Kap der guten Hoffnung?

Die AUA hat nach einer langen Pause wieder Flüge nach Kapstadt aufgenommen. Darf die Airline diesmal Hoffnung auf Erfolg haben?

Das Western Cape ist landschaftlich wunderschön (alle Fotos: Martin Metzenbauer).

Austrian Airlines hat den Ruf, zu manchen ihrer Langstreckenziele richtiggehende On-Off-Beziehungen zu pflegen. Tokio, Shanghai oder Chicago waren nur einige der Destinationen, die von der AUA angeflogen, eingestellt und nach einiger Zeit wieder ins Programm genommen wurden - manchmal mehrmals hintereinander. Vergleichsweise recht lange musste Kapstadt warten, bis Austrian Airlines nach einer solchen „Beziehungspause“ wieder zurückkehrte: Mehr als 18 Jahre sind vergangen, seit die österreichische Fluglinie die südafrikanische Metropole zuletzt im Programm hatte: Mit dem Beginn des heurigen Winterflugplans startete die AUA abermals nach Kapstadt - vorerst saisonal und zweimal wöchentlich mit der Boeing 777-200ER.

Doch warum gerade Kapstadt und Südafrika? Zum einen ist das Land - und insbesondere die Region um das Western Cape - natürlich ein hoch attraktives touristisches Ziel. Jährlich fliegen tausende Urlauber aus Österreich in die Gegend, die mehr als genug Möglichkeiten bietet, einen Urlaub interessant und angenehm zu verbringen. Zum anderen pflegen Österreich und Südafrika durchaus intensive wirtschaftliche Beziehungen. Südafrika ist der wichtigste Wirtschaftspartner Österreichs auf dem afrikanischen Kontinent: Im ersten Halbjahr 2018 wurden um knapp 280 Millionen Euro Waren nach Südafrika exportiert - ein deutliches Plus von rund 28 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Es gibt eine Vielzahl heimische Unternehmen, die hier investiert haben oder mit Zweigniederlassungen vertreten sind. Von KTM über Red Bull (in Südafrika werden pro Jahr rund 100 Millionen Dosen verkauft) bis zu Voestalpine spannt sich der Bogen. Aber auch Strabag ist vor Ort aktiv und baut beispielsweise mit einem südafrikanischen Partner die höchste Brücke Afrikas. Der Seilbahnbauer Doppelmayr errichtet ein Transportsystem für eine Platinmine. Rund 60 österreichische Unternehmen betreiben Filialen in Südafrika - mehr als 500 sind regelmäßig am Markt aktiv.

So schön die Gegend auch ist: Die Townships in Kapstadt zeugen von der Armut und den sozialen Problemen eines nicht unbedeutenden Teils der Bevölkerung.

Das eigentliche wirtschaftliche Zentrum ist zwar Johannesburg - das Western Cape (also die Region rund um Kapstadt) wurde aber ebenfalls zu einer bedeutenden Wirtschaftsregion. Hier möchte man auch gezielt Startups ansprechen, wie Tim Harris, CEO des Tourismus- und Wirtschaftspromotors Wesgro, im Gespräch erklärte. Er vergleicht Kapstadt mit San Francisco: Hier wie dort gebe es einen gewissen „Lifestyle Appeal“ beispielsweise durch die Lage am Meer mit den Stränden rundherum. Aber auch alternative Denkweisen würden an die kalifornische Metropole mit dem benachbarten Silicon Valley erinnern, so Harris.

Bleibt die Frage, ob die AUA diesmal genug Kunden für ihre Flüge zwischen Wien und Kapstadt motivieren kann. Im Vorjahr waren zwischen Österreich und Südafrika laut Wesgro 56.700 Passagiere unterwegs. Austrian Airlines bietet mit ihren Flügen rund 30.000 Sitze nur in der (südafrikanischen) Sommersaison an, die gleichzeitig auch die Hauptreisezeit darstellt. Neben dem Point-to-Point-Verkehr darf man natürlich auch auf die Mutter Lufthansa hoffen, die über ihre Vertriebskanäle Umsteiger über Wien nach Südafrika auf den Weg schickt. Für die Lufthansa Gruppe ist Südafrika generell ein wichtiger Markt, wie André Schulz, General Manager Lufthansa Southern Africa, erklärte. So wurde das Angebot in den letzten Jahren deutlich erhöht - zuletzt beförderte man rund 350.000 Passagiere jährlich zwischen den Hubs der Lufthansa Group und den beiden Destinationen Johannesburg (ca. 200.000) und Kapstadt (ca. 150.000).

Die Grundvoraussetzungen, die AUA-Widebodies mit Passagieren zu füllen, klingen daher an sich nicht schlecht. Trotzdem gibt es beim Thema Südafrika ein paar Unabwägbarkeiten, die der Euphorie einen Dämpfer verleihen können. In erster Linie sind dies die politische und soziale Situation: Wer das Land bereist, kann die extreme Kluft zwischen arm und reich gar nicht übersehen. Neben Townships mit Wellblechhütten finden sich für die Wohlhabenderen Gated Communities mit Stachel- und Elektrozäunen. Die erste und die dritte Welt prallen hier mit voller Wucht aufeinander.

Kapstadt vom Tafelberg aus gesehen.

In Südafrika mit seiner Arbeitslosenrate von mehr als 25 Prozent werden pro Jahr relativ zur Bevölkerung erschreckender Weise sogar mehr Menschen umgebracht als in Mexiko (viele davon in den Townships). Und nach den Jahren der Zuma-Regierung (der umstrittene ehemalige Präsident wurde unter anderem der Bereicherung beschuldigt) muss sich sein Nachfolger Cyril Ramaphosa festigen und Anfang 2019 eine Wahl bestreiten. Aber auch akute Themen wie die Wasserknappheit in der ersten Jahreshälfte können auch den Touristenstrom recht schnell zum Versiegen bringen.

Trotzdem ist Südafrika unbestritten ein wunderschönes Land, das dem Reisenden viele positive Eindrücke bescheren kann. Und auch auf wirtschaftlicher Seite geschehen in dem Land und der Kapregion spannende Dinge - eben auch mit österreichischer Beteiligung. Man wird sehen, ob die Flüge ans Kap der guten Hoffnung diesmal unter einem besseren Stern stehen - andere Voraussetzungen dafür als vor 20 Jahren gibt es alleine durch die Vertriebskooperation mit Lufthansa allemal.

 

Anmerkung im Sinne der Medientransparenz: Die Kosten für die Pressereise nach Kapstadt - an der Austrian Aviation Net teilgenommen hat - wurden von Austrian Airlines übernommen.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Austrian Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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