InterSky-Chefin Renate Moser im Interview

InterSky unterzeichnete am Donnerstag den Kaufvertrag für zwei brandneue ATR 72-600. AANet sprach mit InterSky-Gründerin und -Chefin auf der ILA in Berlin über die Airline, ihre persönliche Zukunft und Turbopropflugzeuge.

InterSky-Gründerin Renate Moser (Foto: InterSky)

Die österreichische Regionalfluglinie InterSky mit Firmensitz in Bregenz unterschrieb vergangenen Donnerstag im Rahmen der ILA in Berlin den Kaufvertrag für zwei neue ATR 72-600. AANet sprach mit InterSky-Gründerin und -Geschäftsführerin Renate Moser.

Austrian Aviation Net: Was unterscheidet InterSky von der ehemaligen Rheintalflug Ihres Ehemanns Rolf Seewald?

Renate Moser: Nicht wirklich viel. Die Struktur war bis vor etwa einem Jahr sogar sehr identisch. Rheintalflug war bis zum Verkauf an Austrian Airlines ein Familienunternehmen und die InterSky war es auch. Heute besteht der wesentliche Unterschied darin, dass wir bei InterSky Investoren haben und mit diesen schneller wachsen können, aber die Einstellung zur regionalen Luftfahrt war und ist die gleiche.

AANet: Warum hat Ihr Sohn, Claus Bernatzik, das Unternehmen verlassen?

Renate Moser: Wir haben Ende 2010 zum ersten Mal in der Firmengeschichte Verluste geschrieben. Diese sind auch durch Managementfehler entstanden. Rolf Seewald und ich haben daraufhin die Geschäftsleitung wieder übernommen.

AANet: Geht es hier auch um eingestellte Regionalstrecken wie Friedrichshafen-Köln?

Moser: Leider ja. Nach dem Markteintritt von Germanwings sind die Buchungszahlen interessanterweise erst nach den Sommerferien sehr stark eingebrochen. Da war praktisch nichts mehr da. Wir sind viel zu lange auf der Strecke geblieben und hätten diese schon früher einstellen sollen.

AANet: Die Stecke Graz-Berlin hingegen wurde rechtzeitig eingestellt?

Moser: Diese haben wir schweren Herzens an Air Berlin abgegeben. Es macht keinen Sinn mit einer Airline, die eine Marktmacht wie Air Berlin hat, in den Wettbewerb zu treten.

AANet: Wo sehen Sie Air Berlin in zwei Jahren?

Moser: Air Berlin ist die zweitgrößte Airline Deutschland und hat schon vor längerem mit der Restrukturierung begonnen. Viele Prozesse die bei Lufthansa jetzt durchlaufen werden müssen hat Air Berlin schon hinter sich. Die Probleme von Air Berlin und Lufthansa sind ähnlich. Allerdings hat Air Berlin mit Etihad nun einen großen Partner, der mit Air Berlin den Zugang zum europäischen Markt erhält. Durch eine vollständige Übernahme der Air Berlin durch Etihad würde dieser Vorteil verloren gehen. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass die Selbständigkeit von Air Berlin jemals aufgegeben wird. Sowohl Air Berlin als auch Lufthansa reduzieren gerade alle „Nicht-Hub-Strecken“ und hier bietet sich für regionale Airlines wie InterSky eine große Chance.

AANet: Sie übernehmen Strecken von Air Berlin?

Moser: Ja, und zwar in Form von Zubringerverkehren zum Beispiel von Friedrichshafen nach Berlin oder Düsseldorf.

AANet: Die Strecke Hamburg-Karlsruhe haben Sie von Air Berlin vollständig übernommen. Hier bekommen Sie schon vor dem ersten Abflug Konkurrenz durch OLT. Welchen Vorteil hat InterSky gegenüber OLT?

Moser: In Karlsruhe/Baden-Baden wird ein Q300-Turboprop stationiert. Dieser hat gegenüber der von OLT Express angekündigten Fokker 100 zwar weniger Sitzplätze, jedoch deutlich geringere Betriebskosten. Ich sehe hier sehr gute Chancen für InterSky. Wir können die Strecke auch drei bis vier mal am Tag  bedienen und bieten damit speziell Geschäftsreisenden eine hohe Flexibilität. Die Strecke ist so geplant, dass sich in Hamburg unsere Flugzeuge einmal am Tag treffen, so dass ein Abtausch möglich ist. Wir richten unsere Aufmerksamkeit sehr stark auf Hamburg, denn hier tut sich eine große Lücke auf: Air Berlin zieht sich nach und nach zurück und ein Lufthansa-Hub existiert dort auch nicht.

AANet: Wird sich das finanziell rechnen?

Moser: Ab Jänner werden wir auf jeden Fall fliegen und dann werden wir sehen. OLT wirbt zwar mit günstigeren Preisen, aber die Frage ist wie lange die das machen können. Wenn wir die Strecke nicht rentabel betreiben könnten, würden wir uns zurückziehen und ich nehme an, dass wenn OLT die Strecke nicht rentabel betreiben kann, werden auch sie sich zurückziehen. Unser Turboprop hat gegenüber der Fokker 100 den Vorteil der niedrigeren Betriebskosten und des geringen Treibstoffverbrauchs.

AANet: Warum haben Sie früher bei Rheintalflug auf Jets gesetzt und heute sind bei Ihnen Turboprops angesagt?

Moser: Damals kostete der Treibstoff nicht einmal die Hälfte und man konnte auch kleine Regionaljets gewinnbringend betreiben. Der Kunde bevorzugt natürlich einen Jet, aber auch nur zu einem vernünftigen Preis. Niemand wird wesentlich mehr dafür bezahlen nur damit man in einem Jet sitzen kann. Die Frage der 50-Sitzer-Jets hat sich durch die hohen Treibstoffpreise praktisch erledigt und solche Jets sind derzeit sogar schwer verkäuflich. Die Turbopropflugzeuge erleben im Regionalflugverkehr ein richtiges Comeback, weil man diese wirtschaftlich betreiben kann.

AANet: Der Nachbarflughafen Ihrer Homebase hat sich einen Embraer 170 zugelegt und bietet in Eigenregie Flüge nach Wien an. Welche Auswirkungen hatte das auf InterSky?

Moser: Ich war überrascht als ich das erfahren habe und konnte mir einfach nicht vorstellen, dass der Flughafen Altenrhein wirklich selbst Flüge anbietet, auch wenn Peoples Vienna Line ein gutes Produkt anbietet. Der Vertrag mit Austrian Airlines ist gekündigt, dieser bringt dem Flughafen angeblich rund 3,5 Millionen Euro im Jahr ein. Es wird sich zeigen, ob Peoples mit dem Embraer-Jet diese 3,5 Millionen selbst einfliegen kann. Der E170 von Peoples wird derzeit in Wien bei Fly Niki gewartet und deswegen steht das Peoples-Flugzeug auch einige Stunden in Wien. Sollte Niki die Embraer ausflotten, ändert sich diese Situation für den Flughafen Altenrhein. Natürlich hatte das Überangebot in Altenrhein mit bis zu drei täglichen Austrian-Airlines-Flügen und bis zu drei Peoples-Flügen auch Auswirkungen auf unsere Buchungszahlen. Wir haben unsere Kapazitäten nach Wien daher auf den Mittagsflug reduziert, denn da fliegt zirka sechs Stunden nichts ab Altenrhein. Das funktioniert gut und unsere Buchungszahlen sind steigend. Natürlich würden wir gerne wieder öfters nach Wien fliegen, aber mit den sechs täglichen Abflügen von Altenrhein nach Wien wäre das im Moment nicht wirtschaftlich durchzuführen.

AANet: Dazu kommt noch die Luftverkehrssteuer in Friedrichshafen. Konnten Sie diese an Ihre Kunden durchreichen?

Moser: Die gibt es zum Beispiel in Altenrhein nicht und man kann nicht immer alles an den Kunden weiterreichen. Im Geschäftsreisegeschäft haben wir die Luftverkehrssteuer nicht so stark gespürt, im Städtereisen- und Leisuregeschäft hingegen gab es einen spürbaren Rückgang. Noch schlimmer wird aber der Emissionshandel. Das ist ein europäischer Alleingang und der betrifft alle europäischen Airlines. Das wird noch zu Problemen führen, wenn es so kommt wie es momentan geplant ist. Die großen Airlines aus Asien und Amerika laufen Sturm gegen diese Regelung und drohen den europäischen Fluglinien Landerechte zu entziehen.

AANet: Sie haben sich vor einigen Jahren sehr um die Erhaltung des Flughafens in Tempelhof bemüht. Angenommen der Flughafen BER verzögert sich noch weiter und unwahrscheinlicher Weise nimmt die Flughafengesellschaft den Zentralflughafen wieder in Betrieb. Würden Sie wieder umziehen?

Moser: Das ist heute eine ganz andere Problematik, denn wir erbringen für Air Berlin Zubringerdienste. Ich habe mich für die Offenhaltung von Tempelhof sehr eingesetzt und war auch die Galionsfigur der Befürworter. Durch den Einsatz meiner Mitstreiter und mir wurde Tempelhof auch länger offen gehalten und war für die damalige InterSky auch der perfekte Flughafen. Wir haben Tempelhof schweren Herzens verlassen, aber heute wäre das davon abhängig wo der Air-Berlin-Hub ist. Es wäre sehr schön, wenn man Tempelhof wieder in Betrieb nehmen würde, aber das ist leider nur ein Wunschtraum.

AANet: Seit dem Einstieg von Hans-Rudolf Wöhrl ist InterSky kein Billigflieger mehr?

Moser: Wir sind eine regionale Airline, die Flüge zu günstigen und vernünftigen Preisen anbietet. Hans-Rudolf Wöhrl ist der gleichen Meinung wie wir selbst es auch schon waren: Man kann mit 50/70-Sitzern keine Billigpreise wie mit einem 150-Sitzer anbieten. Auf vielen Strecken rechnet sich jedoch ein großes Flugzeug nicht, deshalb bieten wir faire Preise und ein gutes Gesamtprodukt für den Passagier an.

AANet:
Wie gestaltet sich die Personalsuche für die beiden neuen ATR 72?

Moser:
Wir bekommen Bewerbungen aus dem Umkreis von über 500 Kilometern. Jeden Tag kommen zwischen zehn und fünfzehn Pilotenbewerbungen bei uns an. Der Effekt hängt sicherlich auch damit zusammen, dass wir die Einflottung nagelneuer ATR 72 öffentlich angekündigt haben. Das Personal in Karlsruhe/Baden-Baden wird überwiegend aus der dortigen Region kommen.

AANet:
Welche Vision haben Sie im Bezug auf InterSky?

Moser: Mit dem Kauf der beiden neuen ATR 72 ist meine Vision schneller als erwartet wahr geworden. In Kürze werden wir weitere neue Flugzeuge bekommen und kontinuierlich wachsen. Mein persönlicher Traum für InterSky geht damit in Erfüllung.

AANet: Wie sind Sie eigentlich zur ILA gekommen?

Moser: Mit meiner eigenen Airline natürlich. Wir fliegen drei mal täglich von Friedrichshafen nach Berlin. Ich bin mit der Morgenmaschine gekommen und werde mit der 14-Uhr-Maschine wieder nach Hause fliegen. Es freut mich immer sehr, wenn ich auf diesen Flügen mit unseren Fluggästen auch persönlich in Kontakt komme.

AANet: Freut es Sie auch, wenn Sie auf dem Bodensee segeln? Wann haben Sie zuletzt Zeit dafür gefunden?

Moser:
Selbstverständlich. Das letzte Mal war ich vor rund 14 Tagen auf dem Bodensee zum Segeln und es war wirklich herrlich. Noch schöner war es in Elba. Heuer war ich schon vier Mal auf Elba zum Segeln, Schwimmen, Radfahren und köstlich essen. Wunderschön.

AANet: Denken Sie da nicht manchmal auch ans Aufhören? Wann werden Sie aus der Firma endgültig aussteigen?

Moser: Durch die Zusammenarbeit mit Peter Oncken habe ich neue Kraft und neuen Mut geschöpft. Die Zusammenarbeit ist so gut, dass wir richtigen Spaß bei der gemeinsamen Arbeit haben. Peter hat bei der Intro Aviation auch noch andere Portfolios so dass er maximal zwei bis drei Tage in der Woche in Bregenz ist. Ich bin immer vor Ort und für die Mitarbeiter und das Tagesgeschäft da. Peter Oncken und ich unterschreiben sämtliche Verträge gemeinsam. Ich werde sicherlich noch zwei bis drei Jahre in der Firma bleiben und dann suchen wir einen Nachfolger der möglichst aus den eigenen Reihen kommt. Mein Ehemann Rolf Seewald hält 25,1% an InterSky und kann diese abgeben wann er möchte. Es wurde bereits mit Peter Oncken und Hans-Rudolf Wöhrl ein Kaufpreis vereinbart und ob und wann Rolf seine Verkaufsoption zieht ist seine Sache. Wie bereits gesagt werde ich auf jeden Fall noch einige Zeit dabei sein und dann wird man sehen. Wir sind kein Familienunternehmen mehr, sondern ein Zweifamilienunternehmen geworden. Was kann man sich besseres für sein Lebenswerk wünschen?

AANet: Vielen Dank für das Gespräch, Frau Moser.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

    Special Visitors

    YYA Management / M-USIK
    Rhein-Neckar Air / MHS Aviation / D-CIRP
    Ethiopian Airlines / ET-AUC
    Turkish / TC-JRO
    Ethiopian Airlines / ET-AUC
    Ethiopian Airlines / ET-AUC
    Royal Air Force (RAF) - UK / ZE700

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Jan Gruber

    Michael Csoklich

    Robert Hartinger

    Christoph Aumüller