nie eine Fluglinie eingegangen. Dummes Gerede interessiert mich nicht. 

AANet: Ärgern Sie sich darüber?
Lauda: Ja! über all die dummen Spekulationen, wo Menschen nicht nachdenken, was sie sagen. Ich habe noch nie eine Fluglinie im Stich gelassen. Niki habe ich rechtzeitig verkauft, weil Air Berlin sie kaputt gemacht hat und ich da nie mehr hätte gewinnen können. Jetzt ist Air Berlin weg und ich kann wieder von vorne anfangen. 

AANet: Ist das jetzt das letzte Projekt in Sachen Fluglinien?
Lauda: Das kann man nie wissen.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Seit 2015 leitet er den LG für Wirtschaftsjournalismus in Krems, ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Austrian Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.
    Autor: Jan Gruber
    Leitender Redakteur
    Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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