Kommentar: Laudamotion-Verkauf in der Intensivstation?

Nette, schon fast dramatische Story, jedoch angesichts der offiziellen Erklärungen total unglaubwürdig.

Niki Lauda und Michael O'Leary werden sicherlich miteinander über den NL-Holding-Anteil an Laudamotion gesprochen haben und nachdem Österreicher wieder fit ist auch weiter sprechen, jedoch erscheint die dramatisch aufgebauschte Berichterstattung von OE24 angesichts offizieller Mitteilungen sehr fraglich (Foto: Jan Gruber).

Die österreichische Fluggesellschaft Laudamotion befindet sich laut Firmenbuch derzeit noch mehrheitlich im Besitz der NL Holding GmbH des Niki Lauda, wobei die Aufstockung des Ryanair-Anteils auf 75 Prozent bereits durch die Wettbewerbsbehörden bewilligt wurde und es vermutlich nicht mehr lange dauern wird bis der Deal vollzogen wird und im Firmenbuch ersichtlich sein wird. Nun behaupteten Medien der Fellner-Gruppe, dass Lauda auch den verbleibenden 25-prozentigen Minderheitsanteil abgeben möchte.

Dazu ist auch festzuhalten, dass sich Ryanair das Vorkaufsrecht bereits sicherte, was Niki Lauda und Michael O'Leary vor einigen Wochen bestätigten. Ursprünglich wurde kommuniziert, dass die Iren frühestens in drei Jahren den Kauf tätigen können oder auch ablehnen können.

Ohne die Angabe von Quellen berichtet OE24, dass Lauda unmittelbar vor seiner Operation mit Michael O'Leary über eben diesen 25-prozentigen Anteil verhandelt habe und der Ryanair-Manager, der unter anderem für eine Pressekonferenz in Wien war, versucht habe den erkrankten dreifachen Formel-Eins-Weltmeister im Wiener AKH zu besuchen, jedoch nicht vorgelassen wurde. Daher hätte man telefonisch verhandelt. Interessante Berichterstattung, denn offiziellen Angaben nach befand sich Lauda auf der Intensivstation im Koma...

Diese Darstellung des Mediums wirft allerdings aufgrund offizieller Äußerungen der behandelnden Ärzte durchaus Zweifel auf, da Niki Lauda laut offiziellen Erklärungen bereits rund sieben Tage an ein Beatmungsgerät angeschlossen war, das vereinfacht gesagt als Verstärkung und temporärer Ersatz für seine erkrankte Lunge diente. Angesichts dieser publik gewordenen und offiziell durch das Krankenhaus bzw. die behandelnden Ärzte bestätigte Information, erscheint es zumindest zweifelhaft, dass Lauda an besagtem Dienstag mit Michael O'Leary verhandelt haben soll. Auch ist die Berichterstattung des Mediums unter Beachtung des Gesundheitszustands und der Privatsphäre des Niki Lauda gelinde gesagt widersprüchlich.

Die Fluggesellschaft Laudamotion führte die Verhandlungen mit der GPA-DJP planmäßig fort, wobei auch die Gewerkschaft sich öffentlich für die harten Ankündigungen regelrecht entschuldigte. Statt Geschäftsführer Lauda sprach man mit Geschäftsführer Andreas Gruber, denn beide Manager sind alleinvertretungsbefugt, was die Handlungsfähigkeit der Luftfahrtgesellschaft beispielsweise bei schwerer Erkrankung eines Firmenchefs sicherstellt. Andernfalls hätte möglicherweise gar ein behördlich eingesetzter Notgeschäftsführer bestellt werden müssen, um die Handlungsfähigkeit des Unternehmens gewährleisten zu können. In der Regel wird mit dieser Aufgabe dann ein Prokurist betraut, außer wenn ein solcher ebenfalls nicht zur Verfügung stehen sollte, eine andere Person. Doch all dies war und ist bei Laudamotion kein Thema, denn der zweite alleinvertretungsbefugte Geschäftsführer, Andreas Gruber, ist gesund und übernimmt die Agenden seines Co-Geschäftsführers Niki Lauda einfach mit. Das Unternehmen ist damit voll handlungsfähig und der dreifache Formel-Eins-Weltmeister kann sich auf seine Genesung konzentrieren.

Unter Beachtung logischer Aspekte erscheint es allerdings höchstwahrscheinlich, dass sich der dreifache Formel-Eins-Weltmeister gänzlich von der Laudamotion GmbH trennen möchte, denn als Minderheitsgesellschafter ist sein Einfluss begrenzt und Lauda verdient als Unternehmer vorwiegend mit dem Handel mit Firmen. Das bedeutet vereinfacht gesagt, dass er in Firmen investiert, um diese möglichst mit Gewinn zu einem optimalen Zeitpunkt wieder verkaufen zu können. Beispiele hierfür sind Niki, aber auch Laudamotion. Dies völlig unabhängig von der Erkrankung des Niki Lauda.

Auch scheint das Luftfahrtunternehmen nicht wunschgemäß auf dem Markt positioniert zu sein, da der Ruf des Carriers durch widersprüchliche Kommunikation des dreifachen Formel-Eins-Weltmeisters, erhebliche Veränderungen des Bordprodukts und diverse Performance-Probleme massiv in Mitleidenschaft gezogen wurde. Angeblich soll dies jedoch keinen Einfluss auf die Buchungszahlen haben, da die jüngst durchaus hohe Verkaufszahlen, die auf eine hohe Auslastung hindeuten, kommuniziert wurden. Durch zum Teil aggressive Werbepreis ab 4,99 Euro wurden diese offensichtlich aber auch teuer erkauft.

Zu beobachten ist leider auch, dass Laudamotion nicht gerade ein Medienliebling ist, sondern verschiedene Medien geradezu auf jedes Fettnäppchen warten, in das der Carrier tritt und dies dann durchaus prominent aufmachen. Während gegen Niki Lauda und Laudamotion medial kritisch, zum Teil fast hexenjagdartig, die ihren Ursprung bereits bei den ersten öffentlichen Interessensbekundungen für den Rückkauf von Niki nahm und bis zuletzt in fragwürdiger Manier berichtet wird, wurden dem Newcomer Anisec/Level medial regelrecht tausend Rosen ausgelegt. Lediglich eine Tageszeitung setzte sich mit der Ein-Cent-Aktion kritisch auseinander.

Doch nicht wie von OE24 behauptet derartiges Bashing und Streikdrohungen der Gewerkschaft dürften Niki Lauda zum Ausstieg aus Laudamotion bewegen, sondern vermutlich eher die simple Tatsache, dass er selbst in einer Pressekonferenz sagte, dass wenn jemand anderer Einfluss auf seine Airline nehmen wolle, dann müsse er sie kaufen und könne dann machen was er will. So habe er es auch mit Niki hinsichtlich Air Berlin praktiziert. Als Minderheitsgesellschafter wäre sein Einfluss ohnehin sehr gering und aufgrund seiner Erkrankung kann Lauda auch zumindest vorläufig nicht mehr als "Werbefigur" fungieren. Zieht man also alle Umstände zusammen und beachtet auch, dass sich Ryanair ohnehin den 25-prozentigen Anteil der NL Holding GmbH mittels eines Vorkaufsrechts sicherte, ist der Ausstieg des Niki Lauda "vollkommen logisch". Da das Vertragswerk nicht öffentlich bekannt ist, ist dies natürlich nur Spekulation, jedoch könnte sich Ryanair theoretisch in einer Klausel gesichert haben, dass Lauda mindestens drei Jahre "an Bord" bleiben muss. Aufgrund der Ereignisse der letzten Wochen dürfte dies - sofern es überhaupt eine solche Klausel gibt - auch für Michael O'Leary keine Rolle mehr spielen, denn das Überleben und die Genesung des Niki Lauda sind auch für ihn wichtiger als geschäftliche Deals.

Die Gesundheit von Menschen, egal ob es sich um einen Prominenten wie Niki Lauda handelt oder einen ganz einfachen Bürger, hat in allen Belangen immer Vorrang zu haben. Leider nahm es angeblich Ryanair genau damit mit dem eigenen Personal nicht so genau, das laut Gewerkschaftsangaben unter Druck gesetzt wurde und angeblich sogar im Krankheitsfall überhaupt kein Geld erhalten soll. Ganz abwegig scheint dies nicht zu sein, denn sonst würden Flugbegleiter und Piloten nicht europaweit um entsprechende Regelungen mittels Streiks kämpfen.

Autor: Jan Gruber
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Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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