IAG will Norwegian als Snack verspeisen

BA-Mutterkonzern kaufte sich in Norwegen über die Börse ein und rechnet eine Komplettübernahme durch.

Boeing 787 (Foto: Norwegian Air Shuttle).

Nachdem die seitens der International Airlines Group geplante Übernahme der einstigen Air-Berlin-Tochter Niki sprichwörtlich in die Hose ging, wirft der spanisch-britische Konzern nun ein Auge auf Norwegian Air Shuttle. Eine Minderheitsbeteiligung von 4,61 Prozent wurde bereits erworben.

Dieser Mini-Anteil ist nicht berichtspflichtig, so dass es der IAG möglich war die Aktien ohne Pflichtinformationen zu erwerben. Der Zweck ist - so die Unternehmensgruppe - die Verbesserung der Verhandlungsposition für eine mögliche Komplettübernahme von Norwegian Air Shuttle inklusive aller Tochtergesellschaften.

Der Nachrichtenagentur Bloomberg News gelang es die International Airlines Group aus der Reserve zu locken und zum Versand einer Reaktion zu bewegen. Bloomberg berichtete unter Berufung auf eine mit der Sache vertraute Person, dass die IAG beabsichtige Norwegian inklusive ihren Schulden, die mir rund 2,4 Milliarden Euro kolportiert werden, zu übernehmen.

Das "Übernahmeobjekt" will von nichts gewusst haben und sprichwörtlich aus der Zeitung erfahren haben, dass die International Airlines Group einen Kauf vorbereite. Laut einem Sprecher habe man von nichts gewusst und stehe mit der IAG auch in keinen Verhandlungen. Jegliche weitere Stellungnahmen wurden seitens Norwegian Air Shuttle abgelehnt.

Konkreter ist da natürlich die International Airlines Group: Man bestätigt Pläne zu einer Übernahme und bezeichnet einen möglichen Kauf von Norwegian Air Shuttle auch als interessantes Investment, betont jedoch, dass eine finale Entscheidung noch nicht gefallen wäre. Auch habe man noch kein Offert gelegt oder gesprochen, wohlaber einen 4,61-prozentigen Aktienanteil über die Börse gekauft. Daher hat man es seitens der IAG auch besonders wichtig zu betonen, dass die aktuelle Aussendung lediglich informativ wäre und kein verbindliches Übernahmeangebot an andere Aktionäre darstelle.

Die International Airlines Group könnte - abgesehen von kartellrechtlichen Fragen - durchaus auch im großen Stil Aktien ankaufen und so nach und nach Norwegian Air Shuttle übernehmen. Das norwegische Luftfahrtunternehmen, das an der Börse Oslo notiert ist, hat darauf nur wenig bis gar keinen Einfluss. Die IAG müsste sich lediglich entweder über die Börse oder aber in direkten Verhandlungen mit den Aktionären handelseinig werden.

Allerdings ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein Deal dieser Größenordnung in Form einer so genannten feindlichen Übernahme durchgezogen wird. Seit längerer Zeit halten sich äußerst hartnäckig Gerüchte, dass die finanzielle Lage von Norwegian zumindest nicht so sein soll, dass die Airline ihr Geld sprichwörtlich aus dem Fenster schmeißen könnte.

Die IAG dürfte insbesondere an den durchaus gut eingeflogenen Langstreckenverbindungen von Norwegian Air Shuttle interessiert sein. Gleichzeitig würde man auf der Kurzstrecke ab Europa durchaus die Marktposition bedeutend verbessern und sich sogar in Argentinien ins Inlandsgeschäft einkaufen. Aufgrund der Größe der IAG, aber auch von Norwegian Air Shuttle, ist jedoch anzunehmen, dass die EU-Kommission und nationale Wettbewerbsbehörden eine mögliche Komplettübernahme sehr genau prüfen würden.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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