Hans Rudolf Wöhrl zeigt Interesse an Germania

Kritik an deutscher Bundesregierung und Lufthansa.

Hans Rudolf Wöhrl (Foto: privat).

Der ehemalige Luftfahrtunternehmer Hans Rudolf Wöhrl erklärte in einem Statement zur Germania-Pleite, dass es "schön wäre, wenn es doch noch eine Zukunft für Germania gäbe." Weiters könnte er es sich "grundsätzlich vorstellen bei einem solchen Projekt mitzuwirken".

Kritik übt er allerdings an der deutschen Bundesregierung und Lufthansa: "Dass die Regierung, anders als bei Air Berlin, nichts zum Erhalt von Germania unternommen hat, ist für uns ein Indiz dafür, dass es seitens der Lufthansa Gruppe keine Notwendigkeit mehr gibt, große Teile einer Airline zu übernehmen, um die eigene Position weiter zu stärken. Bemerkenswert und bedauerlich ist, dass es wahrscheinlich nur eines Überbrückungskredites bis Mai bedurft hätte, um mit dem Sommerflugplan in die Gewinnzone zu fliegen."

Hans Rudolf Wöhrl und Germania standen in der Vergangenheit häufig in Geschäftsbeziehungen. So betrieb der Berliner Carrier noch unter der Geschäftsleitung des Firmengründers Dr. Hinrich Bischoff zahlreiche Fokker 100 und Boeing 737 im Rahmen von ACMI-Verträgen für DBA, die damals mehrheitlich Wöhrls Intro-Gruppe gehörte. Kurzzeitig übernahm Dr. Bischoff sogar die Mehrheit an Wöhrls Carrier, jedoch wurde der Deal nur kurze Zeit später wieder rückgängig gemacht. Die Deutsche BA wurde - samt dem Germania-Wetlease - von Air Berlin unter Joachim Hunold übernommen und integriert.

Wöhrl dazu: "Der Gründer von Germania, Herr Hinrich Bischoff, war ein langjähriger Freund und zeitweiliger Partner von mir. Aus diesem Grund verband und verbindet mich eine große Sympathie für diese Airline. Da die Intro Consulting GmbH Spezialaufträge im IT-Bereich, auch für Germania durchgeführt hat, unterliegen wir der Verschwiegenheitspflicht und bitten um Verständnis, dass wir keine Stellungnahmen zu den Hintergründen abgeben können."

Dennoch ist der ehemalige Luftfahrtunternehmer sich sicher, dass es nun durch den Marktaustritt der Germania zur Verschärfung der Monopolsituation auf vielen Routen kommen wird: "Wir bedauern die Einstellung des Flugbetriebes sehr, denn Germania war mit ca. 30 Flugzeugen die letzte große, unabhängige deutsche Fluggesellschaft. Mit dem Verschwinden von Germania ist, wie schon von uns im Zusammenhang mit dem Verschwinden der Air Berlin prognostiziert, nur noch auf wenigen Strecken ein Wettbewerb vorhanden."

Hans Rudolf Wöhrl stieg vor einiger Zeit bei der von ihm gegründeten Intro Aviation GmbH aus. Die genannte Gesellschaft wird von seinem Schwiegersohn Peter Oncken fortgeführt. Ein rechtlicher Zusammenhang zwischen Intro Aviation GmbH und Intro Consulting GmbH besteht daher nicht mehr. Früher hielt Wöhrl seine Airline-Beteiligungen, beispielsweise DBA, LTU, InterSky und CityJet über Intro Aviation. Die Firma von Peter Oncken befindet sich momentan in Übernahmegesprächen mit Tui bezüglich der französischen Airline Corsair, während Wöhrl derzeit keine öffentlich bekannten Beteiligungen an Fluggesellschaften hält.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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