Kommentar: Die vier Boeings sind schon da

Nur in Österreich werden die Lauda-Dienstpläne derzeit abweichend von den Ryanair-Konzerngepflogenheiten gestaltet.

Airbus A320 (Foto: Thomas Ramgraber).

Groß ist der Wirbel um geplante Änderungen im Bereich der Dienstpläne bei der Ryanair-Tochter Lauda, doch betroffen ist nur jenes fliegende Personal, das in Wien stationiert ist, denn an den Bases Stuttgart, Düsseldorf und Palma wird diese Regelung schon von Anfang an praktiziert. Widerstand gab es dagegen nie. In Österreich übernahm man allerdings jene Systematik, die zuvor von Air Berlin bei Niki gestaltet wurde.

Lange verhandelte man im Vorjahr über einen Kollektivvertrag und letztlich konnte auch einer abgeschlossen werden, doch bleibt durchaus die berechtigte Frage warum man das Thema Dienstpläne nicht schon damals geregelt hat, wenn es denn für die Fluggesellschaft so existentiell wichtig ist? Vielleicht hat man es einfach vergessen?

Eine wichtige Säule des Erfolgsmodells von Ryanair ist, dass aus jedem Cent, der ausgegeben wird das Maximum herausgeholt wird. Das bedeutet auch, dass der Einsatz der Crews aus Sicht der Fluggesellschaft so effizient wie möglich erfolgt und was darunter genau verstanden wird, ist Auslegungssache. Beispielsweise geriet der irische Carrier aufgrund verschiedener Leiharbeitsmodelle in zahlreichen EU-Ländern ins Visier der Behörden, denn in erster Linie spart der Carrier dadurch Geld. Ein weiterer Nebenaspekt ist, dass Kollektivverträge in den meisten Fällen nur für das festangestelle Personal, nicht jedoch für Leasingpersonal gelten, was durchaus den Einfluss der Gewerkschaften in Grenzen halten kann.

Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass Ryanair in Polen, Deutschland, Frankreich und Italien in Zukunft die Bases nicht mehr selbst betreibt, sondern an die Töchter Ryanair Sun (künftig Buzz) und Malta Air abgibt. Auf den ersten Blick mag es durchaus nett gemeint wirken, dass nun staatliche Abgaben vor Ort und nicht mehr in Irland entrichtet werden können, aber die Vorgehensweise in Polen zeigt, dass ganz nebenbei Kosten gespart werden sollen. Die Bases in Deutschland, Frankreich und Italien sollen künftig von Malta Air betrieben werden. Zufälligerweise sind genau diese Länder besonders stark gewerkschaftlich organisiert. Wie so ein Übergang funktionieren kann, wurde bereits erfolgreich getestet.

Zum Beispiel hatte Ryanair in Polen zahlreiche festangestellte Mitarbeiter, die sich aufgrund des „Rückzugs“ der Mainline um ihre bestehenden Jobs bei Ryanair Sun (künftige Buzz) bewerben mussten und die Anstellung nun über die Leiharbeitsfirma Warsaw Aviation erfolgt. Selbstredend ist Warsaw Aviation exklusiv für den Ryanair-Konzern tätig.

Das so genannte Roster, um das nun zwischen Lauda-Betriebsrat und –Geschäftsleitung verhandelt wird, soll künftig fix sein. Bislang war dies zumindest in Wien durchaus recht flexibel. Als Beispiel für das Modell, das man künftig auch in Österreich anwenden möchte, kann durchaus die Konzernschwester Buzz herangezogen werden. Die Dienstpläne der Piloten sind nach dem Modell „fünf Tage fliegen, vier Tage frei“ gestaltet. Bei den Flugbegleitern ist es wie folgt: „fünf Tage fliegen, drei Tage frei“. Der Unterschied liegt darin, dass dieser Roster über das gesamte Jahr hinweg fix ist und für die Airline einfachere Planbarkeit bringen soll.

Durchaus wird sich der eine oder andere die Frage stellen warum denn er/sie nach einer fünftägigen Arbeitswoche nur zwei Tage und nicht drei bis vier Tage frei bekommt. Nun, das liegt durchaus daran, dass die Dienstzeiten des fliegenden Personals gelegentlich etwas länger dauern können und Arbeit an Samstagen sowie Sonn- und Feiertagen ebenfalls usus ist. Ähnliche Regelungen finden sich übrigens auch in anderen Branchen und können in Betriebsvereinbarungen und/oder Kollektivverträgen geregelt sein.

Im Raum steht natürlich die Frage, ob die bisherige Regelung oder die geplante neue Regelung für das Lauda-Personal besser ist und ob durch diese die vom Mutterkonzern geforderte Effizienzsteigerung auch tatsächlich erreicht werden kann. Jene vier Boeing 737-800, mit denen „gedroht“ wird, sind übrigens bereits im Auftrag von Lauda tätig. Derzeit sind diese in Palma stationiert und dürften dort in der Winterflugplanperiode zu wenig Beschäftigung haben, wie AviationNetOnline berichtete.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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