Kommentar: Anisec fliegt auf Sparflamme

Ist der kostenpflichtige Verkauf von Speisen und Waren über den Wolken ernsthaft das wichtigste Problem, das den Level-Franchisenehmer momentan beschäftigt?

Die Anisec-Flotte steht sich derzeit am Flughafen Wien äußerst viel die Räder platt (Foto: Thomas Ramgraber).

Die österreichische IAG-Tochter Anisec Luftfahrt, die als Franchisenehmer von Level tätig ist, reduzierte das Flugangebot in der laufenden Winterflugplanperiode 2018/19 im direkten Vergleich zum vergangenen Sommerflugplan 2018 erheblich. Derzeit werden maximal sechs tägliche Abflüge ab Wien durchgeführt, wobei die Flotte aus vier Airbus A321 besteht.

Auch mussten verschiedene Destinationen bereits aufgegeben werden, wobei das Unternehmen offensichtlich in der Öffentlichkeitsarbeit keine Sorge brennender beschäftigt als das kostenpflichtige Bordcatering bzw. den Warenverkauf über den Wolken zu bewerben. Eine ernsthafte Neuerung, von saisonalen Anpassungen abgesehen, gibt es freilich nicht und auf die Nennung von Preisen verzichtet man selbstredend.

Von den im Juli und August 2018 aufgenommenen 14 Destinationen ab Wien-Schwechat wird in der laufenden Winterflugplan nicht mehr viel bedient. Noch dazu wurden im doppelten Tagesrand bediente Routen wie London-Gatwick, Paris-Charles de Gaulle oder Mailand-Malpensa reduziert und wie im Fall der letzten Destination gänzlich aufgegeben. Derzeit steuert Level ab Wien nicht an: Dubrovnik, Bilbao, Ibiza, Larnaka, und Olbia. Malpensa wird entgegen der ursprünglichen Kommunikation am 3. Dezember 2018 letztmalig durchgeführt werden.

Für maximal acht tägliche Abflüge ab Wien-Schwechat sind vier Airbus A321 auf dem AOC registriert, was auf durchschnittliche zweimal starten pro Fluggerät und Tag kommt. Eine Maschine, die OE-LCN, wird derzeit überhaupt nicht genutzt. Vor einigen Wochen begründete das Unternehmen den "Sparflammen-Flugplan" mit Wartungsarbeiten an den Flugzeugen. Unter anderem sollen die Kabinen runderneuert werden. Allerdings ist eine so geringe Nutzung des Fluggeräts bei gleichzeitig stark verbesserungsbedürftiger Auslastung und wettbewerbsbedingt niedrigen Yields unwirtschaftlich für den Betrieb einer Fluggesellschaft, insbesondere im Low-Cost-Segment.

Zuletzt wurde die Marke Level auf ganzseitigen Inseraten beworben, die zu Kritik führten, denn aus den Sujets ging nicht unmissverständlich hervor, dass es sich um Oneway-Flüge handelte, sondern viel mehr konnten daraus wenigluftfahrtaffine Personen durchaus interpretieren, dass es sich um Return-Flüge ab 19,99 Euro handelt. Angesichts der Tatsache, dass Anisec mit Flugscheinen um einen Cent oneway auf den Markt preschte und Mitbewerber Aktionen zwischen einem und neun Euro wiederholt bewarben, ist dieser "Irrtum" nicht einmal so abwegig. Eine Werbekampange sollte einfach verständlich sein und zum Kaufen animieren und keine Fragen aufwerfen, die sich letztlich zum Boomerang entwickeln.

Während die Mitbewerber Wizzair und Laudamotion seit ihren Betriebsaufnahmen in Wien stetiges Wachstum und eine hohe Auslastung vermelden können, verzichtet die IAG bei der Tochter Anisec darauf die Zahlen auszuweisen, was für einen börsennotierten Konzern nicht üblich ist. Hinsichtlich der Auslastung und der Nachfrage läuft es bei Anisec offensichtlich holprig. Fluggästen macht man es dabei auch nicht gerade einfach, denn über flylevel.com sind bis heute keine Buchungen möglich, sondern es erfolgt weiterhin eine Weiterleitung auf die Webseite von Konzernschwester Vueling, was insbesondere für Wenigflieger verwirrend ist. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass auch keine deutschsprachige Version von flylevel.com zur Verfügung steht, was zur Erreichung von Wenigfliegern ebenfalls ungeschickt ist, da Anisec so nicht als österreichische Fluggesellschaft wahrgenommen wird.

Es bleibt daher abzuwarten und im Sinne des Wettbewerbs zu hoffen, dass Anisec die angekündigten Innovationen nachliefert und vom Markt als Airline und nicht als Ratespiel wahrgenommen wird. Auch wäre es hilfreich, wenn das Unternehmen mit dem Markt und damit potentiellen Kunden offener kommunizieren würde, um auf die Flugdienstleistungen aufmerksam zu machen anstatt Werbekampangen zu fahren, die von der breiten Masse, die jedoch potentielle Ticketkäufer sind, nicht verstanden wird und interessantere Dinge als kostenpflichtige Einkaufsmöglichkeiten ohne Preisangaben mitzuteilen. Außer von selbsternannten Copy-and-Paste-Profis, die sich über mühelosen Content für ihre Hobbyseiten freuen, wird das Wiederaufwärmen von kostenpflichtigen Speise- und Einkaufsmöglichkeiten wohl kaum ein seriöses Medium als ernsthafte Neuigkeit empfinden. Weder kalt, noch aufgewärmt aus der Mikrowelle. Da muss Anisec also noch einiges an Innovationen nachliefern...

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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