IATA-Meeting: Kundenfokus statt Wachstum

Wozu braucht man eigentlich noch Allianzen von Fluggesellschaften? Diese Frage stellen sich zunehmend die 3 großen Flugallianzen, One World, Sky Team und Star Alliance. Alle drei haben in Sydney eingeräumt, dass es mit dem Wachstum eigentlich vorbei ist. Denn es gibt weltweit kaum mehr Fluglinien, die noch nicht in einer Allianz sind, dieser über Größe und Bedeutung ihres Netzwerks der Allianz aber einen Vorteil bringen. Jetzt wollen sie sich vermehrt den Kundenwünschen widmen. Aus Sydney Michal Csoklich.

Fotos: Michael Csoklich.

Ursprünglich dienten Allianzen dazu, sich mit Partnern so zu vernetzen, dass man zusammen alle wichtigen Gebiete weltweit abdecken und so Passagiere an sich binden kann. Darüber hinaus wollte man auch Produkte vereinfachen und vereinheitlichen, und über gemeinsame Entwicklungen und Bestellungen beim Einkauf billiger werden. Das erste Ziel ist mehr oder weniger ausgereizt, beim zweiten Ziel ist man nie wirklich weit gekommen. 20 und mehr Fluglinien unter einen Hut zu bekommen, ist eben schwierig. Wir kennen das von der EU.

One World ( mit American Airlines und British Airways an der Spitze) hat angekündigt, künftig durch die Aufnahme regionaler Partner (noch) wachsen zu wollen, sogenannte One World connect Partner. Diese Partner müssen von mindestens drei Allianz-Mitgliedern („Sponsoren“) unterstützt und gefördert werden. Nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten wie Pilotenausbildung oder Hilfe bei der Infrastruktur. Darüber hinaus räumen die „Sponsoren“ dem connect-Partner Zugang zu Meilenprogrammen und Lounges ein und ermöglichen das Durchchecken von Gepäck. Die anderen Mitglieder können, müssen sich diesem Programm aber nicht anschließen. Eine Art Teilmitgliedschaft also. Als erster connect-Partner wurde hier bei der IATA- Jahrestagung Fiji Airways vorgestellt. Als „Sponsoren“ fungieren die Gründungsmitglieder von One World, American Airlines, British Airways, Cathay Pacific und Quantas. Für die Touristeninsel im Pazifik ist diese neue Partnerschaft jedenfalls eine wichtige, stärkere Anbindung an das internationale Flugnetz.

Star Alliance (mit u.a. Lufthansa, United Airlines und Singapore Airlines) hat diese regionalen Partnerschaften schon länger. Den Abschied vom weiteren Wachstum der Allianz hat Star Alliance CEO Jeffrey Goh hier in Sydney trotzdem angekündigt. „Größe und Wachstum sind nicht alles für eine Allianz.“ Statt dessen will die Allianz künftig den Fokus auf die Kunden, die Passagiere richten. Fliegen soll für sie einfacher werden. Vom Check in, über die Gepäckaufgabe, bessere Information bis zum Meilensammeln. Derzeit wird daran gearbeitet, dass Passagiere, die mit verschiedenen Fluglinien von A nach B unterwegs sind, bei nur einer Fluglinie alle Flugstrecken einchecken und ihre Sitzplätze reservieren können. Eine Serviceplattform für alles, so das Motto. Klingt einfach, ist aber sehr kompliziert. Denn es muss nicht nur die Technik harmonisiert werden, sondern auch die möglichen Check in Zeiten. Dazu muss geklärt werden, was passiert, wenn bei einer Fluglinie die Reservierung etwas kostet, oder wenn der Flug ausfällt oder der Flugzeugtyp gewechselt wird. 2019 soll diese Plattform, dieser one stop shop, einsetzbar sein.

Die Allianz Skyteam geht den gleichen Weg wie Star Alliance. Eine neu entwickelte Technologie soll die unterschiedlichen Standards der Mitgliedsgesellschaften (allen voran Air France, KLM und Delta Airlines) überbrücken. Damit sollen Passagiere, die mit mehreren Fluggesellschaften fliegen, künftig auf nur einer Webseite einchecken und ihren Sitzplatz wählen können. Das sei der überwiegende Wunsch der Kunden gewesen, wird betont. Skyteam hat seit heute mit Kristin Colvile eine Frau als CEO an der Spitze. Sie kommt von Delta Airlines und hat mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Luftfahrt.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Seit 2015 leitet er den LG für Wirtschaftsjournalismus in Krems, ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Austrian Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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