Köln/Bonn: WDL droht mit Abzug

Gebührenerhöhung könnte den Traditionscarrier zum Umzug nach Düsseldorf bewegen.

BAe 146-200 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Die auf die Durchführung von ACMI- und Frachtflügen spezialisierte WDL Aviation droht in einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger mit dem Abzug vom Flughafen Köln/Bonn. Zeitfracht-Chef Wolfram Simon-Schröter kritisiert darin insbesondere unklare Entwicklungsaussichten des Airports und befürchtet gar eine Erhöhung der Gebühren. Als Alternative bringt der Düsseldorf ins Spiel.

"Wenn die Gebühren erhöht werden, können wir die Preissteigerung nicht an unsere Kunden, mit denen wir feste Verträge haben, weitergeben. Derzeit ist aber für uns noch unklar, wie das Konzept des Flughafens genau aussieht und wo die Schwerpunkte gesetzt werden sollen: beim Frachtverkehr oder bei den Passagieren. Wenn die Eigentümer des Flughafens das geklärt haben, sollten wir miteinander sprechen", so Simon-Schröter gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger. "Ich spreche von der Halle, in der unsere Maschinen seit Jahrzehnten von unseren Mitarbeitern gewartet werden. Wenn das nicht mehr gegeben ist, würde möglicherweise die Zuverlässigkeit des Fluggeräts leiden. Eine besondere Qualität von WDL ist ja gerade, dass die Maschinen aufgrund der sehr sorgsamen Wartung durch eigenes Personal länger und zuverlässiger fliegen als viele andere. Von dieser Firmenpolitik, die im Übrigen auch einen Sicherheitsaspekt darstellt, können und wollen wir nicht abweichen. "Wir gehen davon aus, dass es in Düsseldorf nach der Insolvenz von Air Berlin noch freie Kapazitäten gibt. Wir brauchen einfach Verlässlichkeit für die nächsten Jahre und die haben wir in Köln/Bonn derzeit nicht."

Gleichzeitig erklärt der Manager, dass kürzlich ein Kaufvertrag über den Erwerb von vier Maschinen des Typs Embraer 190 unterschrieben wurde. Diese sollen - wie Austrian Aviation Net berichtete - spätestens ab März 2019 für ACMI-Dienstleistungen zur Verfügung stehen. Gegenüber Airliners.de erklärte Zeitfracht, dass man die Maschinen in den USA erworben habe. 

Zug um Zug soll die in die Jahre gekommene BAe-146-Passagierflotte ausgeflottet werden. Wie Airliners.de unter Berufung auf das Unternehmen berichtet, erwartet sich WDL davon insbesondere eine Kostenersparnis. Das Frachtgeschäft scheint davon zumindest vorläufig nicht betroffen sein. Wie Wolfram Simon gegenüber dem "Kölner Stadtanzeiger" erklärt, sind die BAe-146-Frachter für große Logistikunternehmen unterwegs, können jedoch auch über Broker für Einzeltransporte gebucht werden. Generell sieht der Manager Wachstumspotential in der Luft, das insbesondere auch mit "schwierigen Verkehrssituationen und Baustellen" auf den Straßen zusammenhängt, wie er weiters gegenüber dem "Kölner Stadtanzeiger" ausführt.

Derzeit sind die Passagierflugzeuge der WDL Aviation unter anderem im Auftrag von Air France und British Airways im Einsatz. Zuletzt flog man auch mit nahezu der kompletten Flotte ab Berlin-Tegel für Easyjet, jedoch führt der Billigflieger den dortigen Flugbetrieb nun ohne ACMI-Dienstleister selbst durch.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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