Lauda: "Bis Juni haben wir 21 Maschinen"

Unternehmer stellt seine Laudamotion vor.

Niki Lauda am Freitag im Haas-Haus (Foto: Jan Gruber).

Am Freitagvormittag stellte Niki Lauda im Haas-Haus erstmals seine Laudamotion der Öffentlichkeit vor. Während der Pressekonferenz ging er auf verschiedene - aus seiner Sicht - Unklarheiten, die in den letzten Wochen durch die Medienlandschaft kursierten im Detail ein.

Der Unternehmer bestritt nicht, dass einige ehemalige Niki-Beschäftigte das Unternehmen verlassen haben und bezifferte im Office-Bereich dies wie folgt: "Von einst 52 Mitarbeitern sind nur 27 bei Laudamotion geblieben, jedoch handelt es sich dabei überwiegend um Air-Berlin-Leute, mit denen ich sowieso nicht hätte arbeiten können", so Lauda. Vorwürfe, dass ihm Schlüsselpersonen abhanden gekommen wären, dementierte er heftig. "Die Schlüsselpersonen sind der Andreas Gruber und ich."

Auf das Thema Leiharbeit ging Lauda ebenso ein und kritisierte dabei besonders die Gewerkschaft Vida, mit der er nichts zu tun hat, da die Laudamotion-Beschäftigten durch die GPA-DJP vertreten werden. Besonders die vom Kurier genannten niedrigen Flugbegleiterlöhne bezeichnete Lauda als "unwahr". Laut ihm würden diese mindestens 1.490 Euro zuzüglich Zulagen bezahlt bekommen. Für den Kurier-Zeitungsbericht fand Niki Lauda nur ein Wort: "Frechheit".

Die Anstellung bei der Laudamotion Operations GmbH soll nur bis zum Abschluss eines Kollektivvertrags erfolgen. Lauda bezeichnete die Gespräche als sehr konstruktiv und geht von einem raschen Abschluss aus. Der Grund für diese vorläufige Konstruktion ist laut Lauda, dass in Verträgen ohne Kollektivverträge Spesen und Diäten höher besteuert werden. Die Operations GmbH unterliegt einem KV, die Laudamotion GmbH noch nicht.

"Laudamotion hat derzeit 641 Mitarbeiter, davon 168 Piloten. Derzeit fehlen uns noch rund 55 Flugbegleiter, die wir suchen. Wir haben keine Personalprobleme und alle Berichte, dass uns Piloten fehlen würden, sind Blödsinn", so Niki Lauda, der für diverse Stationen derzeit Stewardessen sucht.

Flotte soll bis Juni auf 21 Flugzeuge anwachsen

Gestartet wird Ende März mit zunächst sechs Flugzeugen. Diese werden zur Zeit mit Laudamotion-Folien beklebt und werden weiterhin das Air-Berlin-Logo am Leitwerk tragen. "Der Grund dafür ist folgender: Die Lufthansa Technik bringt die Flugzeuge auf den neuesten Stand und führt alle Wartungen durch. Es ist einfach nicht genug Zeit, um die Maschinen umzulackieren. Deswegen haben wir uns dafür entschieden über den Air-Berlin-Schriftzug eine Laudamotion-Folie zu kleben. Die Umlackierungen in das neue Design werden im Herbst beginnen. Eine vollständige Umlackierung kostet so in etwa 200.000 Euro pro Flugzeug."

Von der Lufthansa Gruppe wird Niki Lauda neun Maschinen leasen. Dabei handelt es sich um ehemalige Niki-Flugzeuge. Auch soll er von Lufthansa fünf weitere Maschinen leasen, wobei zwei bis drei derzeit von Lufthansa noch vorbereitet werden. Bis Juni soll die Flotte auf 21 Maschinen anwachsen, wobei die ergänzenden sieben Airbus-Jets auf dem freien Markt geleast werden sollen.

Mittelfristig will Niki Lauda jedoch vollständig auf Maschinen des Typs A320neo umflotten, die er fabriksneu beziehen möchte. "Das geht im Moment wegen der Triebwerksprobleme nicht so schnell. Die Leasingverträge haben eine Laufzeit von drei bis fünf Jahren und für die Zeit danach werden wir frabriksneue Neos beschaffen", so der Luftfahrtunternehmer. "Und jedes Flugzeug, das zusätzlich dazu kommen wird, kommt nach Wien. Wir werden in Wien wachsen."

Bezüglich der hohen Anzahl an Slots, die Laudamotion zurückgab, erklärte er: "Ich habe mit Niki rund 60.000 Slots gekauft. Davon nutze ich 40.000 und gebe 20.000 zurück. Das war von Anfang an so geplant, denn da waren auch absolut sinnlose Slots wie Wien-Linz oder Hannover-Hamburg dabei. Wenn man alles fliegt, nur weil man die Slots hat, dann endet man gleich wie die Air Berlin."

Keine ACMI-Flüge für Eurowings, sondern Vertriebskooperation geplant

Bezüglich Wetlease-Aufträgen von Austrian Airlines und Eurowings widersprach Lauda sämtlichen bisherigen Äußerungen von Austrian Airlines, Eurowings und Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Über Wetlease würde man überhaupt nicht sprechen, sondern über eine Vertriebskooperation. "Ich fliege als Laudamotion unter OE-Flugnummer wohin ich will und wir sprechen darüber, dass über die Eurowings-Homepage meine Flüge gebucht werden können. Das sind aber Laudamotion-Flüge auf meine Rechnung auf meinen Slots und kein Wetlease." Noch am Freitag trifft er laut eigenen Angaben den Leiter der österreichischen Bundeswettbewerbsbehörde, Dr. Theodor Thanner, um mit diesem zu besprechen welche wettbewerbsrechtlichen Möglichkeiten für eine mögliche Zusammenarbeit überhaupt zur Verfügung stehen. "Ich muss erst fragen was möglich ist und dann können wir weiterreden was wir verhandeln. Meiner Meinung nach ist ein klassischer Wetlease wettbewerbsrechtlich gar nicht möglich und bei der Vertriebskooperation erkundige ich mich was möglich ist und was nicht", erklärt Niki Lauda, der auf wiederholte Nachfragen einen ganz leicht genervten Eindruck machte. "Wenn wir wissen was wir tun dürfen und was nicht, wird man das sicher so in einer Woche umsetzen können."

Der Sommerflugplan wird für Niki Lauda kein Zuckerschlecken, denn er rechnet mit einem Verlust. "Das logisch und war mir von Anfang an klar, dass ich in Jahr 1, das von April 2018 bis Ende März 2019 gerechnet wird, mit einem Millionenverlust rechnen muss. Das ist einkalkuliert und ich gehe davon aus, dass ab Jahr 2 Gewinne eingeflogen werden", so Lauda. "Und ich habe keinen Partner und keinen Investor. Ich mache das ganz alleine mit meinem Geld und weiß auf was ich mich eingelassen habe."

Zur Stationierung der Flotte sagte Niki Lauda, dass ab Ende Mai in Wien mit fünf Maschinen gestartet werden soll. Weiters will er - "wie früher" - nach und nach auch ab den Bundesländerflughäfen wachsen. "Ich sage es nocheinmal: Jedes Flugzeug, das wir zusätzlich bekommen, kommt nach Wien." Das Konzept der Laudamotion ist kein reiner Ferienflieger, sondern Low-Cost-Cityshuttle-Flüge. "Im Herbst kommt ein Relaunch und wir starten dann ab Wien die ersten City-Strecken. Wohin, kann ich noch nicht sagen. Überkapazitäten werden im Winter auch dadurch abgebaut, dass die Maschinen umlackiert werden. Das dauert pro Airbus so rund drei Wochen."


Niki Lauda mit Flugbegleiterinnen im Haas-Haus (Foto: Jan Gruber).

In Wien catert Do&Co, andernorts Gategourmet

In Wien wird es von Anfang an Catering von Do&Co geben. Ab den Stationen in der Schweiz und Deutschland wird über Condor von Gategourmet bezogen. Das soll laut Lauda jedoch nur eine Übergangslösung sein, denn spätestens ab Herbst will er streckennetzweit Catering aus dem Hause Do&Co anbieten. Angesprochen auf die Frage, ob es dann kostenpflichtig oder inkludiert sein wird: "Das werden wir dann sehen. Wir heben jetzt wegen der extrem kurzen Vorlaufzeit mit dem Condor-Produkt ab, ab Wien von natürlich gleich von Do&Co, und im Herbst machen wir einen Relaunch mit dem neuen Logo, den neuen Lackierungen und neuen Uniformen. Wir entscheiden dann wie wir unser City-Shuttle-Produkt positionieren werden. Generell wird Laudamotion Cityshuttle-Flüge und Charterflüge anbieten."

Weiters sagte Lauda, dass sich der Lowcost-Markt in Wien momentan stark verändert. "Wir müssen so günstig wie möglich produzieren und dem Passagier gleichzeitig ein Topprodukt bieten. Wenn man das nicht kann, endet man wie die Air Berlin", so Lauda. "Jetzt beim Start ist es für die Passagiere sicher verwirrend, dass am Rumpf Laudamotion steht und auf der Heckflosse das Air Berlin Logo ist und die Flugbegleiter Niki-Uniformen tragen. Im Herbst kommt dann der "Lauda way to fly". Neue Uniformen, neue Lackierung, Do&Co-Catering auch außerhalb Wiens und und und. Das ging einfach alles so schnell gar nicht und drum werden die Besatzungen die möglichen Verwirrungen mit österreichischer Freundlichkeit und einem österreichischen Lächeln wettmachen".

Niki Lauda selbst ist von einem vollen Erfolg seiner Laudamotion überzeugt, wenngleich er auch zugibt, dass der Markt sich verändert hat und es nicht einfach werden wird. Auch gesteht er ein, dass in den letzten Wochen der eine oder andere Fehler gemacht wurde. Verschiedene Vertriebspartnerschaften, darunter die bestehende mit Condor und eine mögliche mit Eurowings, sollen die Auslastung verbessern. "Wenn das mit der Verkaufskooperation mit Eurowings nichts wird, dann verkaufen wir eben unsere Tickets alleine."

Der erste offizielle Laudamotion-Flug wird am kommenden Dienstag mit geladenen Gästen auf der Strecke Wien-Düsseldorf-Wien abheben. Hier sollen dann alle Abläufe getestet werden, so dass "am 25. März auch garantiert nichts schief gehen wird und wir pünktlich abheben werden".

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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