Nachgefragt: Das sind die Themen bei Lauda

Die geplante Effizienzsteigerung bei der österreichischen Ryanair-Tochter wird von Betriebsrat und Gewerkschaft eigentlich begrüßt. Eigentlich, denn mit das sprichwörtliche „Kleingedruckte“ will man allerdings nicht annehmen. AviationNetOnline hat nachgefragt worum es eigentlich im Detail geht.

Airbus A320 (Fotos: Thomas Ramgraber).

Das fliegende Personal von Lauda soll am Mittwoch im Rahmen der Betriebsversammlungen die geplante Roster-Änderung mehrheitlich abgelehnt haben – AviationNetOnline berichtete. Anton Fuszko, Ausschussvorsitzender für das fliegende Personal in der Gewerkschaft Vida, erklärt im Gespräch mit AviationNetOnline welche Bedenken Betriebsrat und Gewerkschaft genau haben.

„Grundsätzlich haben wir absolut nichts gegen eine Effizienzsteigerung und das neue Roster-Pattern“, so Fuszko. „Aber nicht mit jenen Regelungen, die momentan im Forderungspapier der Geschäftsführung enthalten sind.“ Konkret spricht der Gewerkschafter dabei an, dass über die Mitarbeiter Performance-Aufzeichnungen geführt werden sollen und wenn diese „zu wenig fliegen“, beispielsweise aufgrund von Krankenständen, Urlauben oder auch Einsätzen im Office, würden diese aus dem so genannten „Fixed-Pattern-Roster“ herausfallen und in den „Individual-Pattern-Roster“, also das bisherige System, überführt werden. „Das Problem ist, dass sich die Geschäftsleitung dann das Recht herausnehmen will das Personal einseitig einzuteilen und wann und ob überhaupt dieser Mitarbeiter dann zu seinen Flugstunden kommt, ist völlig ungeregelt. Das würde im Extremfall auch Willkür ermöglichen“, erklärt Anton Fuszko die Bedenken von Betriebsrat und Vida.

„Viel Fliegen ist grundsätzlich ganz im Sinne der Lauda-Mitarbeiter, denn je mehr Flugstunden absolviert werden, desto mehr Gehalt gibt es. Das liegt daran, dass ein erheblicher Teil der Bezahlung von den tatsächlich geleisteten Flugstunden abhängig ist. Daher ist mehr Effizienz ganz im Sinne der Mitarbeiter“, sagt Fuszko über die grundsätzliche Einstellung der Belegschaft. „Gesetzlich sind maximal 900 Flugstunden pro Jahr erlaubt. Wenn ein Mitarbeiter ganz besonders produktiv und effizient ist, könnte er diese Grenze überschreiten. Der aktuelle Plan der Geschäftsführung sind vor, dass diese dann automatisch in den Urlaub geschickt werden und das geht gar nicht.“

Es soll sich dabei laut dem Gewerkschafter nicht um eine Art Dienstfreistellung handeln, sondern den Betroffenen sollen reguläre Urlaubstage „abgezogen“ werden. „Dazu ist ganz klar zu sagen: Der österreichische Gesetzgeber sieht vor, dass Erholungsurlaub grundsätzlich im beiderseitigen Einvernehmen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu vereinbaren ist und den Zweck der Erholung erfüllen soll. Dass der Dienstgeber einseitig Urlaub anordnet ist nicht erlaubt und das werden wir als Gewerkschaft und der Lauda-Betriebsrat auch nicht akzeptieren.“

Konfrontiert mit den Bedenken der ÖGB-Teilgewerkschaft Vida erklärte Lauda-Geschäftsführer Andreas Gruber auf Anfrage gegenüber AviationNetOnline, dass er hierzu kein öffentliches Statement abgeben möchte.

Anton Fuszko: „Schließung einer Basis ist immer ein Risiko“

Angesprochen darauf, ob seitens der Arbeitnehmervertreter das Risiko gesehen wird, dass Ryanair die Lauda-Basis Wien bei Nichtannahme der Forderungen bis zum 14. August 2019 einfach schließen könnte, meinte Fuszko: „Das Risiko ist leider immer gegeben. Ich möchte dazu aber auch sagen, dass die Vorgehensweise der Geschäftsleitung wirklich zu verurteilen ist. Der Betriebsrat ist gesprächsbereit und wird im Rahmen der Gesetze einer Lösung zur Effizienzsteigerung zustimmen. Die Regelungen müssen aber fair und eben gesetzeskonform sein.“ Der Mutterkonzern Ryanair reagierte im eigenen Flugbetrieb auf Streiks und Widerstand der Belegschaft in zahlreichen Fällen im Ausland bereits mit der Schließung der jeweiligen Basis und das Personal wurde gekündigt. Fuszko dazu: „Derzeit werden 30 Kündigungen angedroht. Das halte ich nicht für eine gute Ausgangsbasis, um in Verhandlungen zu treten.“

Angesprochen auf die mögliche Stationierung der polnischen Konzernschwester Ryanair Sun (künftig Buzz), die sich Leihpersonal von Warsaw Aviation bedient, in Wien sagte Fuszko: „Dieses Thema wird uns in ganz Europa bei verschiedenen Airlinekonzernen noch öfters begegnen.“ Die Gewerkschaft will auch abklären, ob das Buzz-Leihpersonal mit einer EU-Entsendebestätigung aus Polen, jedoch stationiert in Wien, in Österreich mit polnischen Löhnen der Personalleasingfirma arbeiten darf oder aber ob die Bezahlung auf dem österreichischen Niveau erfolgen muss und die Sozialabgaben (beispielsweise Gebietskrankenkasse) in Österreich entrichtet werden müssen. Hintergrund ist auch, dass sich gerade Ryanair in verschiedenen EU-Ländern, darunter Frankreich und Deutschland, bereits „die Finger verbrannte“ und höchstrichterlich zu erheblichen Nachzahlungen verdonnert wurde. Der irische Konzern vertritt die Ansicht, dass Steuern und Sozialabgaben aufgrund des irischen AOCs ausschließlich in Irland zu bezahlen sind. Dem widersprachen jedoch Höchstgerichte und stellten klar, dass diese an der Betriebsstätte, also Basis, von der tatsächlich gearbeitet wird, zu bezahlen sind. Im Falle einer möglichen Stationierung der vier mit Buzz-Leihpersonal betriebenen Boeing 737-800 wären das dann die für den Flughafen Wien zuständigen Finanzbehörden und Sozialversicherungsträger. Damit konfrontiert sagte Anton Fuszko: „Genau aus diesen Gründen werden wir das genau prüfen und beobachten.“

Lauda-Betriebsrat und die Gewerkschaft Vida setzen allerdings auf den Verhandlungstisch. „Der Betriebsrat und die Lauda-Geschäftsleitung verhandeln bereits seit einigen Tagen sehr konstruktiv und die nächsten Termine sind bereits ausgemacht. Ich bin guter Dinge, dass eine für beide Seiten tragbare und faire Lösung ausverhandelt werden kann. Streiks sind momentan absolut kein Thema.“ Angesprochen auf den Ärger des Betriebsrats über nichtvorhandene abgetrennte Räume sagte Fuszko: „Da wurde bereits eine einvernehmliche Lösung gefunden. Der Betriebsrat hat jetzt einen eigenen Raum.“

Branchen-KV soll auch Wizzair-Basis Wien betreffen

Die Lösung der momentanen Probleme bei Lauda sieht der Vida-Gewerkschafter in einem Branchen-Kollektivvertrag, der von der Wirtschaftskammer allerdings seit Jahrzehnten abgelehnt wird. „Ein Branchen-KV muss unbedingt her und zwar so schnell wie möglich, denn die Lohndumping-Spirale auf Kosten des Personals muss endlich gestoppt werden. Auch die Wizzair-Basis Wien würde ein Branchen-KV betreffen und zwar ob es der Wizzair-Geschäftsführung passt oder nicht.“ Der ungarische Billigflieger vertritt jedoch eine gänzlich andere Ansicht, die bereits am Mittwoch proaktiv ohne vorhergegangene Anfrage seitens des Carriers per E-Mail an AviatioNetOnline übermittelt wurde: „In Ihrem Artikel schreiben Sie, dass Wizz Air auch Teil der heutigen KV-Verhandlungen ist. Dem ist nicht so, da Wizz Air ein unter einem ungarisch (sic!) Hoheitskennzeichen und ungarischer Flagge fleigt (sic!). Für Wizz Air gilt daher ungarisches Recht und deshalb die österreichischen Kollektivvertragsbestimmungen nicht (sic!) (genauso wie für die überwiegende Mehrheit der rund 100 Fluglinien, die den Flughafen Wien anfliegen).“ Im betroffenen AviationNetOnline-Bericht war allerdings nie die Rede einer Wizzair-Teilnahme an KV-Verhandlungen am Mittwoch, sondern es wurde über gemeinsame Betriebsversammlungen der in Wien stationierten Airlines berichtet.

Autor: René Steuer
Redakteur
René ist seit Oktober 2018 für Aviation Net tätig und bringt frischen Elan in die Redaktion.
    Autor: Jan Gruber
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    Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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