Lachinger: AUA muss ins Fitnesscenter

Der langjährige Finanzchef von Austrian Airlines, Heinz Lachinger hat das Unternehmen Ende März 2018 verlassen. Michael Csoklich traf ihn zum Abschiedsinterview.

Heinz Lachinger (Foto: Austrian Airlines Group).

Bei Austrian Airlines geben sich derzeit die Vorstände die Türklinken in die Hand. Ende März hat der Finanzvorstand Heinz Lachinger Austrian Airlines nach 30 Jahren auf eigenen Wunsch verlassen. Kommenden Montag tritt sein Nachfolger Wolfgang Jani sein Amt an. Ende Juli macht CEO Kay Kratky seinem Nachfolger Alexis von Hoensbroech Platz.

Heinz Lachinger zählte zu den "Ur-Gesteinen" bei Austrian Airlines. Im Abschiedsinterview mit Austrian Aviation Net spricht er mit Michael Csoklich über die Fitness von Austrian Airlines, wann ihm das Lachen vergangen ist, warum er sich gerne in den Spiegel schauen können will und wie er sich seine Zukunft ohne Austrian Airlines vorstellt.

Austrian Aviation Net: 60 Jahre Austrian Airlines, 30 Jahre Lachinger – das schaut fast wie eine Liebesbeziehung aus, oder?

Heinz Lachinger: Jedenfalls sind es nicht meine Body-Maße. Sie haben eine Zahl ausgelassen, ich bin 50 Jahre alt geworden, das spielte eine gewisse Rolle in meinen Überlegungen, mich beruflich zu verändern.

Austrian Aviation Net: Warum haben Sie gerade jetzt diese Beziehung beendet, war das eine Art Torschlusspanik?

Heinz Lachinger: Keine Spur von Torschlusspanik - Der Schritt kam wohl für viele überraschend, er war aber gut überlegt, weil ich eineinhalb, zwei Jahre den Plan gehegt und überlegt habe - für mich aber der Zeitpunkt der richtige sein musste. Und aus meiner Sicht war das jetzt der richtige Zeitpunkt. Ich kann nach meinem Begriff geordnete finanzielle Verhältnisse übergeben und die Chance zu nutzen, als Fünfzigjähriger noch einmal etwas anderes machen zu können.

Austrian Aviation Net: Das heißt der Versuch und das Gelingen, Austrian Airlines in die Gewinnzone zu führen, war stark von Eigeninteresse geprägt?

Heinz Lachinger: Nein, es war kein Eigeninteresse. Aber natürlich war es mein Ziel, Erfolg zu haben und in einem tollen Unternehmen zu arbeiten mit tollen Mitarbeitern und guten Zahlen. Wenn Sie das als Eigeninteresse verstehen, dann gab es das ganz sicher.

Austrian Aviation Net: Sie können Austrian Airlines jetzt alleine lassen, da drängt sich die Frage auf: ist die Fluglinie saniert?

Heinz Lachinger: Sie ist, das traue ich mich zum heutigen Tag zu sagen, gesundet. Aber, wie das halt so ist für jemanden der ganz lange krank war, es ist nur eine Momentaufnahme. Soll sie gesund bleiben, muss sie fit bleiben. Sich diese Fitness anzueignen und sich anzutrainieren als notwendige tägliche Übung - dieses Bewusstsein muss noch wachsen. Da haben wir schon noch ein Stück vor uns.

Austrian Aviation Net: Was fehlt noch?

Heinz Lachinger: Finanzielle Widerstandsfähigkeit. Es muss möglich sein, in einer so zyklischen Branche auch in einem schwächeren konjunkturellen Umfeld, vom Wettbewerb spreche ich da gar nicht, ohne größere Schäden durchzusegeln. Das meine ich mit Fitness. Der wöchentliche Gang ins Fitnesscenter bleibt auch einem gesunden Unternehmen nicht erspart.

Austrian Aviation Net: Ihre Diagnose deckt sich mit der Aussage von Lufthansa Chef Carsten Spohr, die AUA sei die schwächste Fluglinie im Verbund.

Heinz Lachinger: Wir sind mit 4,3 Prozent EBIT-Marge, die wir 2017 erreicht haben, im Vergleich zur Swiss und zur Lufthansa Passage noch ein ganzes Stück entfernt. Die Rentabilität muss größer, wir müssen fitter werden, da hat Carsten Spohr völlig Recht. Ich erlaube mir aber den Zusatz, dass der Weg, wie wir die EBIT-Marge ins positive gedreht haben, schon beachtlich ist. Daher bin ich guten Mutes, dass wir einmal eine Situation erleben werden, wo Carsten Spohr nicht mehr sagen muss, die AUA ist die schwächste im Verbund der Netzairlines.

Austrian Aviation Net: Spohr sagt auch, ein Drittel der Langstreckendestinationen von Austrian Airlines machen Verluste. Das fliegende Personal meint, er irrt. Wer hat Recht?

Heinz Lachinger: Austrian Airlines hat in den vergangenen Jahren sehr viel am Langstreckennetz verändert in der Hoffnung, die Ressourcen in profitablere Gebiete legen zu können. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Neuanflüge nicht vom ersten Tag an profitabel sind. Ich habe bei Shanghai, Los Angeles, Hongkong und auch Miami gesagt, dass man diesen Zielen Zeit geben muss. Diese Zeit ist nicht unendlich, und wir scheuen uns nicht, wenn notwendig da noch einmal einzugreifen.

Austrian Aviation Net: Das heißt, es stimmt, dass ein Drittel der Langstreckendestinationen negativ sind?

Heinz Lachinger: Nein. Wir haben ein hochprofitables Nordamerikasegment, mit der Destination Miami, die sich langsam, aber stetig in die positive Richtung bewegt. In Asien ist das Dreigestirn Peking, Shanghai, Hongkong Teil unserer Zukunftsstrategie. Auch die Wiederaufnahme von Tokio war eine richtige Entscheidung. Ich mache kein Hehl daraus, es gibt Strecken, die noch Verbesserungspotential bergen, das noch gehoben werden muss. Dazu zählen jedenfalls unsere Neuanflüge. Insofern ist jede Aussage zur aktuellen Profitabilität unserer Langstrecke sicher als Momentaufnahme zu sehen.

Austrian Aviation Net: Sie haben sieben CEOs überlebt, einige Streiks, zwei Fastpleiten, und die Übernahme durch die Lufthansa 2009. Lieben Sie Hochschaubahnen?

Heinz Lachinger: Ganz ehrlich? Ich hasse Hochschaubahnen, sehr zum Leidwesen meiner Kinder. Ich habe nicht sieben CEOs überlebt, ich habe mit sieben CEOs zusammenarbeiten dürfen. Das war eine hohe Auszeichnung, weil ich mit jedem dieser CEOs und allen anderen Vorstandskollegen sehr gut zusammengearbeitet und auch extrem viel gelernt habe. Es war mir eine Ehre, gemeinsam mit ihnen die Veränderungsprozesse anzustoßen die notwendig waren, damit die AUA heute stolzes Mitglied der Lufthansa-Familie ist. Das war nach 2009, nach der Übernahme, definitiv nicht der Fall. Wir mussten zu Recht unseren Platz und unsere Rolle durch entsprechende Leistungsfähigkeit erst unter Beweis stellen und sind jetzt langsam in der Lage, am Erfolg mitpartizipieren zu können.

Heinz Lachinger bei der Aufnahme der Flugverbindung nach Los Angeles im April 2017 (Foto: Austrian Airlines).

Austrian Aviation Net: Sie waren im Lichte der Wechsel der CEOs die Konstante im Auf und Ab dieser Jahre. Wie ist es Ihnen gelungen, all diese Jahre zu überleben?

Heinz Lachinger: Ich habe immer versucht, für den Erfolg des Unternehmens und seiner Mitarbeiter zu arbeiten und mich nicht an irgendwelchen Leuten zu orientieren. Ich bin sehr stolz darauf, dass mir nach der Übernahme durch die Lufthansa das Vertrauen geschenkt wurde. Es ist nämlich absolut unüblich, den Finanzchef in einem Unternehmen, das gerade übernommen wurde, noch dazu mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten, weiter arbeiten zu lassen. 

Austrian Aviation Net: Es zahlt sich also aus, mit geradem Rückgrat durch die Welt zu gehen?

Heinz Lachinger: Ich persönlich bin damit, nicht immer, aber überwiegend besser gefahren. Diese Geradlinigkeit entspricht meinem Naturell, und den Weg zu gehen, mit dem man sich am Ende des Tages auch in den Spiegel blicken kann, war mir persönlich sehr wichtig.

Austrian Aviation Net: Der Verkauf an die Lufthansa war ja umstritten, und ist es für manche heute noch. War die Lufthansa damals die richtige und einzige Alternative?

Heinz Lachinger: Aus meiner Sicht ja. Die AUA hat einen Eigentümer oder strategischen Partner aus der Branche gebraucht, der die Möglichkeit bot, Größenklassenvorteile zu nutzen. Angesichts der damaligen Wirtschaftskrise und Ölpreissituation war es die richtige Entscheidung zum gerade noch richtigen Zeitpunkt.

Austrian Aviation Net: Was am Ende auch die Politik erkannt und akzeptiert hat?

Heinz Lachinger: (zögert) Ja, definitiv.

Austrian Aviation Net: Was ist der größte Unterschied zwischen einem Unternehmen in Staatshand und einem privaten?

Heinz Lachinger: Ich glaube, dass es zuerst am Unternehmen selbst liegt, sich zu 100% privatwirtschaftlich und am Streben nach Profitabilität und damit an Existenzsicherung im besten Sinn zu orientieren. Vielleicht ist es das Beharrungsvermögen im einen oder anderen Fall und die Schnelligkeit, mit der unternehmerische Entscheidungen getroffen werden sollten, die bei Unternehmen der öffentlichen Hand manchmal schwerer fallen und länger dauern. Dazu kommt, dass ein privater Eigentümer aus der selben Branche die gleiche Sprache spricht und entsprechendes Know-how mitbringt. Das ist sicher der wichtigste Unterschied.

Austrian Aviation Net: Glauben Sie, dass die AUA ohne öffentlichen Eigentümer die Lauda Air auch gekauft hätte?

Heinz Lachinger: (denkt lange nach) Ja, weil es einfach ein interessantes Vehikel mit einem sehr wettbewerbsfähigen Kollektivvertrag war und interessante Märkte bearbeitet wurden. Aber wir hätten es nicht ohne vorherige Bereinigung der bilanziellen Altlasten bei Lauda Air getan. 

Austrian Aviation Net: Gibt es etwas, was sie ganz anders machen wollten, wenn sie eine zweite Chance hätten?

Heinz Lachinger: Es gibt zwei Dinge, die aus meiner Sicht anders oder besser hätten laufen können. Erster Punkt: ich habe es immer als persönliche Niederlage empfunden, dass wir im ersten Halbjahr 2012 trotz des Umstands, dass wir zweimal eine unterschriebene Vereinbarung für einen neuen Kollektivvertrag mit dem Betriebsrat Bord hatten, nicht in der Lage waren, diesen paktierten Kollektivvertrag tatsächlich zum Leben zu erwecken. Das war eine Enttäuschung für mich und hat dazu geführt, dass wir den bestehenden Kollektivvertrag gekündigt haben und ich war dann sehr betroffen, dass wir im Juli 2012 den schmerzhaften Weg des Betriebsübergangs mit allen Konsequenzen gehen mussten.

Austrian Aviation Net: Und sie waren fast pleite ...

Heinz Lachinger: Ich komme schon dazu. Der zweite Punkt: Wir haben nach der Übernahme 2009 in den darauffolgenden zwei Jahren eine Restrukturierung durchgezogen. Ende 2011 war das Unternehmen ein Viertel kleiner, ein Viertel weniger Belegschaft, ein Viertel weniger Bilanzsumme, ein Viertel weniger Flugzeuge, ein Viertel weniger Passagiere und trotzdem war der Verlust gleich hoch. Wir haben die Wurzel des finanziellen Übels nicht gefasst und es nicht geschafft, die wahren Verlustträger abzuschneiden. Mit der Perspektive, dass wir Ende 2011 mit 1,7 Prozent Eigenkapital-Quote fast ein negatives Eigenkapital gehabt hätten. Tief greifende Dinge wie z.B. Kollektivvertrag oder Lieferantenverhandlungen mit den wichtigsten Stakeholdern wie dem Flughafen Wien sind wir erst 2012 angegangen.

Austrian Aviation Net: Sie gelten als sehr freundlicher Mensch und haben sehr oft ein Lächeln auf den Lippen. Wie oft ist Ihnen in den 30 Jahren das Lachen vergangenen?

Heinz Lachinger: Beim erwähnten, geplatzten Kollektivvertrag ganz sicher. Wir haben den Kollektivvertrag zu sechst verhandelt, zwei Wochenenden, zwei Vorstände, zwei Betriebsräte, zwei Mediatoren, wir gehen heraus mit einem guten Gefühl, es geht in die Informationsveranstaltungen mit der Belegschaft und diese sagt, das könnt ihr euch abschminken, mit uns nicht. Damals ist mir das Lachen vergangen. Uns allen war nämlich sofort klar, dass es damit in Richtung Betriebsübergang geht und Streit mit dem Betriebsrat. Das hat Geld gekostet und hat dem Unternehmen emotional und kulturell bis zum heutigen Tag nicht gut getan. Gab es eine Alternative? Nein, wenn man die Alternative Grounden und Insolvenz anmelden nicht als Alternative gelten lässt.

Austrian Aviation Net: Auseinandersetzungen mit der Belegschaft, vor allem dem fliegenden Personal, gab es viele, jetzt gerade wieder. Warum eigentlich immer das fliegende Personal? Erkennt es die Zeichen der Zeit nicht?

Heinz Lachinger: Nein, die Mitarbeiter haben nie für Probleme gesorgt. Weder in der Luft noch am Boden. Die Erfahrung, die ich gemacht habe ist, wenn man vor die Belegschaft tritt und ihnen ungeschminkt die Dinge sagt, ihnen das Gefühl gibt, da tut man nichts, weil man irgendjemandem etwas zu Fleiß tun will, sondern weil es notwendig ist, dann erzeugt man, nicht bei allen, aber beim Großteil der Belegschaft keine Freude aber Verständnis.

Austrian Aviation Net: Dann sind es Betriebsrat oder Gewerkschaft, die Probleme machen?

Heinz Lachinger: Nein, auch das sehe ich nicht so. Der Punkt. Beim neuen Kollektivvertrag 2014 hat das fliegende Personal ganz große Beiträge geleistet. Gleiches gilt für das Bodenpersonal mit Einführung des neuen Boden-KV in 2013. Es liegt in der Natur der Sache, dass, wenn es einmal besser geht und man den heißen Stuhl einer drohenden Insolvenz ein Stück weit verlassen hat, der Tag kommt, an dem die Belegschaft einen Anteil am Erfolg haben möchte. Wir haben dazu in den neuen Kollektivverträgen variable Komponenten eingebaut, die bei Erfolg zu einer entsprechenden Beteiligung der Mitarbeiter führen. Aus meiner Sicht liegt ein faires und vernünftiges Angebot vom Management am Tisch, das dem Titel wir geben euch etwas zurück, ganz gut nahe kommt. Das Problem ist, dieses Angebot gut zu kommunizieren. Die gesamte Belegschaft hat in 2013 und 2014 gegeben, und ein gesundes Unternehmen bekommen, mit Karrieremöglichkeiten, mit dem einen oder anderen zusätzlichen Flugzeug, mit neuen Destinationen etc.

Austrian Aviation Net: Einen gerechten Anteil zu wollen klingt ja anders, als ich hole mir, was mir zusteht, wie es ja zum Teil die Gewerkschaft argumentiert. Wenn es stimmt, dass für bestimmte Gruppen 30 bis 50 Prozent Erhöhung gefordert worden sind, ist das doch weit entfernt von der Realität, oder?

Heinz Lachinger: Da haben Sie sich die Antwort auf die Frage jetzt eh selbst gegeben.

Austrian Aviation Net: Sind Sie zuversichtlich, dass das Thema auch ohne Sie gelöst werden wird?

Heinz Lachinger: Ja, definitiv. Da gibt es auf beiden Seiten ein tolles Team, das jetzt an den Verhandlungstisch zurückgefunden hat. Womit wir wieder beim Thema Kommunikation sind.

Vor kurzem konnte Heinz Lachinger das bester Ergebnis der Firmengeschichte präsentieren (Foto: Austrian Airlines).

Austrian Aviation Net: Sie gehen jetzt mit dem besten Ergebnis der Geschichte - und der Eigentümer Lufthansa ist trotzdem nicht zufrieden.

Heinz Lachinger: Ja, wir haben ein tolles Ergebnis erzielt, aber nur 4,3 Prozent EBIT-Marge, obwohl wir es mit Wettbewerbern zu tun haben, die zweistellige Margen haben. Und wir haben große Aufgaben vor uns, das Thema neue Langstreckenflugzeuge ist definitiv ante portas. Das muss man finanziell stemmen können und kann man aus meiner Sicht nur, wenn man auf das, was uns 2017 gelungen ist, noch einmal 50 bis 70 Millionen € drauflegt und in eine nachhaltige Entwicklung überführt. Da wird man rasch feststellen, dass man auf aktuellem Ergebnisniveau noch keine ausreichenden Überschüsse hat, um irgendwelche Dinge auszuschütten oder sogar eine Dividende zu zahlen.

Austrian Aviation Net: Es sagt sich ja leicht, wir müssen Ergebnis und EBIT-Marge verbessern. Die Grundfrage ist: wie geht das, woher holen Sie 50 Millionen Euro?

Heinz Lachinger: Es klingt platt, aber indem wir mehr vom gleichen machen, wie wir es in den vergangenen zwei Jahren ganz gut hingebracht haben. Mit Augenmaß wirtschaften, an unserer Kostenposition und unseren Stückkosten weiter arbeiten. Das Thema ist ja nicht abgeschafft, weil wir jetzt 100 Millionen Gewinn gemacht haben. Das  Stückkostenniveau definiert den Handlungsspielraum, den Austrian Airlines am Markt hat. Und wir werden Spielraum brauchen, wenn eine WizzAir mit großen Flugzeugen nach Wien kommt und wir wissen, dass Wien eine ausgeprägte Saisonalität in der Nachfrage hat.

Austrian Aviation Net: Und Ryanair kommt mit dem Hut Laudamotion auch nach Wien.

Heinz Lachinger: Da wird man noch sehen, in welchem Umfang die fliegen werden, aber es sollte Ansporn sein für uns, noch fitter zu werden. Da sind wir wieder beim Thema Fitness. Und das Fitnessprogramm, auch wenn es nicht allen gefällt, heißt Stückkosten Stückkosten Stückkosten. Wir brauchen eine flexible und  atmende Kostenstruktur, um ein gutes Produkt zu vernünftigen Kosten anbieten und am Markt die Spielräume nutzen zu können, die andere zum Teil heute schon nutzen können.

Austrian Aviation Net: Sind Sie zuversichtlich, dass diese 150 Millionen Euro erwirtschaftet werden, damit die AUA ihre Langstreckenflugzeuge erneuern kann?

Heinz Lachinger: Die Summe würde ich nicht so in Stein gemeißelt sehen. Aber im Moment meinen wir, dass 150 Millionen plus die Unterkante dessen sind, was wir nachhaltig brauchen, um das Finanzierungsprogramm, das vor uns steht, stemmen zu können. Daran führt kein Weg vorbei.

Austrian Aviation Net: Und zwar bis 2019, weil der Austausch der Flotte ja nicht verschiebbar ist.

Heinz Lachinger: Idealerweise im kommenden Jahr, ja.

Austrian Aviation Net: Sie kennen die Branche, die Umbrüche und den Eigentümer Lufthansa. Wie sehen sie die Zukunft der AUA?

Heinz Lachinger: Ich sehe sie so gut wie nie zuvor. Wir haben die richtigen Dinge getan, die wichtigen Dinge getan und sie überwiegend auch richtig gemacht. Die AUA ist für mich im positiven Sinn national heritage, die Österreicher sind stolz auf dieses Unternehmen ...

Austrian Aviation Net: ... und fliegen trotzdem Emirates, wenn es billiger ist ...

Heinz Lachinger: (lächelt) ... sie sprechen ein bisschen die Ambivalenz des Österreichers an. Man kritisiert uns zurecht, wenn wir Verluste machen, man neigt aber auch zur Kritik, wenn wir vermeintlich überbordende Gewinne machen. Das liegt in der Natur der Sache, muss man akzeptieren und professionell damit umgehen.

Austrian Aviation Net: Wie kann ich mir eine Zukunft von Heinz Lachinger ohne AUA vorstellen?

Heinz Lachinger: Na ja, gar nicht so spannend für Sie. Ich habe wahrscheinlich, hoffentlich, noch 12 bis 15 Jahre Erwerbstätigkeit vor mir. Ich bin sehr dankbar, dass man mir die Möglichkeit geboten hat, so viele Dinge so lange bei der AUA zu bewegen, und dass man mir die Chance gegeben hat, den Zeitpunkt, wo ich mich neu orientieren will, zu wählen. Ich freue mich auf eine neue Herausforderung, die nicht unbedingt in der Luftfahrt sein muss, so spannend die Industrie auch ist. Wohin mich der Weg führt, wird man sehen.

Austrian Aviation Net: Sie haben 2016 in einem Interview gesagt ...

Heinz Lachinger: ... ohh ...

Austrian Aviation Net: ... wenn Sie mich fragen, was Heinz Lachinger in drei Jahren macht, sage ich: Er ist immer noch CFO in einem Unternehmen, das Gewinne abwirft. Welches Unternehmen wird das sein?

Heinz Lachinger: Na ja es waren immerhin über zwei Jahre, das Unternehmen wirft mittlerweile Gewinne ab, ich war bis vor einer Woche CFO - ich bin glaube ich, nicht wortbrüchig geworden.

Austrian Aviation Net: Es geht nicht um Wortbruch, sondern um den möglichen Hinweis, dass Sie schon wissen, in welchem Unternehmen Sie nach der AUA CFO sein werden.

Heinz Lachinger: Ich bin nicht sicher, ob ich im nächsten Job CFO im engeren Sinn sein möchte. Ich werde ungern auf einen Menschen reduziert, der rein Zahlen und Ergebnis orientiert ist. Das bin ich nicht. Ich bin sehr Menschen affin, und habe immer bewiesen, dass es neben der Ebene der Ziffern und Zahlen noch eine ganz andere Ebene gibt, die mindestens so wichtig ist wie gesunde finanzielle Strukturen. Wenn sich die Chance bietet, würde ich künftig da ein Stück mehr Fokus hineinlegen wollen. 

Austrian Aviation Net: Um es auf den Punkt zu bringen: wissen Sie schon, was Sie wollen und sagen es nicht oder wissen Sie es wirklich noch nicht und schauen sich einfach um?

Heinz Lachinger: Ich weiß, was ich will. Und im Moment versuche ich, einen Teil des Sommers mit meiner Familie zu verbringen, den Deal bin ich mit ihr eingegangen.

Austrian Aviation Net: Also Ruhepause bis Herbst und dann geht es los.

Heinz Lachinger: Es geht auf alle Fälle los.

Austrian Aviation Net: AUA Chef Kay Kratky hat zu Ihrem Abschied gesagt: mit Heinz Lachinger verliert das Unternehmen einen exzellenten Finanzchef und Topmanager, und einen Menschen, der das Herz am richtigen Fleck hat. Ein Abschiedsgruß, der Sie zufrieden stimmt? 

Heinz Lachinger: Mich verbindet mit Kay Kratky über die normale Arbeitsbeziehung hinaus eine persönliche, sehr gute Beziehung. Wir ticken in vielen Dingen gleich, das hat die letzten drei Jahre auch sehr angenehm gemacht im Vorstand. Gleiches gilt für die Zusammenarbeit mit Andreas Otto. Ich habe mich sehr gefreut über dieses Statement.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Seit 2015 leitet er den LG für Wirtschaftsjournalismus in Krems, ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Austrian Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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