Kay Kratky: "Ich bin ja nicht der Messias"

Der Noch-AUA-Chef im Abschiedsinterview mit Austrian Aviation Net.

Kratky stellt das 60 Jahr Buch vor (Foto: Lukas Bezila für Austrian Airlines).

Ende Juli verlässt AUA-CEO Kay Kratky das Unternehmen und macht Alexis von Hoensbroech Platz. Als "Abschiedsgeschenk" spricht er nicht nur über sich, seine Arbeit und seine Pläne, er erklärt auch, warum die AUA die Entscheidung über eine neue Langstreckenflotte jetzt auf die lange Bank geschoben hat. Michael Csoklich hat das Interview mit Kay Kratky geführt.

Austrian Aviation Net: Herr Kratky, 3 Jahre AUA-Chef. Genug, oder hätte es mehr sein können?
Kay Kratky: Es kann immer mehr sein! Es waren auf jeden Fall 3 extrem spannende, lehrreiche und auch erfüllende Jahre. 

Austrian Aviation Net: Wenn nicht alle Eindrücke täuschen, wären Sie gerne geblieben. Ist die 60-Jahre Grenze der Lufthansa eine Altersdiskriminierung?
Kay Kratky: Man wird sich in der Zukunft sicher die Frage stellen müssen, ob eine derart harte Regel zeitgemäß ist oder ob man eine gewisse Flexibilität einbauen sollte. Ich sehe das für mich als Chance. 

Austrian Aviation Net: Sie gehen Ende Juli. Was ist das Wichtigste, was Sie als AUA-Chef erreicht haben, worauf sind Sie am meisten stolz?
Kay Kratky: Im Lichte dessen, dass immer alles von der ganzen Mannschaft erreicht wurde, würde ich nicht sagen, worauf ich persönlich stolz bin. Was mich freut ist, dass wir einen sehr positiven Wandel im Unternehmen, in der Kultur, in der Art, wie alle hier arbeiten, denken und handeln, erreicht haben. Wir lernen aus Fehlern, schauen über den Tellerrand, gehen die Dinge mit etwas mehr Selbstbewusstsein an und verzagen bei kleinen Rückschlägen nicht sofort sondern schöpfen eher Kraft daraus. Dieser Wandel in den vergangenen drei Jahren macht mir Freude. 

Austrian Aviation Net: In Österreich ist gerade Zeugniszeit. Auf einer Notenskala von 1 - 5: In welchem Zustand übergeben Sie die AUA Ihrem Nachfolger?
Kay Kratky: 3 plus. 

Austrian Aviation Net: Im Sinn von 1 ist das Beste?
Kay Kratky: 1 ist das Beste, ja, 3 plus. Wobei der Durchschnittswert nicht wirklich wiedergibt, wo wir tatsächlich stehen. Die Aufgaben, wo wir noch besser werden können, liegen auf dem Tisch und sind bekannt. In einzelnen Bereichen aber, wie Servicepersonal oder Catering, sind wir die Klassenbesten, sind wir die Benchmark.


Kratky teilt die inzwischen traditionelle Weihnachtsgans in der OS Kantine aus (Foto: Austrian Airlines AG).

Austrian Aviation Net: Ist die Bestnote überhaupt erreichbar?
Kay Kratky: Ich glaube, eine glatte 1 ist nicht realistisch. Sie kann eine Zielsetzung sein, aber erreichbar, da würde ich mit aller Bescheidenheit sagen, eine 2 plus tut es auch. 

Austrian Aviation Net: 2 plus ist also das Ziel. Lufthansa Chef Carsten Spohr bezeichnete den Hub Wien als den schwächsten in der Lufthansa-Gruppe, ihr Aufsichtsratsvorsitzender, Harry Hohmeister, wiederholte diese Kritik kürzlich. Warum sind die beiden so unzufrieden mit der AUA?
Kay Kratky: Sie sind nicht unzufrieden. Ich spüre in vielen Gesprächen eine hohe Anerkennung für das, was geleistet wurde. Ich denke, es gehört zu deren Pflichten, auf mögliche Verbesserungspotentiale hinzuweisen. Ich plädiere nur immer für einen fairen Vergleich. Als ich 2011 Mitglied des Lufthansa-Passagevorstands wurde, war Carsten Spohr der CEO. Die Rendite lag bei etwa 2,3%. Trotzdem wurden damals A350 und 777X zum Listenpreis von 14 Milliarden € bestellt. Wir als AUA sind jetzt, vergleichbar, bei einer Rendite von 4,6%. Was will ich damit sagen? Man braucht unternehmerischen Mut und Weitsicht, auch in solchen Situationen Entscheidungen zu treffen, die weit in die Zukunft reichen. Wir wissen, was zu tun ist, und wünschen uns eine mutige Begleitung für diese notwendigen Schritte in die Zukunft. 

Austrian Aviation Net: Es gibt also keine echte Kritik des CEO sondern es läuft das Spiel good guy, bad guy?
Kay Kratky: Es ist keine Kritik, das ist ein ganz normaler Austausch und die Suche Verbesserungspotential. Ich habe kein schlechtes Gefühl, wenn man einmal den Finger in die Wunde legt, egal, wer es tut, und uns erinnert, daran müsst ihr arbeiten. Wir sind Teil eines großen Konzerns und haben hier in Österreich eine wichtige Aufgabe für diesen zu erledigen. Das sollte mehr Ansporn sein, als irgendeine falsch verstandene Kritik.

Austrian Aviation Net: Im Konzern dreht sich alles um Profitabilität, um die Gewinnmarge. Die liegt bei 4,6%, etwa die Hälfte von Swiss und LH. Wie schafft die AUA mehr?
Kay Kratky: Es ist ein ganzer Strauß an Optionen, die uns da zur Verfügung stehen. Als erstes Beispiel haben wir einen vierjährigen Kollektivvertrag mit dem Bordpersonal geschlossen, der uns Stabilität geben wird. Der ist teuer geworden, auf der anderen Seite bringt er uns viel Flexibilität, was gerade im Umfeld der wachsenden Konkurrenz der Billigfluglinien von unschätzbarem Wert ist. Denn er wird uns erlauben, produktiver und besser zu planen, und uns alleine dadurch deutlich zu verbessern. 

Austrian Aviation Net: Klingt gut, der KV droht aber gerade wieder zu scheitern, weil das Unternehmen angeblich in letzter Minute noch Forderungen gestellt hat.
Kay Kratky: Wir sind von der Unterbrechung in der Zielgeraden selbst überrascht worden. Es handelt sich dabei um ein offenes Detail. Ich bin zuversichtlich, dass wir auch dafür eine Lösung am Verhandlungstisch finden. 

Austrian Aviation Net: Wird es noch in Ihrer Zeit zum Abschluss kommen, und was wird das zusätzlich kosten?
Kay Kratky: Zum Verhandeln und Abschließen gehören immer zwei. Wenn es nach mir geht, unterschreiben wir morgen.   

Austrian Aviation Net: Also lieber noch etwas Geld ausgeben als wieder ein Millionenschaden durch Betriebsversammlungen in der Hauptreisezeit?
Kay Kratky: Unser Konzept war von Anbeginn der Verhandlungen, dass wir gerne bereit sind, mehr zu geben, wenn wir dafür Flexibilität und Produktivität gewinnen. Das gilt jetzt am Ende der Verhandlungen genauso. 

Austrian Aviation Net: Das Unternehmen bleibt also erpressbar.
Kay Kratky: Verhandlungsbereit, nicht erpressbar. 

Austrian Aviation Net: Abseits vom Kollektivvertrag: Was sind denn die anderen Steine am Weg zu mehr Profitabilität?
Kay Kratky: Ja, zurück zum Blumenstrauß der Möglichkeiten. Wir müssen weiter mit Lieferanten und Partnern an den Kosten- und Ertragsstrukturen arbeiten. Wir müssen uns laufend hinterfragen, sind wir richtig aufgestellt, laufen die Prozesse optimal, fliegen wir die richtigen Destinationen mit richtigem Fluggerät an, usw. –da gibt es viele Ansatzpunkte. Deshalb haben wir auch gerade entschieden, unser Langstreckennetz umzubauen. Wir nehmen Langstreckenverbindungen nach Hongkong, Havanna und Sri Lanka aus dem Programm und stecken die Kapazitäten nach New York, Chicago, Peking und Shanghai. Miami fliegen wir nur mehr im Sommer an. Wir glauben, dass wir dadurch mitunter den Geschäftsreiseverkehr zwischen Osteuropa Nordamerika verbessern können. Für Businessreisende sind hochfrequente Verbindungen wichtiger als neue Destinationen. 

Austrian Aviation Net: Das „Ausmisten“ der Langstreckenziele kommt nicht überraschend – wie hoch war der Verlust auf diesen Strecken? 
Kay Kratky: Wir sind in den vergangenen Jahren einen durchaus mutigen Kurs gefahren, indem wir mehrere neue Langstrecken aufgenommen haben. Dazu zählen u.a. Shanghai, Newark, Chicago, L.A., Mauritius. Das sind Strecken, die heute gut funktionieren. Andere funktionieren eben nicht, hier fehlten die Nachfrage und die Wirtschaftlichkeit und deshalb ziehen wir die Konsequenzen und gehen wieder raus. 

Austrian Aviation Net: Sie reduzieren also ihre Standbeine und verdichten stattdessen die Flüge nach Asien und in die USA. Ist das nicht gefährlich, sollte die Weltwirtschaft z.B. wegen des Handelskriegs zu stottern beginnen?
Kay Kratky: Die Fliegerei ist nie vor Krisen gefeit. Mal ist es eine Vulkanasche, dann die Finanzkrise oder eine Epidemie. Unsere Stärke als Airline und speziell als Austrian Airlines ist die Fähigkeit, rasch reagieren zu können und unsere Operation und das Netzwerk auch immer wieder neu ausrichten zu können. 

Austrian Aviation Net: Sie drehen also an vielen Schrauben. Gibt es etwas, was Sie noch gar nicht angepackt haben, was aber notwendig ist?
Kay Kratky: Ja, meine Work-Life-Balance, aber das kommt jetzt! Aber Sie meinen wahrscheinlich eher aufs Unternehmen bezogen. Jain. Ich glaube, wir haben zumindest das meiste angepackt, aber mit dem Anpacken hört es ja nicht auf. Es gehört zum Unternehmertum, etwas auszuprobieren, und wenn es nicht so optimal war, muss ich nach einer besseren Variante suchen. Etwas anzupacken und zu sagen, das ist erledigt – das gibt es nicht, das sind laufende und wiederkehrende Prozesse. 

Austrian Aviation Net: Jetzt haben Sie sich 2017 über den Rekordgewinn gefreut, 2018 sagen Sie, wird der Gewinn weniger hoch sein. Gleichzeitig blasen die Billigfluglinien zum Generalangriff. Haben Sie sich schon warm angezogen oder sind Sie froh, von Bord zu gehen? 
Kay Kratky: Wer mich kennt weiß, dass ich sehr gerne auch mal etwas härter ins Gefecht gehe. So gesehen müsste ich traurig sein, dem einen oder anderen nicht mehr das Fell über die Ohren ziehen zu können. Ja, wir hatten 2017 das beste Ergebnis der Geschichte, das ist eine gute Grundlage. Heuer gibt es verschiedene Faktoren, die, auch etwas Wasser in den Wein kippen. Die Betriebsversammlungen haben uns einen knapp zweistelligen Millionenbetrag im Ergebnis gekostet... 

Austrian Aviation Net: ... und kosten vielleicht noch mehr Geld...
Kay Kratky: Wie schon gesagt. Wir könnten auch gleich unterschreiben. Der steigende Kerosinpreis wird uns trotz Hedging zusätzlich etwa 40 Millionen € kosten. Das muss man verkraften. Und, Sie haben es erwähnt, die Veränderung im Wettbewerbsumfeld hier am Standort Wien werden ihr übriges tun, um die Erträge nicht automatisch zu verbessern. Aber Wettbewerb macht Spaß und man kann ja auch eine gewisse Erfüllung darin finden, tatkräftig zur Arbeit zu schreiten. 

Austrian Aviation Net: Sie scheinen das ja locker zu sehen. Aber bedeuten die Billigkonkurrenz und die steigenden Treibstoffpreise nicht extrem schlechte Aussichten für eine bessere Gewinnmarge?
Kay Kratky: Ja, stimmt. Aber es wird zuerst einmal dazu führen, dass schwächere Teilnehmer im Wettbewerb noch größere Probleme bekommen und wird die Konsolidierungswelle unterstützen. Wenn der Ölpreis weiter steigt, werden das die Billigfluglinien stärker spüren, weil er dort ein stärkerer relativer Kostenfaktor als bei uns ist. Und er wird sich auch auf die Ticketpreise niederschlagen. Die Großen werden den Druck natürlich auch spüren, und er wird sich im Ergebnis widerspiegeln. Wenn man aber wettbewerbsfähig aufgestellt ist, wird es nicht Existenz gefährdend sein. 

Austrian Aviation Net: Wen wird es Ihrer Meinung nach erwischen?
Kay Kratky: Hoffentlich alle anderen. (lacht) 

Austrian Aviation Net: Was bedeutet der Wettbewerb mit den Billigfluglinien für die Ticketpreise und Destinationen der AUA?
Kay Kratky: Wir sehen einen zunehmenden Druck auf die Ticketpreise und auf die Kosten. Viele versuchen, sich Marktanteile zu kaufen. Wenn zuletzt Level 100.000 Tickets um einen Cent verkauft hat, dann weiß man, wie groß der Druck ist, wenn man in einen Markt hinein möchte. Das wird sich auf alle Beteiligten massiv auswirken und man wird versuchen am Ende bei denen zu sein die übrig bleiben. 

Austrian Aviation Net: Ganz konkret: Wie können Sie dieser Phalanx Paroli bieten?
Kay Kratky: Wir bieten den besten Service, ein breites Produkt von günstig und preiswert bis hin zu komfortabel und hoher Qualität. Das hat so keiner der direkten Mitbewerber am Standort. Ich glaube, und das zeigen unsere Feedbacks,  dass es viele Menschen gibt, die nicht nur das Billigste (suchen) sondern die richtige Balance zwischen Preis, Qualität und ihrem Reisebudget suchen. Da sind wir als AUA gut positioniert und wir haben ja auf der Produktseite einige Pfeile im Köcher. Ein Pfeil ist schon in der Luft, die Premium Economy, sie wird extrem gut angenommen und wir liegen deutlich über den Erwartungen. Wir haben die Lounges hier am Standort neu gestaltet und wir prüfen derzeit neue Servicekonzepte an Bord. Damit wir bei den Ticketpreisen Schritt halten können, müssen wir natürlich auf der Kostenseite immer wieder arbeiten, das ist klar. Wir haben uns das Ziel gesetzt, bei der normierten Größe CASK, Cent pro angebotenen Sitzkilometer, bis 2020 noch einmal einen deutlichen Schritt nach unten zu machen, was uns dann bei den Kosten näher an die Billiganbieter bringt uns aber allein wegen unserer Qualität nicht zum Billiganbieter macht. 

Austrian Aviation Net: Zu den unerledigten Dingen ihrer Zeit zählt die Erneuerung der Langstreckenflotte. Sie haben ja skizziert, welche Probleme Sie haben und welche auf Sie zukommen. Bleiben Sie dabei, dass die immer in den Raum gestellten 150 Millionen € Gewinn erreichbar sind und so die neuen Flugzeuge gekauft werden können?
Kay Kratky: Ich möchte da (ja) meinem Nachfolger nicht gleich so ein Mega-Ei ins Nest legen. Wäre ich geblieben, würde ich sagen, ja, es ist schaffbar. Ansätze habe ich ja kurz skizziert, und die werden zu dem Ergebnis führen, womit dann diese Investition machbar wird. Nicht in weiter Zukunft, sondern mittelfristig, in wenigen Jahren. Generell muss man die Frage nach einer neuen Langstreckenflotte weniger emotional sehen. Dass wir alle gerne neue und mehr Flugzeuge haben wollen, liegt scheinbar in den Genen der Airliner. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht aber sind unsere Flugzeuge, auch die 767, Top in Schuss, sind am neuesten Stand der Technik und exzellent gewartet. By the way: wir hatten bei uns im Konzern die grobe Richtschnur, Flugzeuge mit etwa 25 Dienstjahren auszutauschen. Die erreichen wir derzeit weder auf der 767 Flotte noch auf der 777 Flotte. 


Kratky mit Ex-Verkehrsminister Stöger bei der 20 Jahre Feier der OS Lehrlingswerkstätte (Foto: Austrian Airlines AG).

Austrian Aviation Net: Diesen Druck, diese Erwartungshaltung, haben doch Sie als Unternehmen aufgebaut. Sie haben gesagt, die Flottenfrage muss entschieden werden, was immer wieder verschoben worden ist und auch jetzt gerade wieder passiert.
Kay Kratky: Ja das stimmt. Ein Grund dafür war, dass 2 767-Flugzege geleast waren und wir mit Ablauf des Leasingvertrags vor der Frage standen, ob wir die ganze Flotte erneuern oder nur diese beiden Flugzeuge. Was operativ aber keinen Sinn gemacht hätte. Wir haben diskutiert und gerechnet und sind letztendlich zum Schluss gekommen. Die beste Variante ist es, diese beiden Flugzeuge zu kaufen, das haben wir vor kurzem getan. Damit haben wir keinen Zeitdruck mehr und haben mehr Flexibilität bei der Frage der Erneuerung der Langstreckenflotte und können, wenn wir wollen, die 767 und die 777-Flotte gleichzeitig erneuern. 

Austrian Aviation Net: Das hat aber bis zuletzt ganz anders geklungen.
Kay Kratky: Ich gebe Ihnen Recht, auch ich habe lange noch ein Stück anders gedacht. Aber das zeigt, dass sogar ich in meinem gehobenen Alter lernfähig bin und willig, mich neuen Rahmenbedingungen zu stellen. 

Austrian Aviation Net: Oder dass die wirtschaftlichen Fakten Sie eines besseren belehrt haben.
Kay Kratky: Ja, das kommt alles zusammen. 

Austrian Aviation Net: Sie haben ja immer wieder den Gedanken geäußert, die Lebensdauer mit einer Generalüberholung noch zu verlängern? Wird der durch die gekaufte Zeit jetzt realistischer?
Kay Kratky: Auch hier gab es einen Lernprozess. Weil Langstreckenflugzeuge viel weniger Starts und Landungen absolvieren, gibt es kein Design Limit wie etwa bei Mittelstreckenflugzeugen. Es ist bei Langstreckenflugzeugen mit einem überschaubaren Aufwand möglich, die Flugzeuge technisch praktisch im Neuzustand zu halten. Und zwar im Zuge der laufenden Wartungen. 

Austrian Aviation Net: Damit ich das alles richtig verstehe: Die vielen Aussagen der Vergangenheit gelten nicht mehr. Alles ist neu. Es gibt keine Entscheidung und auch keinen Entscheidungszeitpunkt für die Erneuerung der Langstreckenflotte. Sie warten ab, halten die Flugzeuge in Schuss und hoffen, dass der Gewinn steigt und Sie sich neue Flugzeuge in 3 oder 5 Jahren leisten können.
Kay Kratky: Ja wenn man es so verkürzt sagen will, da bin ich dabei, so kann man es zusammenfassen. 

Austrian Aviation Net: Ein Szenario geistert immer wieder durch die Gerüchteküche: die AUA kann die Profitabilität nicht entscheidend verbessern - und sie wird zu Eurowings. Können Sie das ausschließen?
Kay Kratky: Was soll ich dazu sagen? Ich weiß nicht, wo das Gerücht herkommt, denn es wurde nicht diskutiert und es wird nicht diskutiert. Wenn es ein Gerücht ist, dann lassen wir es bei dem Gerücht. Wir sind gut beraten, die AUA als stabiles Standbein hier in Wien für den Konzern weiterzuentwickeln, trotz des Angriffs der Billigfluglinien, der hier stattfindet. Das ist jetzt einmal die Marschrichtung. 

Austrian Aviation Net: Jetzt ist das ja ein Abschiedsinterview...
Kay Kratky: ...das tut schon weh, Herr Csoklich. 

Austrian Aviation Net: Ich verstehe das gut. Deshalb eine sehr positive Frage: Was ist das Beste, was in Ihrer „Amtszeit“ gelungen ist?
Kay Kratky: Es ist immer schwierig, über sich selbst zu reden. Es würde mir besser gefallen, wenn Sie da einmal in die Belegschaft hineinhören würden, was man dort so sagt. Es wäre mir persönlich wichtig, wenn wir eine Art Vertrauensbasis wieder aufbauen konnten. Zwischen Belegschaft und Management, zwischen Management und Sozialpartnern, zwischen Sozialpartnern und Belegschaft, zwischen den verschiedenen Belegschaftskörpern. Mein größter Wunsch und meine Hoffnung wäre es, wenn ich dazu beitragen konnte, eine neue Art des Arbeitens zu etablieren. Mit Teamgeist, einem gemeinsamen Ziel, einem Miteinander und dem Wunsch, Dinge gemeinsam zu verbessern. 

Austrian Aviation Net: Gibt es so etwas wie eine Botschaft an das Unternehmen, die Sie hinterlassen möchten?
Kay Kratky: Na Bravo, jetzt wird es wirklich Abschied, nein, das machen wir jetzt nicht. Botschaft? Ich bin ja nicht der Messias. Nein, wir haben ein tolles Team, fantastische Leute, einen wirklich super Fighting Spirit, und ich drücke einfach nur die Daumen, dass alle genauso mit meinem Nachfolger und als Team in diese Richtung weiter arbeiten. Damit sich das Engagement am Ende auszahlt und die AUA auf diesem positiven erfolgreichen Weg weitergeht.


Kratky und Albrecht bei der Staffelübergabe 2015 - Albrecht. Sanierer, Kratky: Stabilisierer. (Foto: Lembergh für Austrian Airlines AG).

Austrian Aviation Net: Sie sind Deutscher - und mögen Österreich. Welche Eigenschaften unterscheiden die Deutschen von den Österreichern?
Kay Kratky: Die Deutschen und die Österreicher ... es gibt ja auch ein paar nette Deutsche. 

Austrian Aviation Net: Und ein paar nette Österreicher...
Kay Kratky: ...die sind alle nett, wollte ich damit sagen. Ich glaube, wir in der deutschen Kultur sind direkter, egal in welcher Sachfrage, wir haben weniger Floskeln und eine höhere Bereitschaft zum Konflikt. Was ich persönlich nicht als negativ empfinde. Hier in Österreich dominiert eher dieses höfliche, umschreibende, zwischen den Zeilen lesende, etwas östlichere Umgehen miteinander. Beide Umgangsformen haben ihre Daseinsberechtigung, sie führen aber wechselseitig immer wieder einmal zu Irritationen. Weil Österreich kleiner ist, und das empfinde ich positiv, kennt man in Österreich relativ viel mehr Menschen, das ermöglicht eine intensivere Zusammenarbeit in der Industrie und mit der Politik. Ich bin ein großer Anhänger der jetzigen Regierung, die wirklich Dinge anpacken will, die den Kontakt und das Gespräch sucht, die verstehen will, wie die Industrie aber auch andere Mitspieler, denken. Diese Art von intensivem Gespräch unter Einbindung einer Anzahl von Nicht-Politikern ist Klasse.

Austrian Aviation Net: Ein Journalist hat das unlängst weniger positiv gesehen als Sie. Die Österreicher streiten nicht gerne, aber sie intrigieren und schließen faule Kompromisse, hat er geschrieben. Haben Sie das erlebt?
Kay Kratky: Ja die Tendenz ist mir durchaus bekannt. Mir wurde einmal, während einer Verhandlungssituation, angeboten, man könne ja außerhalb der Verhandlungen eine quasi inoffizielle Verhandlung machen. Diese Art der Doppelverhandlung war schon sehr ungewohnt. Sie haben gesagt fauler Kompromiss, ich würde eher meinen, ohne anmaßend sein zu wollen, diese Art des Handels, diese Art Marktplatzatmosphäre, die muss einer nüchterneren, klareren Auseinandersetzung weichen. Man muss Konflikte austragen können, um so zu belastbaren konkreten Ergebnissen zu kommen. 

Austrian Aviation Net: Ich nehme an, Sie werden ihrem Nachfolger Alexis von Hoensbroech öffentlich keine Ratschläge geben. Können Sie ihm sagen, worauf er in Österreich gut aufpassen soll?
Kay Kratky: Wie hat der Schauspieler Christoph Waltz gesagt? „Die Österreicher sind stets höflich, aber sie meinen es nicht immer.“ Mir ist das ja nie passiert, alle waren nett. Ich würde Herrn von Hoensbroech empfehlen, sich das Video mit Waltz anzusehen. (Anm. der Redaktion und zum Nachschauen: https://youtu.be/3r61EcyegBM bei 1:58) 

Austrian Aviation Net: Sie waren Pilot, Manager bei Lufthansa, Manager bei Jade, AUA Chef - was wird Ihnen in bester Erinnerung bleiben?
Kay Kratky: Es sträubt sich alles in mir, jetzt schon ein Resümee zu ziehen, ich hoffe, ich habe noch irgendetwas vor mir, es ist ja irgendwie fast schon Endzeitstimmung. Also wenn ich zur Mitte des Lebens so ein Resümee ziehen darf, dann sind es sicher immer die Menschen gewesen, denen ich begegnet bin, mit denen ich arbeiten durfte. Ich habe phantastische Menschen kennengelernt, mit unglaublicher Kompetenz, Motivation und Zielstrebigkeit -  daran erinnere ich mich am liebsten.

Austrian Aviation Net: Was kommt nun, die Pension, ein Job als Konsulent oder die endgültige Übersiedlung nach Gastein?
Kay Kratky: Haben Sie eine Idee? Ich werde jetzt alles vernünftig zu Ende bringen. Dann möchte ich ein paar Wochen in mein Lieblingstal nach Hofgastein gehen. Auf die Berge steigen, ein Glas Wein mit Freunden trinken, und ein bisschen nachdenken. Abstand gewinnen. Allen, die mit Ideen anklopfen, sage ich, ruft im Oktober noch einmal an. Was dann kommt? Ich habe sicherlich Lust, etwas zu tun. Ich bin für alles offen, Tatendurstig und Abenteuerlustig. Wenn mir jemand den Posten als Flottenchef auf Tahiti anbietet, das wäre ein Argument, da könnte ich gut darüber nachdenken.


Kay Kratky mit Michael Csoklich beim Interview (Foto: Austrian Airlines AG).

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Seit 2015 leitet er den LG für Wirtschaftsjournalismus in Krems, ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Austrian Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

    Special Visitors

    Qatar Airways / A7-ALZ
    THAI / HS-TWA
    German Air Force / 14+02
    Italian Air Force / MM62243
    Rossiya Airlines / VQ-BCP
    Spain Air Force / T18-3
    French Air Force / F-RAFC

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Jan Gruber

    Michael Csoklich

    Robert Hartinger

    Christoph Aumüller