Julian Jäger: "Wien entwickelt sich in alle Himmelsrichtungen positiv"

Anlässlich des Air-Canada-Erstflugs gibt Julian Jäger, Vorstandsdirektor der börsennotierten Flughafen Wien AG, einige Einblicke in Projekte, die der Airport in den nächsten Jahren umsetzen will und Verbesserungen für Airlines und Passagiere bringen sollen.

Julian Jäger (Foto: Thomas Ramgraber).

Der Flughafen Wien konnte in den letzten 12 Monaten eine ganze Reihe von neuen Carriern und neuen Routen an Land ziehen. Airportchef Julian Jäger musste diese Woche gleich zweimal zur Eröffnung neuer Langstrecken nach Kanada antreten, denn nebst Toronto, das von Air Canada bedient wird, fliegt die AUA nun nach Montreal.

Im Smalltalk mit AviationNetOnline erklärt Jäger was seiner Meinung nach Air Canada für den Flughafen Wien bedeutet und bringt einige Projekte, die am Airport umgesetzt werden sollen, etwas näher. Das Wachstum am Flughafen Wien - so Jäger - geht derzeit in alle Himmelsrichtungen.

AviationNetOnline: Zum ersten Mal seit 20 Jahren ist Air Canada wieder als dauerhafter Stammgast am Flughafen Wien. Was bedeutet dieses für Sie und die Flughafen Wien AG?

Julian Jäger: Das ist ein sehr erfreulicher Tag. Die Air Canada ist der erste nordamerikanische Carrier, den wir sozusagen seit rund 10 Jahren hier in Wien sehen. In den letzten Jahren haben wir in Richtung Nordamerika ein sehr starkes Wachstum verzeichnen können. Um mehr als 50 Prozent in den letzten fünf Jahren. Ich rechne damit, dass Air Canada rund 130.000 Passagiere zwischen Toronto und Wien befördern wird. Man darf auch nicht vergessen, dass auch eine intensive Zusammenarbeit zwischen Austrian Airlines und Air Canada besteht. Die AUA nahm am Montag Montreal auf. Insgesamt wird also die Konnektivität nach Kanada deutlich verbessert.


Ob mit den Lauda-Geschäftsführern Andreas Gruber und Colin Casey ein Glas Sekt auf eine Streckeneröffnung anstoßen... (Foto: Thomas Ramgraber)

AviationNetOnline: Der erste nordamerkanische Carrier ist ein toller Erfolg, doch fühlt der sich nicht ein wenig einsam? Wie stehen die Chancen, dass ein zweiter oder gar dritter Nordamerikaner dazu kommen könnte?

Julian Jäger: Also da sind wir sehr bestrebt und wir arbeiten auch seit einigen Jahren sehr hart dran, aber da muss man ganz realistisch sagen: Die Austrian ist natürlich in den letzten Jahren sehr intensiv gewachsen, insbesondere in Richtung Nordamerika, und hat einige neue Ziele aufgenommen. Chicago, New York, Miami, Los Angeles und so weiter fliegt die AUA schon und da ist jetzt nicht mehr so viel Raum für Star-Alliance-Partner, aber wir hoffen natürlich das Verstärkung in den nächsten Jahren kommt.

AviationNetOnline: Im ersten Quartal konnte der Flughafen Wien ein Passagierplus von über 25 Prozent melden. Worauf führen Sie dieses doch erhebliche Wachstum zurück?

Julian Jäger: Das ist eine Mischung aus unterschiedlichen Faktoren. Natürlich tragen die Lowcost-Carrier sehr stark zum Wachstum bei, aber wir haben auch eine sehr starke Langstrecke, auf der wir mehr als 20 Prozent Wachstum in Richtung Nordamerika und Asien verzeichnen. Das ist ein gutes und starkes Wachstum, das wir auch in den letzten Jahren hatten, aber nun wächst auch der Transferanteil. Es ist aber die Mischung aus unterschiedlichen Effekten, die zum starken Wachstum in Wien führen und in Summe entwickelt sich der Verkehr in alle Himmelsrichtungen positiv.


...Hainan Airlines zum Erstflug gratulieren... (Foto: Flughafen Wien AG)

AviationNetOnline: Wenn die Entwicklung weiterhin so steil nach oben zeigt, dann dürfte der Flughafen Wien in absehbarer Zeit auch ein massives Platzproblem in den Terminals bekommen. Planen Sie bereits Erweiterungen oder Neubauten?

Julian Jäger: Naja, wir denken schon seit einigen Jahren an Erweiterung und wir arbeiten auch daran. Zunächst werden das Terminal 2 und der Pier Ost saniert. Im nächsten Schritt vergrößern wir das Terminal 3 um eine Süderweiterung. Diese Maßnahmen führen dazu, dass mehr Platz für Gastronomie, Lounges und Gates zur Verfügung stehen wird. Auch werden wir mehr Wartungsflächen für Fluggesellschaften schaffen. Grundsätzlich glaube ich aber, dass es ein gutes Zeichen ist, wenn es an einem Flughafen ein bisschen enger ist, denn das zeigt auch, dass der Airport sehr stark nachgefragt ist. Zu einer Überfüllung wird es aber nicht kommen, denn wir bereiten uns schon seit Jahren auf Wachstum vor.

AviationNetOnline: Damit sind die Überlegungen das „alte“ Terminal 2 abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen endgültig vom Tisch?

Julian Jäger: Ja, so ist es.


...oder mit Wizzair die Base-Erweiterung vorstellen... (Foto: Flughafen Wien AG).

AviationNetOnline: Was wird im Terminal 2 genau gemacht? Wird dieses in absehbarer Zukunft auch wieder für den Check-In genutzt oder wird dieses quasi die Siko- und Service-Halle des Wiener Flughafens?

Julian Jäger: Die wesentliche Neuerung, die in das Terminal 2 in den Bereich, in dem sich früher Check-In-Schalter befanden, kommen wird, ist eine zentrale Sicherheitskontrolle für alle Gates. Das bedeutet in weiterer Folge, dass die Kontrolllinien im Terminal 3, jene bei den B-C-Gates und die dezentralen Kontrollen im Pier Ost überflüssig werden, was in erster Linie dazu führt, dass dort mehr Platz frei wird, der anderweitig genutzt werden kann. Für die Passagiere hat dies einen weiteren entscheidenden Vorteil, denn man wird sich vom Pier West bis bin zum anderen Ende im Terminal 3 frei bewegen können. Einzige Einschränkung: Die Passkontrollen vor den Non-Schengen-Bereichen. Das bedeutet, dass künftig alle Passagiere durch die gleiche, zentrale Sicherheitskontrolle gehen werden und zwar unabhängig davon, ob sie ab B, C, D, F oder G abfliegen oder in den Terminals 1, 1A oder 3 einchecken.

AviationNetOnline: Das bedeutet dann aber auch, dass das Umsteigen zwischen B, C, D sowie F und G erheblich erleichtert wird. Ist das auch eine Forderung von Airlines, die so flexibler quasi den ganzen Airport nutzen können?

Julian Jäger: Momentan sind Umstiege zwischen Terminal 3 und Pier-West oder Pier-Ost nicht so ganz optimal und werden dadurch erleichtert, dass es auf der Air-Side eine Verbindung über die Südanbindung des Terminal 3 geben wird. Umsteiger können sich dann ohne weitere Sicherheitskontrolle frei bewegen. Natürlich wünschen sich auch Fluggesellschaften diese Lösung, denn sie bringt für alle größtmöglichen Komfort und auch Flexibilität und Zeitersparnis.

AviationNetOnline: Vielen Dank für das Gespräch.


...oder mit Air Canada und der kanadischen Botschafterin eine Torte anschneiden, Grund zum Feiern gab es für Flughafendirektor Julian Jäger in den letzen 12 Monaten häufig (Foto: Thomas Ramgraber).

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