Kommentar: Weltfremd und realitätsfern

Zur Situation der Austrian Airlines.

Airbus A321 (Foto: Jan Gruber).

"Nicht einmal streiken können sie!", diese Bemerkung des Lufthansa Chefs Carsten Spohr nach Absage der Betriebsversammlung des fliegenden Personals bei der AUA lässt tief blicken. Jetzt soll diese Betriebsversammlung kommende Woche stattfinden. Lufthansa Chef Carsten Spohr hat dafür wenig Verständnis, klar. Er fordert weitere Kostensenkungen, schließlich sei die AUA im Vergleich mit Lufthansa und Swiss die schlechteste Fluglinie. Und er stellt klar, dass erst bei einem Gewinn von 150 Millionen € an den Kauf von Langstreckenflugzeugen gedacht werden kann.

Die Frage ist, ob Piloten und Flugbegleiter, wenn sie bei den Gehaltsforderungen auf die Pauke hauen, das richtige Augenmaß haben. Das Management ist knausrig, das entspricht seiner DNA. Dennoch wird niemand eine Gehaltsforderung a la Metaller, Handel oder Beamte für überzogen halten. Im Raum stehen aber Gehaltsforderungen von bis zu 50% für einzelne Gruppen und im Schnitt über alle von rund 25%. Das würde die AUA mehr als 50 Millionen Euro kosten, soviel, wie sie im Jahr 2015 Gewinn gemacht hat. Dafür mit Streik zu drohen und mit einer nicht stattgefundenen Betriebsversammlung zehntausend Kunden zu verärgern, zeigt, wie weltfremd und realitätsfern Gewerkschaft und Betriebsrat agieren. 

Sie sind dabei, eine Chance für die Belegschaft zu verspielen. Der Trend geht weg von den Mega-Flughäfen hin zu kleineren wie auch Wien. 5 Flugzeuge der A-380 Flotte verlagert die Lufthansa Ende März von Frankfurt nach München. So eine Chance müsste sich die AUA erst erarbeiten. Die Signale der Belegschaft signalisieren aber anderes. Angesichts der Gehaltsforderungen werden in Frankfurt Stimmen laut, die von einer Reduktion der AUA-Langstreckenflotte sprechen. Und das Wort Vertrauensverlust geistert herum.

Zurück an den Verhandlungstisch müssen dem fliegenden Personal und dem Vorstand jetzt Vernunft und Verstand sagen. Nur dort können Probleme gelöst werden. Nicht am Rücken der Kunden. Und ob es einem gefällt oder nicht: Die AUA braucht die Lufthansa – umgekehrt ist das nicht so klar.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Seit 2015 leitet er den LG für Wirtschaftsjournalismus in Krems, ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Austrian Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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