Interview mit Peter Bencza

Für den verantwortlichen Sicherheitsbeamten im Innenministerium Oberst Peter Bencza wäre Profiling auf Österreichs Verkehrsflughäfen sicherheitstechnisch "zweifellos ein Gewinn". Bencza gibt aber zu bedenken, dass Profiling mit einem erhöhten Zeit- und Kostenaufwand verbunden sei. Über Körperscanner wolle er erst nachdenken, "wenn sämtliche gesundheitlichen, persönlichkeits- und datenschutzrechtlichen Fragen zufriedenstellend gelöst sind". Bei den Flüssigkeitsbeschränkungen an Bord sagte Bencza gegenüber Austrian Aviation Net, dass 2013 Flüssigkeitsscanner für jegliche Flüssigkeiten, Aerosole und Gele eingesetzt werden sollen.

Foto: AirTeamImages.com

Austrian Aviation Net: Wien hat im letzten Jahr einen Rekordwert bei den Passagierzahlen erzielt. 2011 sollen über 20 Millionen Passagiere abgefertigt werden. Die Sicherheitsschleusen entwickeln sich zum Nadelöhr. Wie können Sicherheitskontrollen verbessert werden, ohne Verzögerungen für Fluggäste zu verursachen?

Peter Bencza: Innerhalb des letzten Jahrzehnts haben sich die Sicherheitskontrollen auf den internationalen Airports tatsächlich enorm geändert. Die Qualität hat sich bedingt durch verbesserte technische Geräte, intensive Ausbildung des Sicherheitskontrollpersonals und einer immer strengere Qualitätskontrolle ganz deutlich gesteigert.
Dieser Umstand (qualitativ hochwertige Sicherheitskontrollen benötigen einen gewissen Zeitrahmen) und die Tatsache, dass sich die Passagierzahlen in den letzten Jahren vervielfacht haben, kann zu Wartezeiten bei Sicherheitskontrollstraßen führen, die sich aber grundsätzlich im Rahmen halten.

Ein wesentlicher Faktor für die Dauer der Sicherheitskontrollen ist die Mitarbeit der Passagiere. Ein gut informierter Passagier unterstützt die Bemühungen um geringe Wartezeiten durch weitgehende Vermeidung notwendiger Nachkontrollen. Gut vorbereitet ist ein Passagier, wenn dieser bereits Flüssigkeiten separat in maximal 100ml-Gebinde in einem durchsichtigen 1l-Plastiksack präsentiert, bereits die Zeit beim Anstellen nützt, um Vorbereitungen zu treffen, Laptops oder größere elektronische Geräte aus dem Handgepäck zu nehmen, Oberbekleidung auszuziehen, metallische Gegenstände (Münzen, Uhren, Gürtel, etc.) vorbereitet, um sie separat in die Plastikboxen zu legen, keine für Handgepäck verbotene Gegenstände mit sich führt.

Dies wurde natürlich auch von den verantwortlichen Stellen erkannt, Passagiere werden immer wieder via Medien, Informationsbildschirmen direkt bei den Sicherheitskontrollstellen, Listen der verbotenen Gegenstände vor den Check-in Schaltern und ähnlichen Maßnahmen informiert.

Austrian Aviation Net: In Deutschland ist eine ideologisch geprägte Debatte über Profiling entbrannt. Abseits jeder Ideologie: Ist diese Art der Sicherheitskontrolle, bei der Passagiere aufgrund von Parametern unterschiedlich genau kontrolliert werden, rein technisch zielführend? Könnte man so die Effizienz erhöhen? Auf Austrian Aviation Net gab es längere Zeit eine Umfrage, bei der sich Profiling-Gegner und Befürworter relativ die Waage halten. Eine Zustimmung wäre also gegeben. Welche Auswirkungen hätte Profiling auf die Passagiere?

Peter Bencza: Profiling ist zweifellos eine wertvolle Maßnahme, um die „technische“ Sicherheitskontrolle zu ergänzen jedoch nicht zu ersetzen. Voraussetzung ist erfahrenes, ganz speziell geschultes Profilingpersonal. Eine eingehende und sinnvolle Befragung von Passagieren erfordert natürlich Zeit, die weit über die derzeitige Dauer der Sicherheitskontrollverfahren hinausgeht. Der Verzicht auf „technische“ Sicherheitskontrollen, wenn Profiling-Maßnahmen durchgeführt werden, würde das Sicherheitsrisiko nicht senken, sondern deutlich erhöhen.

Eine Kombination der beiden Mechanismen wäre zweifellos ein Gewinn, zu bedenken ist jedoch der deutlich gesteigerte zeitliche Mehraufwand und der zusätzliche Kostenfaktor (zusätzliches, qualitativ hochwertig ausgebildetes Personal ist erforderlich).

Profiling wird in Österreich bereits bei bestimmten Flügen, die mit einem erhöhten Risiko verbunden sind, durchgeführt, jedoch immer in Verbindung mit den herkömmlichen Sicherheitskontrollen, in den meisten Fällen sogar mit erweiterten Sicherheitskontrollen.
Die Diskussion über dieses Thema ist auch den verantwortlichen Behörden bekannt, die sich ebenfalls mit der Thematik beschäftigen. Eine punktuelle Erweiterung des bereits derzeit in Österreich bestehenden zusätzlichen Profilings wäre denkbar, eine Ausweitung auf 20 Millionen Passagiere am Flughafen Wien bzw. auf hunderte Millionen Passagiere europaweit ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch kein Thema.

Austrian Aviation Net: In Hamburg, London Heathrow oder in Schiphol werden Körperscanner seit letztem Jahr getestet. Wird es diese Scanner in den nächsten Jahren auch in Österreich geben?

Peter Bencza: Vorerst wird die Entscheidung der Europäischen Kommission abgewartet, ob Security Scanner tatsächlich als eine der möglichen technischen Kontrollmethoden zugelassen werden. Die derzeit auf einigen europäischen Flughäfen eingesetzten Security Scanner dienen der Erprobung, um wertvolle Erkenntnis für den Praxiseinsatz zu sammeln.
Erst wenn Security Scanner von der Europäischen Kommission offiziell zugelassen werden, wird in Österreich die Entscheidung fallen, ob die aktuelle Leistungsfähigkeit der Geräte einen tatsächlichen Mehrwert darstellt. Diese neue Technologie wird erst eingesetzt werden, wenn sämtliche gesundheitlichen, persönlichkeits- und datenschutzrechtlichen Fragen zufriedenstellend gelöst sind.

Austrian Aviation Net: Eine ärgerliche Sicherheitsvorschrift für viele Passagiere ist die Flüssigkeitsbeschränkung. An Scannern, die Flüssigkeiten identifizieren, soll ja bereits intensiv gearbeitet werden. Ab wann wird es in Wien bzw. ganz Österreich wieder möglich sein, eine mitgebrachte Mineralwasserflasche an Bord zu nehmen?

Peter Bencza: Die aktuellen Verordnungen der Europäischen Union bzw. der Europäischen Kommission sehen einen Zweistufenplan vor. 2011 sollen Flüssigkeitsscanner für mitgeführten Flüssigkeiten, die ausschließlich in bestimmten Geschäften auf Drittstaatenflughäfen oder an Bord von Flugzeugen eines „Nicht-EU-Luftfahrtunternehmen“ gekauft wurden, zur Verfügung stehen.

2013 sollen Flüssigkeitsscanner für jegliche Flüssigkeiten, Aerosole und Gele zur Verfügung stehen, wobei noch zahlreiche Überlegungen hinsichtlich der praktischen Umsetzbarkeit erforderlich sind.

Austrian Aviation Net: Richtlinien und Verordnungen der EU-Kommission lassen im Luftverkehr kaum noch Spielraum für Entscheidungen der Mitgliedsstaaten, wie viel Entscheidungskompetenz hat Österreich in Sicherheitsfragen noch?

Peter Bencza: Vorerst ist festzuhalten, dass der harmonisierte Zugang der Europäischen Kommission deutliche Vorteile für den Passagier beinhaltet. Jeder Passagier hat die Rechtssicherheit, dass die luftfahrtsicherheitsrechtlichen Regeln auf allen EU-Flughäfen sowie in der Schweiz, Norwegen und Island gelten.

Außerdem ist erst durch diesen einheitlichen Ansatz gewährleistet, dass auf vielen Flughäfen das One Stop Security-Prinzip zum Tragen kommt. Das bedeutet, dass Transferpassagiere sich beim Umsteigen keiner neuerlichen Sicherheitskontrolle zu unterziehen haben, so sie den sensiblen Teil des Sicherheitsbereichs nicht verlassen.
Die Europäische Kommission hat außerdem in den einschlägigen luftfahrtsicherheitsrechtlichen Verordnungen Ermessenspielräume für die verantwortlichen nationalen Behörden eingebaut. Zusätzlich hat jeder EU-Mitgliedstaat nicht nur die Möglichkeit sondern sogar die Verpflichtung, detaillierte Regelungen anzuordnen.
Dies zeigt deutlich, dass die Entscheidungskompetenz der EU-Mitgliedstaaten in einem bestimmten Rahmen noch immer gegeben ist.

Austrian Aviation Net: Die IATA erwartet in den nächsten vier Jahren weltweit eine Milliarde Passagiere mehr. Wie lässt sich der Passagieransturm der nächsten zehn Jahren aus sicherheitstechnischer Perspektive bewältigen: Gibt es dafür innovative Konzepte?

Peter Bencza: Dieser Entwicklung sind sich auch die verantwortlichen Behörden bewusst. Daher werden intensive Überlegungen hinsichtlich zukünftiger Sicherheitskontrollkonzepte angestellt. Die Industrie arbeitet mit Hochdruck, um qualitativ hochwertiges, schnell arbeitendes technisches Equipment herzustellen. Konzepte, um Sicherheitskontrollstraßen zu beschleunigen (Information an Passagiere, längere Auflegebereiche vor und nach den Röntgengeräten, automatischer Plastikboxrücklauf, u.v.m.) werden auf Praxistauglichkeit überprüft.

Austrian Aviation Net: In Frankreich haben es Journalisten geschafft, eine Pistole an Bord eines Flugzeugs zu schmuggeln. Erst vor kurzem gab es einen Terroranschlag auf einen Flughafen in Moskau. Kann es hundert prozentige Sicherheit jemals geben?

Peter Bencza: Insbesondere seit den Terroranschlägen am 11.09.2001 wurden gewaltige Anstrengungen unternommen, um die Sicherheit der Zivilluftfahrt zu verbessern.
Alle Elemente der Luftfahrtsicherheit wurden hinsichtlich möglicher Schwächen analysiert.
Sicherheitskontrollen reduzieren sich mittlerweile nicht mehr nur auf Passagiere und deren Handgepäck, verpflichtende Sicherheitskontrollen gibt es mittlerweile auch für Flughafenpersonal, Crews, aufgegebenes Gepäck, Fracht, Post, Bordvorräte, Flughafenlieferungen, etc. Mit diesem komplexen Zugang ist Europa Vorreiter in Sachen Luftfahrtsicherheit.

Zusätzlich wurden die Qualitätskontrolle intensiviert, Schulungsmodule verbessert und die technische Entwicklung vorangetrieben.

Ohne Übertreibung kann man behaupten, dass sich sämtliche Elemente der Luftfahrtsicherheit in den letzten Jahren qualitativ enorm verbessert haben. Trotz aller Bemühungen sind selbst hochtechnischen Geräten Grenzen gesetzt. Außerdem können menschliche Fehlleistungen hinsichtlich Ausführung oder Interpretation der eingesetzten technischen Geräte kaum ausgeschlossen werden.

Autor: Roman Payer
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