Jaan Albrecht im Gespräch

Der SunExpress-CEO und ehemalige Austrian-Airlines-Vorstandsvorsitzende über den Weg, wie er SunExpress durch die Türkei-Krise führen will.

Jaan Albrecht (Foto: Martin Metzenbauer).

Vier Millionen Deutsche machen normalerweise alleine in der Gegend um Antalya Urlaub. Doch die politischen Entwicklungen und die Sicherheitslage hat das dramatisch geändert. "Derzeit beträgt der Rückgang 39 Prozent", erklärte Jaan Albrecht, Ex-Chef von Austrian Airlines und seit einem Jahr CEO der SunExpress, in Dublin zu Austrian Aviation Net. Der Einbruch bei Gästen aus Russland liegt gar bei 90 Prozent.

Dementsprechend hat SunExpress sein Angebot in die Türkei um 40 Prozent reduziert, die Preise wurden gesenkt, extrem günstige Angebotspakete sollen Gäste anlocken. Damit aus der Türkei-Krise keine Krise bei SunExpress wird, hat die Fluglinie versucht, sehr flexibel zu reagieren. Zahlreiche Flugzeuge wurden nach Deutschland verlegt, von dort wird verstärkt nach Spanien, Italien, Griechenland und Bulgarien geflogen. Das Plus in Bulgarien liege bei 400 Prozent, sagte Albrecht. Möglich ist das, weil SunExpress sowohl für die Türkei wie auch für Deutschalnd die Fluglizenz besitzt. Parallel dazu versucht man, neue Gebiete zu erschließen. Von Kuwait, dem Libanon, dem Iran und von Saudi Arabien aus wird Antalya angeflogen, erklärte Albrecht gegenüber Austrian Aviation Net.

SunExpress fliegt auch für andere Unternehmen - darunter Austrian Airlines (Foto: Andy Graf).

Flugzeuge, die nicht benötigt werden, werden samt Crew verleast (wet lease). Die vier Airbus A330 fliegen Langstrecken für Eurowings, zwei Boeing 737 stehen ebenfalls im Dienst der Lufthansa-Billigtochter, einer fliegt für Austrian zur Linderung des Pilotenmangels. Für Turkish betreibt SunExpress mit 30 Boeing 737 die Billigfluglinie Anadolu Jet. Möglich ist das für SunExpress durch viel niedrigere Kosten als zum Beispiel bei Austrian mit dem neuen Kollektivvertrag, erklärte Albrecht.

SunExpress gehört zu je 50 Prozent Lufthansa und Turkish, beschäftigt 3.700 Mitarbeiter, etwa ein Drittel davon in Deutschland, zwei Drittel in Antalya. Die Flotte besteht aus 73 Boeing 737 und vier Airbus A330. 60 neue Boeing 737 MAX sind bestellt. Je nach Bedarf werden sie alte Boeing 737 ersetzen oder die Flotte vergrößern. 

Als wichtigste Aufgaben in der nahen Zukunft nennt Jaan Albrecht die Erhaltung der Flexibilität, den Aufbau einer neuen Buchungsplattform, Wachstum trotz diversen Krisen und die Professionalisierung der Struktur der Fluglinie.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Seit 2015 leitet er den LG für Wirtschaftsjournalismus in Krems, ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Austrian Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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