Kommentar: AUA, Lowcoster spielen tut weh!

Billige Tarife gibt es nur da, wo es Konkurrenzdruck gibt. Doch ist es wirklich gut, wenn sich Austrian Airlines auf das Niveau der Lowcoster begibt oder wäre es nicht klüger, wenn man mit einem einfachen Tarif ohne "Überraschungen" punkten würde? - Ein Kommentar.

Jeder will seinen Teil vom Lowcost-Boom-Kuchen haben. Auch die AUA (Foto: Thomas Ramgraber).

Konkurrenz belebt nicht nur das Geschäft, sondern sorgt im Regelfall - im Vergleich mit Monopolsituationen - auch für niedrigere Endkundenpreise. Austrian Airlines geriet ab Wien auf einigen Routen durch Mitbewerber wie Wizzair, Easyjet, Lauda, aber auch Anisec unter Druck, denn die Billigfluggesellschaften werben mit zum Teil drastisch niedrigeren Ticketpreisen. Nun will sich die AUA auf diesen Routen selbst als Lowcoster versuchen und bietet Oneway-Tickets ab 39 Euro an.

Betroffen sind selbstredend nur jene Strecken ab Wien, auf denen man Konkurrenzdruck von Billigfluggesellschaften hat. Wo man im Codeshare mit Eurowings oder einer anderen Lufthansa-Konzernschwester fliegt und sonst keinen "Spielkameraden" hat oder gar ein Monopol hält ändert sich freilich nichts an der Preisschraube. So bleibt es also dabei, dass der gefühlte durchschnittliche Preis für Wien-Innsbruck über jenem von Routen, auf denen man mindestens einen Lowcoster als Konkurrenten hat, bleibt.

AUA-CCO Andreas Otto erklärt in einer Aussendung: "Kunden können sich freuen, unsere Mitbewerber wahrscheinlich weniger. Wir bieten tiefen Preis und Zuverlässigkeit, statt tiefer Preis und programmierten Ärger. Wir erhalten zunehmend Hinweise von Kunden, die lieber mit uns fliegen." Auf welcher repräsentativen Statistik diese Aussage beruht, teilte das Unternehmen jedoch nicht mit. Betrachtet man nämlich das Wachstum, das im Vorjahr alle in Wien tätigen Lowcoster zusammengerechnet erzielen konnten, so liegt dieses erheblich über dem Passagierzuwachs, den die AUA erzielen konnte. Wohl konnte der Carrier vom Lowcost-Boom profitieren, jedoch nicht einem so erheblichen Ausmaß, das die Äußerung des Andreas Otto ohne jeden Zweifel untermauern könnte.

Hinsichtlich der Zuverlässigkeit unterschlägt der Manager auch, dass es auch bei seiner Airline regelmäßig zu Streichungen und Verspätungen kommt, wobei die Ursachen nicht zwangsläufig im alleinigen Verantwortungsbereich der Fluggesellschaft liegen. So waren beispielsweise diverse Flügen von immer wiederkehrenden Streiks in Deutschland betroffen. Hinsichtlich der Zuverlässigkeit brillierte Austrian Airlines im Sommer 2019 insbesondere in Dubrovnik und Rhodos, wo man es unterlassen hatte Passagieren Hotels, Getränke oder Snacks zur Verfügung zu stellen. Anzumerken ist hierbei, dass andere Airlines diese Betreuungsleistungen während der langen Verspätungen, die aufgrund von Flughafensperren entstanden sind, sehr wohl erbringen konnten. Selbstredend war auch die AUA-Billigkonkurrenz unter den zahlreichen Airlines, die ihren Verpflichtungen nachkommen konnten.

Sollen drei Soletti-Stangen den Unterschied ausmachen?

Die Produktunterschiede zwischen den billigsten AUA-Kurzstrecken-Tarifen und jenen der in Wien tätigen Lowcost-Airlines sind äußerst gering. Alle Anbieter - so auch Austrian Airlines - bitten für die Mitnahme von Gepäck zur Kasse und haben sehr unterschiedliche Beschränkungen für die Mitnahme von Handgepäck. Beispielsweise Wizzair und Lauda kassieren für den Schalter-Check-In am Flughafen extra, während dies bei der AUA ohne vorherigen Web- oder Automaten-Ausdruck der Bordkarte ohnehin gar nicht möglich ist. Während die Billigfluggesellschaften für Snacks und Getränke während dem Flug zur Kasse bitten, serviert die AUA noch kostenfrei Getränke und beispielsweise eine Mannerschnitte oder ein paar Stangen Soletti. Doch auch hierfür gibt es innerhalb der Lufthansa Group nicht nur konkrete Pläne auf Paid-Catering umzustellen, sondern bei Konzernschwester Swiss wird dies auf einigen Routen bereits getestet, womit die Produktunterschiede zwischen Billigflieger und "klassischer Airline" dann endgültig verschwinden werden.

Die AUA kündigte kürzlich einige Frequenzaufstockungen an, die sich wenig überraschend auf jene Strecken konzentrieren, auf denen man starken Wettbewerb seitens der Lowcost-Konkurrenz verspürt. Man will mit möglichst vielen Verbindungen pro Woche punkten und damit ist auch offensichtlich, dass man gezielt Geschäftsreisende ansprechen will. Die Anzahl der Strecken, die von den in Wien tätigen Billigfliegern mindestens im doppelten Tagesrand bedient werden, ist überschaubar. Beispielsweise Paris, Rom und Mailand-Malpensa und so weiter. Ansonsten setzten die Billigflieger stark auf Frequenzen, die typischer Kurzreisen Privatreisender entsprechen.


Die AUA ersetzte Service-Mitarbeiter in den Bundesländern durch Telefone. Manche Billigairlines leisten sich nicht mal das, sondern eine kostenpflichtige Hotline mit langen Wartezeiten (Foto: Jan Gruber).

Der sukzessive Service-Abbau der Austrian Airlines und der schon fast verzweifelte Versuch sich als Lowcost-Alternative zu präsentieren ist eine fragwürdige Antwort auf die Konkurrenz der Billigflieger. Möglicherweise wäre es für die AUA besser, wenn diese sich mit einem einfachen Produkt, das keinerlei finanzielle Überraschungen in Form von Zuschlägen für ein Gepäckstück oder sonstiger üblicher "Extraleistungen" beinhaltet, positionieren würde. Es ist anzunehmen, dass viele Reisende bereit sind ein paar Euro mehr zu bezahlen, wenn dafür auch ein echtes Plus, also das berühmte Premium, geboten wird. Die Anzahl der Passagiere, die Lowcoster ablehnt und "lieber mit der AUA fliegt" ist äußerst gering, doch gerade mit einer gezielten Kommunikation "das kostet es, da kann nichts mehr dazu kommen" könnte die AUA überzeugen und insbesondere eine einfache Alternative zum Tarifs- und Aufpreisdschungel anbieten. Die Betonung liegt auf: Könnte.

Runde 1 der Lowcoster: AUA ging gestärkt hervor, SkyEurope war pleite

Das Management der Austrian Airlines und ihre Vorgesetzten in Frankfurt und Köln wissen aber auch sehr genau, dass das "Muskelspiel der Geldverbrennerei" zwischen Lufthansa (Eurowings, AUA) IAG (Anisec), Ryanair (Lauda), Easyjet und Wizzair, das sich momentan in Wien abspielt, nicht auf Dauer angelegt ist. Alle Anbieter zahlen bei ihren ultrabilligen Werbetickets kräftig drauf, wenn Passagiere clever nur mit Handgepäck reisen und alle Richtlinien penibel genau einhalten. Ob die mit Lockvogelangeboten im einstelligen Eurobereich zusätzlich angelockten Reisenden auch dann einen kurzen Trip z.B. nach Mailand oder Paris machen würden, wenn sie 300 Euro und mehr pro Oneway zahlen müssten, ist äußerst fraglich. Anders ausgedrückt: Die Geldverbrennerei ist definitiv nicht nachhaltig, nur will momentan keiner der finanzstärkeren Player damit aufhören, wenngleich Anisec, Eurowings und Easyjet schon zahlreiche Routen aufgeben haben, aber die "goldenen Zeiten des Fliegens unter 10 Euro" sind dauerhaft nicht zu halten.


Boeing 737-700 (Foto: Manfred Saitz).

Und genau das weiß man bei AUA und Lufthansa sehr genau, denn zum Beispiel hatte man mit SkyEurope schon einen sehr preisaggressiven Konkurrenten, der sich irgendwann die Dumpingpreise nicht mehr leisten konnte und mit einem beachtlichen Schuldenberg in die Pleite flog. SkyEurope hing am Tropf eines Investors, der irgendwann die Schnauze voll von der nicht-nachhaltigen Geldverbrennerei hatte. Auch Niki und Air Berlin verloren auf vielen Routen Geld und stellten diese spätestens zu jenem Zeitpunkt ein, zu dem bei Air Berlin sprichwörtlich nur noch ein kleiner Schnorchel aus dem Wasser schaute. Die AUA ging also aus der Runde 1 "Lowcoster-Battle in Wien" nicht nur als inoffizieller Sieger hervor, sondern konnte sich selbst stärken. Freilich war es die AUA, die gestandete Passagiere mit Rettungstarifen wieder nach Hause geflogen hatte... Wie die "Runde 2" ausgehen wird, ist noch offen, doch unwahrscheinlich ist, dass die AUA dadurch dauerhaft geschädigt wird, denn dauerhaft werden sich die börsennotierten Konzerne die systematische Geldvernichtung in Wien nicht leisten und möglicherweise geht am Ende die AUA wieder mal gestärkt hervor. Mit einem klar positionierten und einfachen Produkt, das die AUA wirklich zu einer echten "MyAustrian" machen würde, könnte es vielleicht sogar möglich sein diese Entwicklung ein wenig zu beschleunigen.

Zusammengefasst ist zu sagen, dass die AUA ganz sicher nicht alles falsch macht und durchaus auf die Konkurrenz aus dem Billigsegment reagieren muss, denn die "Kundentreue" ist aufgrund nahezu deckungsgleicher Produkte sehr gering, so dass meistens nur der billigste Preis zählt. Das Schaffen von Vertrauen in ein einfaches Produkt ohne finanzielle Überraschungen, das ein paar Euro mehr kosten darf und muss, könnte aber dennoch hilfreich sein. Klar ist auch, dass die momentanen Tarife im einstelligen Euro-Bereich in Wein nicht dauerhaft haltbar sind und die Vergangenheit gezeigt hat, dass am Ende die AUA gestärkt "übriggeblieben" ist oder gar gestrandete Reisende nach Hause bringen musste. Vielleicht sollte man bei der AUA sich mehr zu "einfach und keine Überraschungen" bekennen und weniger auf das Niveau der Billigkonkurrenz begeben. Vielleicht.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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