Gutachten: Etihad haftet für Air Berlin

Sachwalter Lucas Flöther treibt Geld bei Etihad Airways ein.

Boeing 787-9 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Für Air-Berlin-Großaktionär Etihad Airways könnte die nicht eingehaltene Finanzzusage, die im August 2017 zur Insolvenz der Beteiligung führte, heftige Folgen haben. Gar die Pfändung von Flugzeugen auf deutschem Boden droht dem Golfcarrier.

Air-Berlin-Sachwalter Lucas Flöther leistet im Sinne der Gläubiger offenbar bislang öffentlich noch nicht bekante Spitzenleistungen, denn laut Informationen der Berliner Zeitung prüfte er Haftungsansprüche gegen Etihad Airways und vom Gläubigerausschuss soll es dafür am Dienstag schon grünes Licht gegeben haben. Kurz gesagt: Der Golfcarrier wird zur Kasse gebeten.

Der Hintergrund ist simpel: Etihad Airways soll sich vertraglich zu gewissen Zahlungen an Air Berlin verpflichtet haben. Der Konzern bekannte sich Anfang des Jahres auch noch öffentlich zum mittlerweile insolventen Carrier und betonte, dass man diesen bis mindestens Ende 2018 unterstützten werden. Doch schon im Sommer 2018 wollte der Golfcarrier, der angeblich selbst unter einem von dessen Eigentümern abgedrehten Geldhahn leidet, davon nichts mehr wissen. Die Folgen sind bekannt: Air Berlin, Niki und Belair sind am Ende. Ganz nebenbei traf es auch die ehemalige "Etihad Regional".

Die Sache dürfte für Etihad unter Umständen noch dicker kommen und könnte sogar ein Fall für den Staatsanwalt werden, denn Air Berlin wäre schon im April 2017 behördlich der Stecker gezogen worden, wenn da nicht Großaktionär Etihad Airways gewesen wäre, der sich schriftlich verpflichtete die Finanzierung von Air Berlin bis Ende 2018 sicherzustellen. Andernfalls hätte KPMG als Konzernabschlussprüfer keinen Prüfvermerk und keine positive Fortführungsprognose auf die Bilanz der Air Berlin gegeben. Die Folge wäre das Aus der Air Berlin gewesen.

Doch schon damals äußerte KPMG - wie sich nachträglich herausstelle äußerst berechtigt - Zweifel daran, dass Air Berlin ohne eine versprochene 300-Millionen-Euro-Geldspritze von Etihad Airways, die dem Vernehmen nach zum Zeitpunkt der Prüfung noch gar nicht ausbezahlt war, überhaupt überlebensfähig ist. Dies wurde gar verneint.

Air Berlin erhielt eine schriftliche Finanzierungszusage und damit eine Art Haftungszusage, die bis Ende 2018 befristet ist, von Etihad Airways ausgestellt. Auf Grundlage dieser war die Fortführung von Air Berlin möglich, jedoch nur wenige Wochen später war das Papier in den Augen von Etihad Airways das Papier nicht mehr wert.

So leicht wird sich Etihad Airways jedoch nicht den finanziellen Zusagen entziehen können, denn laut Berliner Zeitung geht aus einem 43-seiten starken Rechtsgutachten, das Sachwalter Lucas Flöther in Auftrag gegeben hat, hervor, dass Etihad Airways dafür haftbar gemacht werden kann. Flöther ging sogar ganz auf Nummer sicher und beauftragte einen Hamburger Rechtsexperten, möglicherweise auch um, eventuelle regionale Emotionen ausschließen zu können.

Die Berliner Zeitung zitiert aus dem Gutachten: "Bei Anwendung deutschen Rechts ergibt sich die Auslegung des Comfort Letter, dass er eine rechtsverbindliche Ausstattungs- und Finanzierungsverpflichtung der Etihad Airways PJSC und einen damit korrespondierenden Austattungsanspruch der Air Berlin PLC erhält."

Dieses Rechtsgutachten eröffnet den Gläubigern von Air Berlin ganz neue Aussichten, denn Lucas Flöther kann diese rechtsverbindliche Finanzierungszusage, die jedoch nicht eingehalten wurde, bei Etihad Airways einklagen und zwar in Deutschland und nicht in Abu Dhabi. Wenn Flöther obsiegen sollte - und die Karten stehen laut dem Gutachten äußerst gut - würde mindestens ein dreistelliger Millionenbetrag in die klammen Kassen der Air Berlin fließen. Wenn Etihad - selbstverständlich nach Vorliegen einen rechtskräftigen Gerichtsurteils - nicht bezahlen sollte, könnte Lucas Flöther das Urteil vollstrecken lassen, was zur Folge hat, dass er Flugzeuge von Etihad Airways im gesamten EU-Raum durch örtlich zuständige Gerichtsvollzieher pfänden lassen kann. Wenn der Golfcarrier dann immer noch nicht zahlt, könnten die Etihad-Jets gar zwangsversteigert werden.

Ein Aspekt am Rande ist auch noch, dass Etihad auch in Nicht-EU-Ländern, mit denen die Bundesrepublik Deutschland entsprechende Amtshilfe-Abkommen unterhält, ebenfalls Ungemach für Etihad Airways drohen könnte, denn sofern Flöther einen Titel bekommt, kann er auf Grundlage von Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und jenem Staat, in dem ein Flugzeug gepfändet werden soll, dies beim örtlich zuständigen Exekutionsgericht beantragen.

Für Etihad Airways dürfte also die Angelegenheit Air Berlin noch ein teures Nachspiel haben, denn die Höhe der Haftung könnte enorm werden. Es ist nicht auszuschließen, dass inklusive Gerichtskosten gar ein Milliardenbetrag herauskommen könnte, denn auch für die Folgen des Nichteinhaltens des Vertrages kann Etihad Airways durchaus haftbar gemacht werden.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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