Günstig muss nicht billig sein

Ein (subjektiver) Erfahrungsbericht mit Eurowings auf der Langstrecke.

Im Vorfeld "ausverkauft" - in der Realität ziemlich leer: Best-Kabine (Foto: Eurowings).

Wer mit einer Billigfluggesellschaft fliegt, weiß was ihn erwartet. Vom oftmals schmäleren Sitzabstand bis hin zur gesonderten Bezahlung der meisten "Extras". So weit so gut - wissend, dass ein günstiger Preis eben seinen Preis hat. Doch es gibt auch Unerwartetes. So wie bei Eurowings am Flug von Köln nach Cancun im Rahmen einer Pauschalreise und im mittleren Smart-Tarif.

Da ist einmal der Versuch, für den Rückflug (Nachtflug) einen Sitz mit mehr Service und Beinfreiheit im Best-Tarif zu kaufen. Alles ausverkauft, hieß es da aus dem Reisebüro. Über das Internet unter "mein Flug" war diese Option ebenso nicht vorhanden wie die Sitzplatzreservierung. Die freundliche Dame der Hotline ermöglichte letztere dann doch. Über die Hotline allerdings kostet dieser Service 10 Euro. Überraschung dann am Rückflug. Die ersten drei Reihen - reserviert für den Best-Tarif - waren praktisch leer. Rasch und gegen Aufzahlung von 100 Euro nutzten viele Passagiere nach dem Start diese Möglichkeit der Komforterhöhung. Bleibt das Rätsel, warum eine Fluglinie, die mit dem Verkauf von Extras Geld verdienen will, hier im Vorfeld falsche Infos zulässt.

Das Essen kündigen die FlugbegleiterInnen mit den Worten an: "Hähnchen oder Pasta? Käse oder Wurst?" Zu heiss, zerkocht, geschmacklos – so lassen sich die Mahlzeiten wohl am besten kurz zusammenfassen.

Die Temperatur in der Kabine beim Hinflug lag nahe dem Gefrierpunkt (Achtung Übertreibung…) Wärmer gehe es nicht, so die Antwort der FlugbegleiterInnen auf die mehrmaligen Bitten, die Temperatur zu erhöhen. Man könne sich ja um 5 Euro eine Decke kaufen, das helfe. Es handelte sich also offenbar um die sogenannte "Deckenabsatzförderungstemperatur"...

Bleibt last not least das Kabinenpersonal mit seiner teilweise schnoddrigen, manchmal ins unfreundliche abgleitenden Art.

Das alles mögen Einzelfälle sein. Und all das ist kein nach Mitleid haschender Bericht eines Urlaubsflugs. Es ist der Hinweis darauf, dass die Abstellung dieser Mängel Eurowings nichts kostet. Der Fluglinie aber die Möglichkeit gibt, als günstig zu gelten, aber nicht billig zu sein.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Seit 2015 leitet er den LG für Wirtschaftsjournalismus in Krems, ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Austrian Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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