Julian Jäger: "Das wäre eine Bedrohung"

Vorstand der Flughafen Wien AG im Interview mit Michael Csoklich.

Julian Jäger (Foto: Flughafen Wien AG).

Seit 2011 sitzt Julian Jäger im Vorstand der Flughafen Wien AG, zuständig  u.a. für Operations und Abgertigungsdienste. 24 Millionen Passagiere wurden 2017 in Wien gezählt, die Steigerungen bringen aber auch Herausforderungen mit sich, wie bei den Sicherheitskontrollen. Wichtige Themen für den Flughafen sind auch die 3. Piste, die Sanierung der Terminals, der Boom der Billigfluglinien und auch mögliche Pläne der EU-Kommission, sich die An- und Abfluggebühren näher anzusehen. Michael Csoklich hat mit Julian Jäger das folgende Interview geführt.


Pier D des Wiener Flughafens (Foto: www.AirTeamImages.com).

Austrian Aviation Net: Die Geschäfte des Flughafens Wien boomen, sie könnten sich zurücklehnen und freuen. Was aber sind die drei Dinge, die den Erfolg des Flughafens Wien bremsen könnten?
Julian Jäger: Drei Dinge gleich? Das erste, das mir einfällt, ist das Thema Qualität und Kapazität, eine echte Herausforderung für die Luftfahrt insgesamt. Es gab heuer in ganz Europa doch deutliche Rückgänge in puncto Verlässlichkeit der Flüge, Verspätungen und Annullierungen sind mehr geworden. Lufthansa, Eurowings und Laudamotion haben sich sogar für Probleme entschuldigt. Das müssen wir verbessern, denn letztendlich leben wir von der Akzeptanz unserer Passagiere. 

Austrian Aviation Net: Faktum ist aber, dass es heuer einfach echte Probleme bei vielen Flügen gibt.
Julian Jäger: Ja, und einen Grund sehe ich darin, dass die Flugpläne, die sich Fluglinien vornehmen, immer ambitionierter sind. Die Flugpläne werden dichter, die Bodenzeiten kürzer. Wenn dann irgendwo eine Verspätung passiert, wegen des Wetters oder eines technischen Problems, dann fehlt der Puffer, um diese Verspätung auffangen zu können. Gleichzeitig haben immer weniger Fluglinien Reserveflugzeuge verfügbar, die eingesetzt werden können, wenn es ein Problem gibt. Zusätzlich erschweren der extreme Kostendruck und die steigenden Ölpreise die Situation. Die Reserven sind an allen Ecken und Enden weniger geworden, das macht das System viel verwundbarer. Wir müssen uns als Gesamtsystem Luftfahrt bewusst werden, dass wir unseren Kunden Verlässlichkeit und Qualität liefern müssen. Da muss jeder seinen Teil dazu beitragen und wir müssen gemeinsam schauen, dass wir das hinbekommen, sonst wird das Gesamtsystem leiden. 

Austrian Aviation Net: Qualität ist also das größte Sorgenkind, Konjunktur oder ein möglicher Handelskrieg tangieren Sie nicht?
Julian Jäger: Um ehrlich zu sein: ich bemühe mich, mir über die Dinge Gedanken zu machen, auf die ich einen Einfluss habe. Wenn ein extremer Handelskrieg die Konjunktur dämmt oder wenn es im Nahen Osten kriegerische Auseinandersetzungen gibt, wirkt sich das auch auf uns aus - wir haben darauf aber keinen Einfluss. Auf die Pünktlichkeit zum Beispiel haben wir auch nur einen beschränkten Einfluss, aber auf den Teil, der uns betrifft, konzentrieren wir uns. So müssen wir schauen, dass wir in den nächsten Jahren das Wachstum gut verkraften, aber auch die geplanten Umbauten so hinbekommen, dass die Qualität am Flughafen Wien in Ordnung bleibt. 

Austrian Aviation Net: Einfluss haben Sie bei den Sicherheitskontrollen ...... genau ... ... da ärgern sich die Passagiere oft über die langen Schlangen und Wartezeiten. Ist Abhilfe in Sicht?
Julian Jäger: In Wien sind wir im internationalen Vergleich bei den Sicherheitskontrollen sehr schnell. 90% der Passagiere warten weniger als 5 Minuten. Damit das so bleibt, ist im Zuge der Sanierungen und Umbauten eine großzügige neue Fläche für die Sicherheitskontrollen geplant. Damit wird sich die Qualität bis 2023 weiter verbessern. Eine weitere Verbesserung, zumindest in einigen Jahren, könnten die 3D-Gepäcksscanner bringen. Sie ermöglichen es, dass man nicht mehr alles aus dem Gepäckstück herausnehmen muss, das Handy, das Tablet, Flüssigkeiten etc. Ich gehe davon aus, dass das in drei bis fünf Jahren Standard und verlässlich einsetzbar ist. Das sollte einen positiven Effekt auf die Wartezeit haben. Biometrie würde theoretisch viele Probleme lösen, da gibt es aber politisch und rechtlich viele ungelöste Themen und ich sehe eine Lösung noch nicht einmal am Horizont. 

Austrian Aviation Net: Ich weiß ja nicht, wie oft Sie in Gedanken den Terminal 3 schon gesprengt haben. Tatsache ist, ein echtes Erlebnis für Passagiere ist er nicht. Jetzt startet das 500 Millionen € Projekt für den erwähnten Umbau. Wann wird da konkret Abhilfe kommen?
Julian Jäger: Die 500 Millionen € beziehen sich auf die Sanierung des Pier Ost, des Terminal 2 und die Errichtung der neuen Süderweiterung. Das ganze wird im kommenden Jahr starten und 2023 enden mit der Erweiterung des Terminal 3. Der große Vorteil ist dann, wie erwähnt, die zentrale Sicherheitskontrolle. Auch das Umsteigen wird deutlich einfacher werden. Wir haben mehr Flächen für Shops und Loungen und großzügige allgemeine Warteflächen. Also das Qualitätserlebnis, die Gastronomie, Shopping, Flächen für Kinder, Aufenthaltskomfort – all das wird 2023 noch besser möglich sein. 


Flughafen Wien (Foto: www.AirTeamImages.com).

Austrian Aviation Net: Sie bauen ja am Flughafen nicht nur die Terminals um. Mit dem Office Park 4, dem Logistikzentrum und dem Gesundheitszentrum sind sie eine Großbaustelle, auch ein Hotel wird überlegt. Sind das die Einnahmequellen der Zukunft?
Julian Jäger: Ja, das ist ein wichtiger Einkommensteil, der in Zukunft wachsen soll. Im non Aviation Bereich, aber auch im Retailbereich im Terminal, verzeichnen wir derzeit noch unterdurchschnittliche Erlöse und das wollen wir verbessern. Das liegt auch am Flughafendesign, dass wir zu wenig Shops haben, und diese zum Teil an den falschen Stellen. Dass sich die Airport-City heute so gut entwickelt zeigt, dass dieses Potential in der Vergangenheit nicht intensiv genug gehoben worden ist. 

Austrian Aviation Net: Sie setzen da hauptsächlich auf Bürokapazitäten, andere Flughäfen investieren in Start Ups oder siedeln sogar eine Universität an. Ist es für Sie kein Thema, high Tech am Flughafen anzusiedeln?
Julian Jäger: Ich würde sagen, das ist Ausbaustufe 2. Ich kenne viele dieser Ansiedelungen und viel davon ist einfach gutes Marketing. Grundsätzlich geht es darum, dass wir als Stadt und verkehrstechnisch günstiger Standort wachsen wollen. Je mehr Menschen sich hier am Standort aufhalten, umso besser rechnen sich alle unsere Investitionen. Wir denken, dass wir hier auf das richtige Pferd setzen. 

Austrian Aviation Net: Jetzt gibt es eine Initiative verschiedener Fluglinien, die von der EU-Kommission verlangen, dass diese die Start- und Landegebühren der Flughäfen evaluiert und möglicherweise die Gebühren in Europa einmal einheitlich festsetzt. Ist das eine Bedrohung für Sie?
Julian Jäger: Ja, das würde ich schon als Bedrohung sehen. Weil die Unsicherheit, die dadurch entsteht, würde die Investitionstätigkeit von Flughäfen, besonders von privaten Flughäfen, sehr belasten. Und es wäre ja auch nicht sachgerecht, denn die Voraussetzungen für Flughäfen in Europa sind von Land zu Land völlig unterschiedlich sind. Es gibt Länder, wo die Sicherheitskontrollen vom Staat bezahlt werden, Länder, wo die Sicherheitskontrollen, wie bei uns, vom Passagier bezahlt werden, es gibt Länder, wo in die Flughafentarife die Einnahmen aus Duty Free etc. mit einberechnet werden ... 

Austrian Aviation Net: ... was bei Ihnen nicht der Fall ist ...
Julian Jäger: ... was bei uns und im deutschsprachigen Raum nicht der Fall ist. Aus unserer Sicht funktioniert das System und ich sehe absolut keinen Anlass, dass man EU-weit etwas regeln müsste, wo es eigentlich kein Problem gibt. „Dont fix it if it is not broken“, sagt man in England. 

Austrian Aviation Net: Die Fluglinien sagen, Flughäfen seien Monopole und viele Flughäfen, Wien zählt dazu, seien sehr teuer. Ist das Problem aus Sicht der Fluglinien nicht verständlich?
Julian Jäger: Es gibt eine Studie von der A4E (Airlines for Europe), die uns bescheinigt, dass wir in Wien in den letzten 10 Jahren die Tarife um nur ca. 4% gesteigert haben. Das zeigt, dass wir von den Steigerungen anderer Flughäfen weit entfernt sind. Ich habe noch keine Klage einer Fluglinie gesehen, dass dieses System nicht funktioniert. Beim Thema Monopol bin ich überzeugt, dass es sich in den letzten Jahren total verändert hat. Fragen sie die Kollegen in Bratislava, ob sie gegenüber der Ryanair eine Monopolstellung haben. Sie werden sehen, die Machtverhältnisse sind genau umgekehrt. Dort diktiert der Kunde, was er bereit ist zu zahlen. Wenn wir mit der Lufthansagruppe verhandeln, sitze ich meinem, mit 60-65% Passagieranteil, größten Kunden gegenüber, der sehr leicht disponieren kann, wo er seine Kapazitäten einsetzt. Man sieht das gerade schön an den fünf A380, die die Lufthansa von Frankfurt nach München verlegt hat 

Austrian Aviation Net: Sie sagen also, sie sind kein Monopol und sie sind nicht zu teuer. Ist es nicht berechtigt zu fordern, dass sich Gebühren auf Grund der Gesamteinnahmen eines Flughafens berechnen sollen?
Julian Jäger: Nein, ist es meiner Meinung nach nicht. Es ist ja so, dass wir die Start- und Landegebühren stark incentivieren, um nicht nur unsere Strategie, sondern auch jene der Airlines zu unterstützen. Es ist ja kein Zufall, dass wir Transferverkehr, Volumen und Wachstum unterstützen. Im Interesse unseres Hub-Carriers und anderer Fluglinien, die seit vielen Jahren einen Hub in Wien betreiben. Also nein, das ist aus meiner Sicht weder notwendig noch sachgerecht. 

Austrian Aviation Net: Zusammengefasst: Sie sehen keinen Grund, irgendetwas zu ändern?
Julian Jäger: Nein. Die EU wäre gut beraten, sich auf die großen Themen und Probleme zu konzentrieren und sich nicht auf Grund von Lobbyingtätigkeiten auf kleine Probleme zu stürzen. Ich finde es immer lustig, wenn die IATA auf der einen Seite gegen private Flughäfen wettert, und vehement dafür eintritt, dass sich die Tarifregime ändern, aber gleichzeitig beklagt, dass so viel Infrastruktur am Boden fehlt. Beides geht nicht. 

Austrian Aviation Net: Wir haben am Anfang davon gesprochen, dass das Geschäft boomt. Dafür gibt es zwei Gründe: mehr Langstrecke und der Run diverser Low Cost Airlines auf Wien. Stopfen diese nur Löcher nach dem Aus der Air Berlin oder sind das grundsätzliche Entscheidungen, jetzt nach Wien zu kommen?
Julian Jäger: Ich glaube, es ist von beiden etwas. Die Billigfluglinien haben ihre Strategien geändert. Sie wissen, wenn sie weiter wachsen wollen, müssen sie auch in die großen Einzugsgebiete und die großen Flughäfen gehen. Was dann bei uns in Wien dazu kommt, warum es jetzt sehr schnell ging und wo mich die Dimension auch überrascht, ist, dass mit dem Wegfall der Air Berlin Gruppe einerseits der Marktanteil der Lufthansa deutlich gestiegen ist, andererseits aber war die stabile Nummer 2 weg. WizzAir, Laudamotion/Ryanair, Level haben da die Chance gesehen, schnell zu wachsen und die 2. Stelle hinter der mächtigen Lufthansagruppe in Wien einzunehmen. Dazu kommt, dass Wien, aber auch unsere Einzugsgebiete in der Slowakei, Tschechien und Ungarn, wirtschaftlich immer stärker werden. Das ist gut für den Geschäftsverkehr, gleichzeitig wird Wien eine immer attraktivere Touristendestination. All das macht Wien zu einer optimalen Destination für Billigfluglinien. Das merken wir jetzt und wird einige Monate anhalten, aber nach starkem Wachstum kommt früher oder später die Konsolidierung. Man muss das also alles gelassen sehen. 

Austrian Aviation Net: Level ist jetzt da, von Vueling war immer die Rede. Ich nehme an, Vueling kommt jetzt nicht mehr.
Julian Jäger: Mit Level hat ein neuer Carrier und eine Tochter der IAG, zu der auch Vueling gehört, eine neue Basis in Wien eröffnet. Das schafft Passagierwachstum, Arbeitsplätze und stärkt den Luftfahrtstandort Wien. Vueling bedient bereits einige Destinationen ab Wien, eine eigene Basis neben Level erwarten wir hier aber nicht.


Level (Anisec) ist der jüngste Neuzugang im Low-Cost-Segment am Flughafen Wien (Foto: Thomas Ramgraber).

Austrian Aviation Net: Der Anteil an Billigfluglinien von 30 bis 40% in Wien ...
Julian Jäger:... 30 bis 40% sehe ich nicht in absehbarer Zeit, aber wir werden doch rasch deutlich über 20% kommen. Europaweit reden wir von einem Anteil von 40 bis 50%, da werden wir noch länger nicht hinkommen und das ist auch nicht das Ziel. 

Austrian Aviation Net: Sie haben viel Low Cost in Wien, sie haben viel Langstrecke in Wien – beides trifft ihren Hauptkunden AUA und Lufthansagruppe. Sei es, dass WizzAir nach Tel Aviv fliegt oder Thai nach Bangkok. Ist es nicht schwierig, sich über die vielen Billigfluglinien zu freuen, andererseits damit den Hauptkunden zu vergraulen?
Julian Jäger: Es liegt nicht in unserer Hand, ob die AUA mehr oder weniger Konkurrenz bekommt. Wir bemühen uns um Wachstum und neue Fluglinien, das sehe ich ebenso als meine Aufgabe an, wie vergleichbare Rahmenbedingungen zu schaffen und niemanden besser oder schlechter zu behandeln. Insgesamt steigt der Druck, ja, aber wir vollziehen nur nach, was an anderen Standorten schon lange der Fall ist. 

Austrian Aviation Net: Sie waren also noch nie mit dem Ärger der AUA konfrontiert, dass es so viel Billigkonkurrenz in Wien gibt
Julian Jäger: Dass sich die AUA nicht freut, ist klar. Ich bin aber überzeugt, dass sie jetzt in einer deutlich besseren Lage ist, dem Wettbewerb standzuhalten, als noch vor fünf Jahren. 

Austrian Aviation Net :Freut sich die AUA auch über die Konkurrenz auf der Langstrecke?
Julian Jäger: Wir haben das Ziel, Wien mit möglichst vielen Teilen der Welt zu verbinden. Deswegen freue ich mich, dass im Herbst Hainan Airlines nach Wien kommt mit einer Shenzen-Verbindung, dass die Thai nach Wien gekommen ist, dass Ethiopian und Air China in den letzten Jahren gekommen sind, und dass Eva Air und Korean stark aufstocken. Wir haben heuer alleine nach Ostasien ein Wachstum von 30%. Auch da entscheidet der Markt, ob die Verbindungen angenommen werden, ob die Fluglinien bleiben oder nicht. Da habe ich den Eindruck, dass der Wiener Markt gut angenommen wird, weil keine Fluglinie, die in den vergangenen Jahren begonnen hat, eine Strecke wieder eingestellt hat. Und die AUA hat den Vorteil, dass sie so ihr Netz gut betreiben können. 

Austrian Aviation Net: Die Frage ist, wie lange die AUA dieses Netz so weiter betreiben kann. Die härter werdende Billigkonkurrenz verhindert möglicherweise, dass sie genug Geld verdient, um neue Langstreckenflugzeuge zu kaufen. Es gibt immer wieder Gedankespiele, dass die AUA das Langstreckennetz so doch verlieren könnte und zu Eurowings werden könnte. Sehen Sie diese Gefahr 
Julian Jäger: Ich sehe sie nicht als konkret an, aber man hört sehr viel und ich würde jetzt nicht sagen, dass das völlig absurd ist und nie passieren wird. Wenn man eines gelernt hat aus der jüngeren Luftfahrtgeschichte, dann das, dass man grundsätzlich gar nichts ausschließen kann. Ich bin fest überzeugt, dass die AUA ein tolles Produkt und engagierte Mitarbeiter hat, sich am Markt halten und diesem Wettbewerb standhalten wird.  Dementsprechend hoffen wir natürlich, dass es zu einer Erneuerung der Langstreckenflotte kommen wird. Sollte das wider Erwarten nicht der Fall sein, werden andere Fluglinien die Lücken füllen.


Julian Jäger ist Vorstand der Flughafen Wien AG (Foto: Flughafen Wien AG).

Austrian Aviation Net: Haben Sie jemanden im Ärmel, der für die AUA einspringen könnte?
Julian Jäger: Nein, das ist ja nicht Ziel. Wir reden ja von einem rein hypothetischen Fall, und ich bin überzeugt, der neue CEO der AUA kommt nicht hierher mit dem Auftrag die Langstrecke zuzusperren, sondern mit dem Auftrag, die AUA profitabler zu machen. Aber wenn man hypothetisch durchdenkt, was würde passieren, dann würden eben mehr Passagiere mit anderen Fluglinien fliegen und nicht mit der Lufthansagruppe. Und das kann ja nicht das Ziel der Lufthansagruppe sein. 

Austrian Aviation Net: Wachstum ist für Sie wichtig. 16 wichtige Flughäfen in Europa gelten als nicht mehr ausbaufähig. Ist das nicht die Chance für Wien und ein Muss für den Bau der 3. Piste?
Julian Jäger: Genau so sehen wir das. Aus strategischer Sicht ist die 3. Piste das wesentliche Projekt für den Flughafen Wien. 

Austrian Aviation Net: Aber können Sie bis 2030 warten?
Julian Jäger: Das Wesentliche ist nicht, ob wir 2027, 2029 oder 2031 eröffnen, sondern dass wir diese zusätzliche Kapazität auf den Markt bringen können. Wichtig ist, dass das Projekt nicht scheitert. Ich gehe davon aus, dass der Flugverkehr weltweit und auch in Europa weiter wachsen wird. Gleichzeitig ist in Europa ganz schwierig geworden, zusätzliche Flughafenkapazitäten auf den Markt zu bringen. Da ist es für uns ein Wettbewerbsvorteil, wenn wir die Möglichkeit haben, eine zusätzliche Piste in Wien zu eröffnen. 

Austrian Aviation Net: Die sie aber nicht sausen lassen können, nur weil die EU-Kommission vielleicht die Gebühren anders festsetzt.
Julian Jäger: Das haben wir nicht vor, deswegen setzen wir uns dafür ein, dass diese Revision nicht kommt. 

Austrian Aviation Net: Sie haben gedroht, dass in diesem Fall nicht in die 3. Piste investiert werden kann.
Julian Jäger: Es geht nicht um drohen, sondern um realistische Einschätzungen. Das Projekt muss sich rechnen. Und wenn eine große Unsicherheit über die Flughafentarife besteht, ist es schwieriger, das Projekt wirtschaftlich zu argumentieren und umzusetzen. 

Austrian Aviation Net: Aber Sie wollen nicht der 17. Flughafen sein, wo nichts mehr ausbaufähig ist.
Julian Jäger: Das ist nicht unsere Ambition.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Seit 2015 leitet er den LG für Wirtschaftsjournalismus in Krems, ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Austrian Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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