Klagenfurt: BMI und Vereine zittern um ihre Hangars

Airport will baufällige Hallen aus den 1940ern abreißen und kündigte den Mietern. Diese wehren sich.

Flughafen Klagenfurt (Foto: René Steuer).

Die politische Diskussion rund um den mehrheitlichen Verkauf des Klagenfurter Flughafens scheint kein Ende zu nehmen, denn der Klagenfurter Vizebürgermeister Wolfgang Germ (FPÖ) wirft nun vor, dass das Stadtoberhaupt, Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ), keine ausreichenden Maßnahmen für die Flug- und –sportvereine ergriffen haben soll.

Weiters führt der Politiker aus, dass entsprechende Anträge, die in einer Gemeinderatssitzung gestellt wurden, abgelehnt wurden. Diese wären noch vor dem Verkauf an die Lillihill Group rund um Franz Orasch eingebracht worden.

Hinter dieser politischen Aufregung steckt, dass laut einem Bericht der „Kleine Zeitung“ der Klagenfurter Flughafen die Pachtverträge mit vier Fliegerclubs und dem Innenministerium (Polizei) per 31. Oktober 2019 aufkündigte. Die Nutzer müssen spätestens bis zu diesem Termin die Hangars 1 und 2 räumen. Diese wurden in den 1940er-Jahren errichtet und gelten laut einem Gutachten eines Sachverständigen, das der Airport einholte, als baufällig und in „hochgradig mangelhaftem“ Zustand. Eine weitere Nutzung ist aus Sicht des Sachverständigen nicht tragbar. Der Airport erklärte bereits, dass der Abriss der beiden in die Jahre gekommenen Gebäude vorgenommen werden soll.

Auch das Innenministerium ist betroffen

Die vier Vereine und das Innenministerium erhielten also den „blauen Brief“ vom Flughafen Klagenfurt und sollten eine „Auflösungsvereinbarung“ unterschreiben. Laut Informationen der „Kleine Zeitung“ sollen sich jedoch die momentanen Mieter weigern diese zu unterfertigen, da man Nachteile dadurch befürchtet. Ein weiterer Klub wurde bereits mit Wirksamkeit zum 30. Juni 2019 gekündigt. Das Blatt schreibt weiters, dass insbesondere die Vereine bereits seit vielen Jahrzehnten ihre Flugzeuge – gegen Entgelt – in den Hangars einstellen und zum Teil überhaupt keine schriftlichen Verträge existieren sollen. Dieser Umstand ist allerdings kein „Kärntner Chaos“, sondern es ist nach österreichischer Gesetzgebung schlichtweg nicht notwendig Verträge in Textform zu schließen, denn mündliche sind ausreichend und genauso wirksam. Insbesondere in den Aufbaujahren nach dem Zweiten Weltkrieg waren per Handschlag geschlossene Vereinbarungen nicht die Ausnahme, sondern der Regelfall. Dies zeigt nun auch wie lange manche Vereine bereits Mieter beim Flughafen Klagenfurt sind.

Eine alternative Möglichkeit ihr Fluggerät einstellen zu können soll der Airport den betroffenen Klubs zwar zugesichert haben, jedoch ist diesen diese Aussage zu vage. Weiters erklärt man, dass es keinerlei bauliche Alternativen geben würde, weshalb man sehr in Sorge ist. Doch indirekte „Schützenhilfe“ könnte es vom Innenministerium geben, das sich laut einem Bericht der „Kleine Zeitung“ schlichtweg weigert auszuziehen. Ein Sprecher verweist darauf, dass es ein aufrechtes Mietverhältnis gibt und vertraglich vereinbart ist, dass im Falle einer Aufkündigung durch den Vermieter dieser entsprechenden Ersatz zu organisieren hat.

Vereine können sich "Glock-Hangar" nicht leisten

Der Flughafen erklärte gegenüber der „Kleine Zeitung“, dass man sich mit den betroffenen Mietern im Dialog befinde und eine Konsenslösung zu jedem Mietverhältnis finden will. Im Gemeinderat der Stadt Klagenfurt wird insbesondere die Zukunft der Flugvereine heftig diskutiert, wobei die Opposition die Bürgermeisterin zum Handeln aufruft. Welche Handlungsmöglichkeiten diese dabei überhaupt haben soll, wurde von den Politikern nicht gesagt. Zur Erinnerung: Der Klagenfurter Flughafen befindet sich zu mehr als 75 Prozent in privater Hand und ist kein städtischer Regiebetrieb.

Doch am Ende dürfte es auch ums Geld gehen, denn die Aussage, dass baulich keine Alternativen für Flugvereine und das Innenministerium vorhanden wären, ist so nicht ganz richtig. Der Waffenproduzent Gaston Glock besitzt über eine seiner Firmen einen äußerst großen Hangar auf dem Flughafen Klagenfurt, allerdings soll dieser sehr teuer sein. Ein von der „Kleine Zeitung“ zitierter Vereinsfunktionär erklärt, dass sich die Kosten auf etwa 200.000 Euro pro Jahr belaufen würden, was sich die Klubs nicht leisten könnten. Dennoch mutmaßt das Blatt, dass es am Ende auf einen Kompromiss – wie dieser auch immer aussehen wird – im Glock-Hangar hinauslaufen könnte. Alternativen gäbe es praktisch keine, denn die Errichtung eines Provisoriums in Eigenregie wäre für die Vereine ebenfalls nicht leistbar.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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