Kommentar: LGW war für Lufthansa "Mittel zum Zweck"

Vereinigung Cockpit kritisiert den Verkauf der Luftfahrtgesellschaft Walter an Zeitfracht.

Dash 8-Q400 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Für die Deutsche Lufthansa AG hat der 18 Millionen Euro schwere Zukauf der Luftfahrtgesellschaft Walter nun offensichtlich seinen Zweck erfüllt und der ACMI-Provider wird an Zeitfracht weitergereicht. Das gesamte Vorgehen hat mit hoher Wahrscheinlichkeit Kalkül, denn zahlreiche Klagen von ehemaligen Air-Berlin-Beschäftigten sind anhängig und zahlreiche Urteile haben bereits in erster Instanz einen Betriebsübergang von Air Berlin auf die Luftfahrtgesellschaft Walter festgestellt.

Sollten diese gerichtlichen Entscheidungen, die noch nicht rechtskräftig sind, da Rechtsmittel eingelegt wurden, am Ende vor dem Höchstgericht halten, könnte es für die Luftfahrtgesellschaft durchaus teuer werden. Dieses Risiko will der börsennotierte Kranich-Konzern offenbar nicht im Portfolio haben und entschied sich daher für einen Verkauf.

Arbeitnehmervertreter kritisieren Lufthansa heftig

Die Vereinigung Cockpit erklärte in einer ersten Reaktion: "Erst vor gut einem Jahr erfolgte der Kauf der LGW im Zuge der Insolvenz der Air Berlin. In dem nur ein Jahr währenden Gastspiel wurde die LGW allem Anschein nach gebraucht, um wichtige Slots und Streckenrechte für die Lufthansa zu sichern. Ein langfristiges Engagement war augenscheinlich von Anfang an nicht geplant. Dass die Lufthansa überhaupt einen eigenen Flugbetrieb verkauft, ist in der Geschichte des Konzerns ein einmaliger Vorgang."

In einer offiziellen Erklärung schreibt Eurowings, dass sich durch den Eigentümerwechsel für die Mitarbeiter nichts ändern würde, da die Verträge unverändert bestehen bleiben sollen. "Der Wechsel zur Zeitfracht Gruppe stärkt die Zukunftsfähigkeit der LGW", sagt Eurowings Geschäftsführer und Chief Operating Officer Michael Knitter. "Wir freuen uns, dass durch den Wetlease die LGW mit ihrer Professionalität, ihrer Expertise und ihrer Leidenschaft weiterhin für uns und unsere Kunden im Einsatz sein wird."

"Wir freuen uns, die LGW und ihre Mitarbeiter schon bald bei uns an Bord begrüßen zu können", erklärt Wolfram Simon-Schröter, Geschäftsführer der Zeitfracht Gruppe. "Die LGW passt perfekt in unsere Strategie, den Luftfahrtbereich nachhaltig zu stärken – wir wollen ihre Flotte mittelfristig mit dem Kauf weiterer Maschinen ausbauen."

VC erinnert an Contact Air und Augsburg Airways

Die Vereinigung Cockpit hat allerdings massive Zweifel daran, dass der Wetlease-Vertrag zwischen Eurowings und der Luftfahrtgesellschaft Walter auch tatsächlich langfristig ausgelegt ist und schreibt: "Das erinnert an frühere Konstruktionen im sog. Regionalsegment der Lufthansa, in der unter anderem Augsburg Airways und Contact Air im Auftrag der Lufthansa Passagiere beförderten. Als das DAX-Unternehmen sich von diesen Partnern wieder trennte, entzog es ihnen de facto die Existenzgrundlage. Im Ergebnis verloren hunderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Soziale Verantwortung zeigte die Konzernführung damals nicht. Die Belegschaft blieb auf sich gestellt und musste sich überall in Europa um neue Jobs bewerben."

"Es liegt somit auf der Hand, dass die VC schon heute auf die soziale Verantwortung der Lufthansa gegenüber ihren Mitarbeitern bei der LGW verweist und fordert, dass das gesamte Cockpitpersonal der LGW die Möglichkeit haben muss, auf einen Arbeitsplatz in der LH Group wechseln zu können", so Janis Schmitt, Pressesprecher und Vorstand Öffentlichkeitsarbeit der Vereinigung Cockpit. "Wir geben der neuen Eigentümerin einen Vertrauensvorschuss und wollen die Entwicklung bei der LGW auch weiterhin bestmöglich mitgestalten. Jedoch müssen für alle Eventualitäten entsprechende, arbeitsplatzsichernde Tarifverträge bereits jetzt verhandelt werden, damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Planungssicherheit und berechenbare Zukunftsperspektiven haben."

Wetlease-Lösung würde sich für die AUA anbieten

Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Austrian Airlines vor rund vier Wochen die Ausflottung der Dash 8-Q400 ankündigte und gleichzeitig Generaldirektor Alexis von Hoensbroech erklärte, dass ein Wetlease-Modell angedacht ist, um wichtige Routen, die momentan mit Dash bedient werden, jedoch das Aufkommen für Jets zu gering ist, weiterhin fliegen zu können. Da der Mutterkonzern Lufthansa mit Zeitfracht bereits ins Geschäft gekommen ist, würde sich WDL/LGW durchaus als Operator für einige AUA-Dash anbieten. Eine offizielle Bestätigung für einen solchen Plan gibt es noch nicht.

Fix ist jedoch, dass die Lufthansa Group bedingt durch den Verkauf der Luftfahrtgesellschaft Walter und die angekündigte Dash-Ausflottung bei Austrian Airlines in absehbarer Zukunft keine Turboprop-Flugzeuge selbst betreiben wird.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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