Keine Neuigkeiten im Anisec-Winterflugplan 2018/19

Für den kommenden Sommer bereitet das Unternehmen eine Flottenverdoppelung vor.

Airbus A321 mit der Registrierung OE-LCF am Flughafen Wien-Schwechat (Foto: Thomas Ramgraber).

Mit keinerlei Neuigkeiten geht die österreichische Anisec Luftfahrt GmbH, die unter dem IAG-Brand Level auftritt, in den Winterflugplan 2018/19. Jene 14 Destinationen, die am Juli 2018 neu aufgenommen wurden, sollen auch in der kalten Jahreszeit ab Wien-Schwechat bedient werden.

Während Anisec in den letzten Monaten äußerst auffallend als regelrechter Medienliebling gefeiert wird, läuft es hinter den Kulissen ein wenig ruhiger, denn dem Vernehmen nach ist die Auslastung auf vielen Routen äußerst schwach, was auch ein Kuriosum vermuten lässt: Das Unternehmen verscheuerte über Vertriebspartner Vueling insgesamt 100.000 Flugscheine um einen Cent, so dass der Markt auf das neue Brand Level aufmerksam wird. Es ist zu vermuten, dass eine außerordentlich hohe Anzahl von "Ein-Cent-Ticket-Inhabern" die Reisen dann letztlich nicht antritt, da man ja ohnehin nur einen Cent pro Person und Leg bezahlt hat - frei nach dem österreichischen Motto: unbedingt haben wollen, aber nicht brauchen/nutzen wollen bzw. "was nix kost, ist nix wert"?!?

Ein weiteres offensichtliches Indiz für eine schwache Nachfrage sind Tickets in großer Verfügbarkeit, die auf manchen Routen zum Teil noch am Tag des Abflugs für weniger als 30 Euro (oneway) feilgeboten werden. Dem Vernehmen nach liegen derzeit die Ticketeinnahmen und die durchschnittliche Auslastung unter den Erwartungen, was auf manchen Routen bereits zu Ausdünnungen des Flugplans geführt hat. Auch ist zu beobachten, dass auf der wettbewerbsintensiven Route nach Mailand-Malpensa im direkten Vergleich mit anderen Strecken, die Anisec bedient, besonders häufig einzelne Verbindungen gestrichen, sprich ausgedünnt, werden. Da sich in Richtung der italienischen Wirtschaftsmetropole in Kürze gleich zwei weitere Mitbewerber (Wizzair nach Mapensa und Laudamotion nach Bergamo) dazu gesellen werden, ist auf dieser Route kurz- und mittelfristig mit einem niedrigen Preisniveau zu rechnen. Langfristig ist anzunehmen, dass sich das Überangebot bereinigen wird, so dass sich der eine oder andere Carrier von Wien-Mailand verabschieden wird.

Um ein seriöses Fazit zur Marktstellung der Anisec Luftfahrt GmbH ziehen zu können, ist es allerdings noch zu früh, denn durch die Ein-Cent-Aktion und die Tatsache, dass offensichtlich viele Käufer stolze Besitzer eines solchen Flugscheins sein wollten, jedoch viele dann tatsächlich die Reise nicht antreten, verwässert die gesamte Situation so stark, dass die Auslastung nicht ernsthaft verglichen werden kann. So kann ein vermeintlich "leer" wirkendes Level-Flugzeug zumindest hinsichtlich verkaufter Sitzplätze wesentlich besser ausgelastet sein, da die No-Show-Quote bei den Ein-Cent-Tickets - wie erwähnt - sehr hoch ist.

Natürlich können sich jederzeit Reisepläne ändern oder ein Fluggast kann schlichtweg auch kurz vor Abflug krank werden, jedoch ist an dieser Stelle auch Kritik an so genannten "Spaßkäufern" zu üben, die sich in großer Stückzahl mit Ein-Cent-Tickets eingedeckt haben, um sie einfach besitzen zu können und kurzfristig kommen diese dann darauf, dass sie eigentlich gar nicht fliegen wollen. Es ist vollkommen legal etwas zu kaufen und bezahlen, das dann letztlich nicht genutzt wird, jedoch gegenüber anderen Reisenden, die sich ernsthaft über das "Kennenlernangebot" des Carriers gefreut hätten, etwas unfair.

Es ist unwahrscheinlich, dass Anisec nochmals eine größere Stückzahl von Flugscheinen um einen Cent verramschen wird, da dies eine Markteinführungsaktion war. Im Winterflugplan wirbt man nun mit Flugscheinpreisen ab 19,99 Euro, 24,99 Euro und 34,99 Euro. Im Grunde orientiert sich das Preissystem an jenem von Vertriebspartner Vueling.

Zu Beginn des neuen Jahres soll es dann auch wieder Flottenzuwachs geben, denn mit der OE-LCL wird ein weiterer Airbus A321 zur Flotte stoßen. Auch kündigte Ops-Manager Frank Galander gegenüber der TAI an, dass im Sommerflugplan 2019 mindestens zwei Airbus A320 zur Anisec-Flotte stoßen werden. Möglicherweise könnte es auch eine dritte Einheit diesen Typs werden, da für die warme Flugplanperiode im kommenden Jahr noch zahlreiche weitere Destinationen angekündigt werden sollen, aber sich das Unternehmen insbesondere auch um Vollcharter-Flüge bemüht. Mit Tui wurde mit sich beispielsweise auf Wien-Hurghada bereits handelseinig. Die Wien-Flotte unter dem Level Brand wird sich im Sommerflugplan 2019 also gegenüber dem heutigen Stand bis zu verdoppeln. Hinsichtlich etwaiger Langstreckenpläne ab Wien hat sich mit heutigem Stand nichts geändert.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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