Kommentar: Bitte bleiben Sie angeschnallt sitzen!

Flugbegleiter von neuer, gefährlicher Marotte ignoranter Passagiere geplagt.

Foto: Jan Gruber.

Das Boarding kann mitunter deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen als von den Airlines kalkuliert, denn nicht selten kommt es vor, dass Reisende beispielsweise beim Busboarding aus Prinzip vorne einsteigen, obwohl ihr Sitzplatz über die hintere Tür wesentlich schneller erreichbar ist. Auch Passagiere, die gemütlich in ihrem Handgepäck kramen und den Gang einige Zeit blockieren, sorgen häufig für Verzögerungen.

Doch auch eine neue und durchaus gefährliche Marotte beschäftigt momentan das Kabinenpersonal von nahezu allen in Wien tätigen Fluggesellschaften. Es kommt mittlerweile auf fast jedem Flug vor, dass unmittelbar nach der Landung mindestens ein Reisender sofort aufspringt, das Overhead-Bin öffnet und sein Handgepäck entnehmen möchte. Selbstverständlich sind die Fasten-Seatbelt-Leuchten noch aktiv und die Flugbegleiter erklären obendrein, dass man bis zum Abschalten dieser angeschnallt sitzen bleiben soll. Doch das scheint diese neue Art von Fluggästen, die es offenbar besonders eilig haben, um an ihr Handgepäck zu kommen, nicht zu interessieren.

Eine von AviationNetOnline durchgeführte Analyse zeigte, dass dieses gefährliche Phänomen zwar besonders häufig bei Billigfluggesellschaften auftritt, aber auch bei klassischen Anbietern und selbst in der Businessclass keinesfalls mehr „seltene Ausnahmen“ sind, sondern eher zum Regelfall wird. Diese Entwicklung sehen von AviationNetOnline befragte Flugbegleiter, die unter anderem für Eurowings, Anisec, Austrian Airlines, Wizzair, Lauda, KLM und Swiss fliegen, mit großer Sorge, denn beim sog. „Taxi“ kann es immer wieder dazu kommen, dass die Piloten abrupt bremsen müssen. Hierdurch können sich Passagiere, die nicht angeschnallt sitzen, erheblich verletzten. Manche Flugbegleiter wollen auch vernommen haben, dass der Zeitpunkt des „illegalen Aufstehens“ subjektiv empfunden immer früher wird, so dass es auch dazu kommt, dass schon kurz nach dem Aufsetzen der Räder auf der Runway – noch während dem Bremsvorgang – aufgesprungen wird. Dies halten Besatzungen für besonders gefährlich.

Eine Purserin einer österreichischen Airline, die sich gegenüber AviationNetOnline selbst als „alter Hase“ bezeichnete, weil sie ihren Beruf schon sehr lange und eigenen Angaben nach „sehr gerne“ ausübt, brachte es durchaus auf den Punkt: „Bis vor ein oder zwei Jahren waren solche Passagiere wirklich die absolute Ausnahme auf typischen Feriendestinationen. Mittlerweile kommt sowas leider auf fast jedem Flug – um jede Ausnahme sind wir froh – vor und besonders erschreckend finde ich, dass die Ignoranz und Respektlosigkeit gegenüber uns Flugbegleitern stark zugenommen hat. Immer wieder erlebe ich selbst, dass wir dem betroffenen Passagier deutlich hörbar auf verschiedenen Sprachen über die Lautsprecher zurufen, dass er sich bitte sofort hinsetzen und anschnallen soll, dieser sich gar nicht betroffen fühlt und noch gemütlich seinen Trolley aus der Ablage nimmt. Immer wieder greifen dann Passagiere, die nahe dran sind verbal ein und weisen darauf hin, dass der oder die jenige betroffen ist, aber das muss doch alles einfach nicht sein. Sowas ist einfach nur gefährlich und jeder muss aus Sicherheitsgründen solange angeschnallt sitzen bleiben, bis der Kapitän das Signal abschaltet.“

Im Sinne der Sicherheit aller Passagiere sollte der Gurt erst dann geöffnet werden, wenn der Kapitän das Signal durch das Abschalten des Fasten-Seatbelt-Symbols und/oder die Durchsage „Parking Position“ gibt. Auch kann diese Information alternativ auch von den Flugbegleitern, beispielsweise mittels einer Durchsage, gegeben werden. Anweisungen der Besatzungen sollten in jedem Fall beachtet werden, denn diese sind insbesondere dafür ausgebildet, um an Bord für Sicherheit sorgen zu können.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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