(K)ein Arzt an Bord?

Das ehrgeizige "Doc-on-Board"-Projekt ist aufgrund der AUA-Sparmaßnahmen gefährdet.

Foto: Doc-on-Board

Medizinische Notfälle in Verkehrsflugzeugen sind keine Seltenheit. Immer mehr Menschen fliegen - und damit sind auch mehr ältere Passagiere und Fluggäste mit chronischen Krankheiten unterwegs. Das anerkannte Portal für Vorfälle in der Zivilluftfahrt, Aviation Herald listet entsprechend viele "Medicals" auf.

Glücklicherweise ist bei 50 bis 75 Prozent aller Flüge zumindest ein Arzt mit an Bord. Doch können die Mediziner hier wirklich optimal helfen? Ein Spezialist für Augenheilkunde ist wohl kaum auf einen Herzinfarkt in 10.000 Metern Höhe vorbereitet.

In Österreich haben die beiden Ärzte Joachim Huber und David Gabriel vor mittlerweile acht Jahren das Projekt "Doc-on-Board" ins Leben gerufen. Dabei werden Ärzte ausgebildet, mit Notfällen über den Wolken umzugehen. Die Workshops, die rund 500 Euro kosten, dauern zwei Tage. Mit einem halbtägigen Zusatzmodul gilt "Doc on Board" sogar als von der Österreichischen Ärztekammer anerkannter Notarzt-Auffrischungskurs, der mittlerweile zu den beliebtesten Fortbildungen zählt - ein klares Qualitätsmerkmal.

Kooperationspartner war bislang Austrian Airlines. Die Fluglinie stellte die Trainingseinrichtungen zur Verfügung und erhielt dafür gut ausgebildete Fachleute, die sich beim Einstieg ins Flugzeug mit ihrer "Doc-on-Board"-Karte ausweisen und so im Fall der Fälle vom Kabinenpersonal angesprochen und (diskret) um Hilfe gebeten werden können.

Aufgrund der aktuellen Sparmaßnahmen droht das Projekt allerdings zu kippen: Die AUA wollte von den Betreibern der Kurse höhere Beiträge für die Benutzung der Schulungsräume. Dies stößt nicht unbedingt auf Verständnis, da ja diese Ausbildung - die bislang mehr als 1.000 Teilnehmer gezählt hat - der Fluglinie und vor allem deren Passagieren nützt.

Dass die "Doc-on-Board"-Kurse "eine gute Sache für die Passagiere sind und zu unseren Werten passen", bestätigt AUA-Sprecher Michael Braun gegenüber Austrian Aviation Net. Trotzdem müsse man Kostenwahrheit einfordern: "Wir können natürlich nicht unseren Mitarbeitern und auch den Lieferanten auf der einen Seite Opfer abverlangen, während wir auf der anderen Seite gleichzeitig Dinge wie Ausbildungslehrsäale kostenlos zur Verfügung stellen - das wäre unfair und auch nicht schlüssig und nicht sinnvoll", so Braun.

Trotzdem will die AUA "Doc-on-Board" entgegen kommen. Braun dazu: "Wir sind in Gesprächen und hoffen, dass das Projekt weiterhin gemeinsam angeboten wird."

Dass die AUA dabei durchaus selbst Nutzen zieht, zeigt eine aktuelle Umfrage: So gaben beispielsweise 56 Prozent der "Doc-on-Board"-Absolventen an, nach dem Kurs öfter mit Austrian Airlines geflogen zu sein. Zwei Drittel meinten, schon zumindest einmal einen medizinischen Notfall an Bord erlebt zu haben. Darauf ist man wohl als "Doc-on-Board" besser vorbereitet als ohne entsprechende Schulung. So erklärten auch 98 Prozent der Kursteilnehmer, dass ihrer Meinung nach die Sicherheit an Bord erhöht würde.

Zum Thema "Kostenwahrheit" gibt es dabei noch einen weiteren, nicht unwesentlichen Punkt, der für "Doc-on-Board" spricht: Wenn man nämlich bedenkt, dass sich eine Airline durch eine einzige verhinderte Zwischenlandung aufgrund eines medizinischen Ereignisses zehntausende Euro erspart, macht die Unterstützung der Kurse wohl auch betriebswirtschaftlich Sinn.

In Sachen Passagier- (und Patienten-) Sicherheit ist also zu hoffen, dass sich "Doc-on-Board" und Austrian Airlines einigen können, damit dieses weltweit wohl einzigartige Projekt in gewohnter Qualität fortgeführt werden kann. Die Fluggäste werden es danken!

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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