JetClass - mit Business Jets auf ganzer Linie

Das junge österreichische Unternehmen möchte mit einem neuen und innovativen Geschäftsmodell punkten.

Vladislav Zenov (links) und Ali Wagas (Foto: JetClass).

Heutzutage ist ein innereuropäischer Flug mit einer regulären Airline kein wirklich exklusives Ereignis mehr – selbst in der hochpreisigen Business Class. Als Passagier muss man lange vor Abflug am Airport sein, mühsame Security-Checks über sich ergehen lassen, bevor man dann in einer mitunter überfüllten Lounge Platz nehmen darf. An Bord kann man es sich meist auf einem normalen Eco-Sitz bequem machen – man hat zumindest das Glück eines freien Mittelsitzes und einiger kulinarisch ansprechender Häppchen. Auch nicht wirklich zum exklusiven Reiseerlebnis trägt dann häufig noch die Wartezeit auf den Vorfeldbus und den natürlich zu spät kommenden letzten Economy-Class Passagier bei. 

Wirklich stark sind die Premium-Klassen europäischer Airlines dafür beim Preis. Schnell einmal bewegt man sich in Bereichen von 500 bis 1.000 Euro für einen Hin- und Retourflug. „Wo war die Leistung?“ könnte sich da so mancher Geschäftsreisender angesichts des mitunter etwas schiefen Preis-Leistungs-Verhältnisses in Anlehnung an einen prominenten österreichischen Politiker fragen.

Gute Premium-Leistung zu einem (wenn nicht unbedingt billigen aber doch) konkurrenzfähigen Preis möchte vor diesem Hintergrund ein Wiener Startup namens JetClass bieten. Die beiden Gründer Ali Wagas und Vladislav Zenov wollen damit die innereuropäische Business Class quasi neu erfinden. Dazu passend auch der Slogan des 2017 gegründeten Unternehmens: „Reinventing Business Class“. Mit diesem Ansinnen setzen die zwei Wiener allerdings nicht auf reguläre Airlines, sondern auf Geschäftsreiseflugzeuge.

Mit einem Business Jet unterwegs zu sein, bedeutet in der Regel in einem kleinen, exklusiven Terminalbereich abgefertigt zu werden und Dinge wie Sicherheits- und Passkontrolle schnell und einfach zu absolvieren. Und auch nach der Landung kann man sich meist die ewig langen Wege und Wartezeiten auf Busse oder Gepäck ersparen. Wäre da nicht der normalerweise unangenehm hohe Preis, würden sich wohl mehr Menschen den Luxus eines Business Jets leisten. 

Bei einer JetClass-Buchung sollen sich die Ticketpreise jedenfalls in einem Bereich befinden, der noch nicht unbedingt zum Privatkonkurs führen muss. Kurze innereuropäische Flüge sind dabei schon ab 390 Euro Oneway zu haben, der Durchschnitt liegt bei 750 Euro. Dabei muss man sich allerdings auf vorgegebene Routen und Reisezeiten beschränken, die dann von Partnerunternehmen beflogen werden – derzeit im Angebot sind Flüge zwischen Zürich und Luxemburg, München und Brüssel sowie zwischen Mailand und Nizza sowie Genf. JetClass agiert dabei wie eine herkömmliche Fluglinie

Für Anbieter und Passagiere interessante Streckenpaare werden dabei von einem Algorithmus bestimmt, bevor das Jetclass-Team entsprechende Flüge auflegt. Diese können entweder über die Website www.jetclass.com oder über reguläre Buchungskanäle wie Kayak, Expedia & Co wie ganz normale Linienflüge erworben werden. „Wir können auch über jedes Reisebüro weltweit gebucht werden, das an alle GDS-Systeme wie zB Amadeus oder Galileo angebunden ist“, erklärte Co-Gründer Vladislav Zenov gegenüber AviationNetOnline. Irgendeine Mitgliedschaft wie bei den bestehenden Membership Clubs sei dabei nicht notwendig. „Wir haben das Beste aus beiden Welten genommen: Von den Airlines das Scheduling, von der Business Aviation den Komfort und Geschwindigkeit“, definierte Ali Wagas, was JetClass ausmacht.

Die Business Aviation ist für die beiden Gründer kein Neuland. Seit Dezember 2013 sind sie mit dem Produkt Charterscanner aktiv – eine Art „Uber für Geschäftsreiseflugzeuge“. Dabei gibt man als potentieller Passagier eine Wunschverbindung ein – das System fragt dann bei diversen (derzeit rund 200!) Anbietern nach und liefert dem Kunden innerhalb kurzer Zeit ein Angebot. Dabei ist man zwar flexibel – muss aber auch jeweils ein ganzes Flugzeug mieten, was den Preis merklich erhöht. Mit der Idee ist Charterscanner jedenfalls laut den beiden Gründern bereits profitabel unterwegs.

Zum Projekt JetClass ist man gekommen, nachdem man sich den Business-Jet-Markt ein wenig genauer angesehen hat. Vor allem die Idee, nicht die ganzen Flugzeuge, sondern lediglich die Sitze zu vermarkten, wie es ja bereits die diversen Membership Clubs betreiben, hat es den beiden Gründern angetan. „Wir haben uns gefragt, ob es Potential gibt, hier etwas zu tun – und sind dann zu dem Schluss gekommen, dass wir etwas machen wollen, bei dem die kommerzielle Luftfahrt mit der Business Aviation verbunden wird“, erklärt Ali Wagas im Gespräch mit AviationNetOnline.

„Rund 90 Prozent der Passagiere werden weltweit auf einem Prozent der Flughäfen abgefertigt. Die Airlines setzen immer mehr auf großes Volumen und Hub-to-Hub-Verkehr – mit den entsprechenden infrastrukturellen Problemen auf den großen Airports. Die Folge: Für die Premium-Passagiere wird es immer schlechter“, so Ali Wagas. „Auf allen größeren Flughäfen gibt es aber eigene Bereiche für Business Jets, die aber die meiste Zeit herumstehen. Im Durchschnitt sind diese Flieger nur 300 Stunden im Jahr unterwegs – technisch gesehen wäre ein Mehrfaches dieser Anzahl möglich. Noch dazu wird sich die Zahl dieser Jets in den nächsten zehn Jahren verdoppeln. Wir haben also Premium-Kunden, die nach Lösungen und Privatjet-Betreiber, die nach Buchungen suchen. So haben wir JetClass geschaffen.“ 

Potentielle JetClass-Strecken werden über einen (naturgemäß geheim gehaltenen) Algorithmus ermittelt. „Wir haben eine Technologie entwickelt, die den Commercial-Aviation-Markt scannt und wissen wie Flieger auf diversen Städtepaaren gebucht sind. Diese Informationen sammeln wir und gleichen sie mit anderen Daten ab“, erklärt Ali Wagas. Dadurch ermittelte und ertragsseitig interessante Strecken – bei denen beispielsweise einige Tage vor Abflug die Business-Class-Preise deutlich teurer werden – nimmt man dann ins System auf. „Kurzfristig gebucht, sind wir dann oft deutlich billiger als die Legacy Airlines“, so Wagas. 

Hinsichtlich der angebotenen Flughäfen will man sich flexibel halten, allerdings hat sich Zürich als besonders gefragter Airport entwickelt. Wien ist zwar bereits im Flugplan aufgeschienen – derzeit findet man vom wichtigsten österreichischen Airport allerdings keine JetClass-Flüge. Als Wiener Startup möchte man den Heimatflughafen allerdings gerne etwas stärker in den Fokus rücken. Interesse zeigen laut den beiden Gründern übrigens auch regionale Airports, die sich bessere Verbindungen wünschen. Dabei hätte man einen Vorteil hinsichtlich des Risikos: „Wenn nicht gebucht wird, fliegen wir auch nicht“, erklärt Vladislav Zenov. Nach der Nachfrage richtet sich auch der Flugzeugtyp. „Wir fliegen Mustang und Phenom – aber auch viele größere Muster. Und es ist auch schon vorgekommen, dass wir mit zwei Flugzeugen parallel gestartet sind“, erklärt Zenov.

Als zusätzliche Erweiterung des Geschäftsmodells sehen die beiden Gründer aber auch Business-Jet-Unternehmen, welche die Technologie hinter JetClass für sich selbst nützen können. Eine entsprechende Zusammenarbeit gibt es bereits mit Surf Air aus Kalifornien, laut den JetClass-Gründern sind auch große Player interessiert. „Sie treten mittlerweile an uns heran und möchten, dass wir ihnen helfen, ihre leeren Sitze zu verkaufen“, freut sich Ali Wagas.

JetClass ist zweifellos eine innovative und interessante Geschäftsidee, die sich an Menschen richtet, denen Komfort und eine unkomplizierte Flugabwicklung wichtig sind – die aber nicht unbedingt Unsummen für einen einzeln gecharterten (oder gar gekauften) Flieger ausgeben wollen. Gerade mit den Very Light Jets – wie etwa der Citation Mustang – bewegen sich auch die Kosten in einem attraktiveren Rahmen. Derzeitiges Manko ist noch der sehr eingeschränkte Flugplan mit gerade einmal fünf Flugpaaren – aber das soll sich in den nächsten Monaten ändern. Bei JetClass denkt man aber bereits weiter: „Die Zukunft wird auch sein, dass wir die künftigen hybriden Jets nutzbar machen wollen“, schaut Ali Wagas bereits mehr als ein paar Schritte voraus.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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