IATA: Karibisches Krisentreffen

Im mexikanischen Cancun trifft sich die IATA - die 83 Prozent des Weltluftverkehrs repräsentiert - zu ihrem jährlichen Meeting. An schwierigen Themen, die es zu besprechen gibt, mangelt es gerade heuer nicht.

Foto: Michael Csoklich

Schon ohne die jüngsten Ereignisse hätten die Airline-Chefs hier in Cancun auf der Halbinsel Yucatan in Mexiko viel zu besprechen. Allen voran das Kostenthema und die Frage, wie das Fliegen, wie eine Flugreise für die Passagiere einfacher und angenehmer gemacht werden kann. Beginnend beim Check in bis hin zu einem wesentlichen Punkt der Bequemlichkeit, dass nämlich das Gepäck bis zum Zielpunkt durchgecheckt werden kann. Vieles wird da nämlich durch die von Fluglinie zu Fluglinie unterschiedlichen Prozesse und IT-Systeme sowie die unterschiedlichen Allianzen verhindert. Den Passagier aber interessieren die Pozesse dahinter wenig, er will einfach und bequem von A nach B kommen. Da gibt es viel zu tun, gilt der Flugverkehr doch als ein wichtiger Treiber des weltweiten Tourismus.

Doch andere Themen und Ereignisse werden das jährliche Meeting der 275 IATA Mitglieder (diese repräsentieren 83 Prozent des Weltluftverkehrs) ab Sonntag Mittag überschatten.

Da ist einmal der von US-Präsident Donald Trump verkündete Ausstieg der USA aus dem Klimaschutzabkommen. In Folge des Abkommens von Paris hat sich ja der internationale Luftfahrtverband ICAO auf einen Plan zur zuerst freiwilligen, dann verpflichtenden Reduzierung des CO2 Ausstoßes durch die Luftfahrt geeinigt. CORSIA heißt dieser Plan, und Experten sind sich einig, dass er und das Pariser Klimaabkommen aneinander hängen. Scheitert das eine, könnte also auch das andere, mühsam ausverhandelte, Abkommen Makulatur werden. Luftfahrt ist zu global, um die US-Fluglinien aus dem Reduktionsprogramm einfach herausnehmen zu können.

Ein Thema, das gerade angesichts des geplanten Ausstieges der USA aus dem Pariser Abkommen aktueller denn je wird, ist der Klimaschutz (Foto: Martin Metzenbauer).

Der nächste Punkt, der die Airlinechefs sehr beschäftigen wird, ist das Thema IT-Sicherheit. An sich ein latentes Thema, wurde es durch den jüngsten Computerausfall bei British Airways wieder in den Fokus gerückt. Kaum eine Branche ist so vernetzt und so abhängig von funktionierender IT wie die Luftfahrt. Sicherheit ist oberstes Gebot, generell und besonders gegen alle möglichen kriminellen Attacken. Da wird viel unternommen und investiert.

Ein wunder Punkt ist auch das Verbot der US- und UK-Behörden für Fluglinien aus einer Reihe von Staaten, von der Türkei über die Golfregion bis Ägypten, Laptops und Tablets an Bord verwenden zu dürfen. Das Einsammeln der Geräte vor dem Abflug und das Bereitstellen von Ersatzgeräten für Businessclass Passagiere verursacht hohe Kosten, vom Ärger der Passagiere ganz abgesehen. Und noch ist die Gefahr nicht gebannt, dass auch europäische Fluglinien mit diesem Laptop Bann belegt werden. Das könnte die Branche ins Chaos stürzen. umso mehr, als US-Fluglinien davon interessanterweise nicht betroffen sind.

Bei all diesen beherrschenden Themen verkommt der Punkt Überbuchung zur Nebensächlichkeit. Auch wenn der CEO von United Airlines, Oscar Munoz, hier in Cancun auftreten wird. United ist ja durch das Hinauszerren eines Passagiers aus dem Flugzeug durch die Polizei und die wenig professionelle Medienarbeit in diesem Zusammenhang weltweit ins Rampenlicht der Öffentlichkeit geraten.

Die etablierten Airlines reagieren auf die Billigflieger-Ambitionen auf der Langstrecke - so beispielsweise die International Airlines Group mit der Gründung von Level (Foto: IAG).

Last not least beschäftigt die Mitglieder der IATA die starke Veränderung des Luftfahrtgeschäfts generell. Weiter schießen neue Low Cost Carrier aus dem Boden, vor allem in Mittel- und Südamerika sowie Asien. Und bestehende, wie Ryanair, beginnen mit Langstreckenflügen und Umsteigeverkehr. Norwegian expandiert kräftig, und fliegt von Rom aus Langstrecke in die USA, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Lufthansa, Air France und British Airways reagieren mit dem Ausbau bzw. der Gründung eigener Billigfluggesellschaften. Die Unsicherheit vieler Fluggesellschaften über die Entwicklung in der Zukunft steigt. Das drückt sich auch darin aus, dass sie Bestellungen von Großraumflugzeugen entweder nicht mehr oder nur spärlich tätigen oder dass sie die Auslieferung bestellter Flugzeuge nach hinten verschieben.

Das sogenannte AGM, Annuel General Meeting, der IATA hier in Cancun wird so in Wahrheit fast zu einer Art Krisentreffen. Es wird in all diesen Fragen wenig konkrete Lösungen bieten können. Es wird aber, nicht zuletzt durch die vielen auch informellen Treffen der branchenführenden CEOs Abstimmungen ermöglichen und Lösungsansätze aufzeigen. Mögen das karibische Klima und die karibischen Farben des Meeres ihren Teil dazu beitragen.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Seit 2015 leitet er den LG für Wirtschaftsjournalismus in Krems, ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Austrian Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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