Klagenfurt: Germanwings statt Ryanair

Ryanair zieht sich aufgrund einer "Gebührenerhöhung" zurück und Germanwings steht offenbar bereits in den Startlöchern.

 

Foto: Martin Metzenbauer

Der irische Low-Cost-Carrier beförderte eigenen Angaben nach pro Jahr rund 40.000 Fluggäste auf der Verbindung zwischen Kärnten und Stansted. "Der Ladefaktor von Klagenfurt-London/Stansted lag im Durchschnitt bei 80 Prozent", erklärt Ryanair-Managerin Herike Schmidt gegenüber Austrian Aviation Net. Wie berichtet ist damit per November endgültig Schluss, doch das könnte den Weg für gleich zwei neue Germanwings-Destinationen frei machen.

Der Flughafen Klagenfurt pochte demnach auf die Bezahlung üblicher Benützungsentgelte. So soll der irische Carrier bislang in Kärnten überhaupt nichts bezahlt haben und noch dazu von diversen Stellen Förderungen und Zuschüsse erhalten haben. Dieser Geldhahn wurde abgedreht und Ryanair macht sprichwörtlich die Fliege. Flughafenchef Schintlmeister sieht dies eher gelassen: "Wenn wir nichts mit diesem Carrier verdienen und wenn sie ohne Zuschüsse nicht fliegen wollen oder können, dann tut es mir leid." Auch den Vorschlägen, die Ryanair-Chef Michael O'Leary in der Vergangenheit zahlreichen Flughäfen machte, dass diese das Non-Aviation-Geschäft verstärken sollen, kann er wenig abgewinnen: "Auch wenn Michael O'Leary garantieren würde, dass jeder Passagier sich vor dem Abflug und nach der Landung am Flughafen betrinkt,  wäre das wirtschaftlich einfach nicht darstellbar."

Bei Ryanair sieht man alles naturgemäß etwas anders. "Ryanair stellt die Verbindung Klagenfurt-London/Stansted aufgrund einer Gebührenerhöhung des Flughafens Klagenfurt für den Winterflugplan 2013/2014 ein", erklärt Ryanair-Managerin Herike Schmidt auf Austrian-Aviation-Net-Anfrage. Unter Gebührenerhöhung versteht sich, dass die Airline das am Flughafen Klagenfurt übliche Entgelt zu entrichten hätte. 

"Wir kommentieren keine Gerüchte und/oder Spekulationen und die Optionen für Umbuchungen oder Rückerstattungen sind noch nicht kommuniziert worden. In diesem Sinne kann ich die Spekulation rund um die Busverbindung nicht kommentieren. Passagiere werden via Email direkt kontaktiert", weist Henrike Schmidt zurück. Ziemlich wortkarg für den sonst häufig über die Medien kommunizierenden Low-Coster. Allenfalls ein kleiner Trost für Menschen, die einen Flug mit Abflug nach dem 05. November gebucht haben: "Im Fall von Stornierungen steht Passagieren im Normalfall eine Rückerstattung zu – ich erwarte, dass dies auch hier der Fall sein wird."

Germanwings plant zwei neue Destinationen ab Klagenfurt


Bald der Major-Carrier in Klagenfurt? (Foto: Andy Graf)

Doch Flughafenchef Max Schintlmeister dürfte deswegen den Ryanair-Abgang so gelassen hinnehmen, weil ihm möglicherweise ein großer Coup gelungen ist. So heißt es aus Kreisen der Lufthansa-Tochter Germanwings, dass mit Dezember 2013 Flüge von Klagenfurt nach Hamburg und Berlin-Tegel aufgenommen werden. Diese sollen im Gegensatz zu den Condor-Verbindungen ganzjährig bedient werden. Auch die Aufstockung der Verbindung nach Köln/Bonn in den doppelten Tagesrand und die Stationierung eines Airbus A319 wäre angedacht.

Flughafenchef Schintlmeister wollte dazu nicht Stellung nehmen. Einzig und allein der dezente Hinweis: "Natürlich bin ich in Gesprächen mit zahlreichen Fluggesellschaften. Jede Destination, auf der eine Airline im Point-to-Point-Verkehr Geld verdienen kann und ein nachhaltiges Angebot schaffen kann ist mir willkommen." Doch ob man den langjährigen Kunden Germanwings als Partner für neue Destinationen gewinnen konnte, wollte Schintlmeister nicht kommentieren. Einzig, dass man "natürlich auch mit Germanwings" im Gespräch wäre.

Wesentlich konkreter wird da schon Germanwings-Sprecherin Vanessa Torres de Avilla auf Austrian-Aviation-Net-Anfrage. Man könne zum heutigen Tage die Flugstrecken Klagenfurt-Tegel und Klagenfurt-Hamburg nicht bestätigen und hat auch gleich einen Grund dafür auf Lager: "Der Planungsprozess ist aktuell noch nicht abgeschlossen", so die Sprecherin. Die bestehende Köln/Strecke solle aber "wie gehabt täglich morgens" geflogen werden.


Germanwings könnte Leben ins Terminal bringen.

Brachenkenner rechnen damit, dass Germanwings noch im September den Flugplan für Klagenfurt veröffentlichen wird. Da die Lufthansa-Tochter wie aus Kreisen der Kärntner Tourismuswirtschaft zu hören war keine öffentlichen Subventionen erhalten würde, wäre dem jüngsten Flughafendirektor Österreichs die erste ganz große Überraschung gelungen. Mit Germanwings würde Klagenfurt auf einen Schlag aus dem Dornröschenschlaf erwachen und Reiseveranstalter hätten zudem die Möglichkeit Kontingente einzukaufen. Auf ihren Kartenstatus bedachte Vielflieger könnten Meilen sammeln...

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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