Grounding für Niki

Der Flugbetrieb der österreichischen Air-Berlin-Tochter wurde Mittwochabend eingestellt. Verwirrung um Insolvenzantrag in Berlin.
Letztes Update am 13.12.2017 um 21:50 Uhr.

Foto: Martin Metzenbauer

Nachdem am Mittwoch diverse Meldungen rund um die österreichische Air-Berlin-Tochter Niki die Runde gemacht haben - darunter der Rückzug von Lufthansa und der Insolvenzantrag in Berlin - folgte am Abend der Knalleffekt: "Die Flüge der Niki werden mit sofortiger Wirkung ausgesetzt" hieß es in einer Aussendung der Fluglinie.

Ab sofort werden also keine Flüge mehr durchgeführt, die Luftverkehrsbranche versucht eine Lösung zu finden, wie Passagiere aus dem Ausland nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz zurückgebracht werden können. "Für Passagiere, die ihren Flug direkt bei Niki gebucht haben, organisieren mehrere Fluggesellschaften derzeit eine Rückholaktion auf Standby-Basis gegen ein geringes Entgelt aus dem Ausland nach Deutschland, Österreich und die Schweiz. Tuifly wird sich zu unserem Bedauern nicht an dieser Lösung beteiligen", hieß es auf der Niki-Facebook-Seite. Fluggäste, die über einen Reiseveranstalter gebucht haben, müssen sich an diesen wenden, da dieser für die Beförderung dieser Passagiere zuständig ist.

Am Mittwochabend waren laut Flightradar24.com noch sechs Flugzeuge mit Niki-Flugnummer - vier von Niki selbst und zwei weitere von TUI geleaste - zu ihren Heimatflughäfen Wien, Zürich, Köln, Nürnberg, Berlin-Tegel und München unterwegs. Zur Landung der letzten Niki-Maschine in Wien (aus Teneriffa kommend) gegen Mitternacht hat die Belegschaft einen feierlichen Empfang organisiert.

Interessant ist die Tatsache, dass die Niki Luftfahrt GmbH den Antrag auf ein Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Berlin - Charlottenburg gestellt hat. Dabei stellt sich die Frage, ob für eine österreichische Fluglinie ein solches Verfahren in Deutschland überhaupt möglich ist. Wie eine Niki-Sprecherin gegenüber Austrian Aviation Net erklärte wurde der Insolvenzantrag in Berlin gestellt, "da Niki die Mehrzahl der Flüge von Deutschland aus operiert und dadurch das Center of Main Interest in Deutschland liegt." Das Berliner Gericht dürfte sich da nicht so sicher sein: Eine Sprecherin erklärte laut Medien, dass die Zuständigkeit erst geprüft werde.

Ein von Austrian Aviation Net befragter deutscher Jurist erklärte, dass dieses Gericht eigentlich nicht zuständig sein kann. "Dies wäre nur mit einer Zweigniederlassung möglich. Ein ausländisches Unternehmen kann hier keine Insolvenz anmelden." Wenn Niki allerdings als deutsche Airline gelte, wäre es laut dem Anwalt in einer anderen Richtung problematisch: Dann könne es nämlich sein, dass Niki zu Unrecht ein österreichisches Luftverkehrsbetreiberzeugnis (AOC) geführt hätte. Prinzipiell ist für die Niki Luftfahrt GmbH das Gericht Korneuburg in Niederösterreich zuständig.

Ob dieses Grounding und der (fraglich in Deutschland rechtmäßige Insolvenzantrag) nun tatsächlich das Ende von Niki bedeutet, ist noch nicht unbedingt fix. So hat sich laut Medienberichten, die sich auf die APA beziehen, auch Niki Lauda wieder ins Rennen gebracht: Er sei weiterhin daran interessiert, seine ehemalige Airline wieder zu übernehmen. Lauda hat ja gemeinsam mit Thomas Cook am Bieterverferfahren teilgenommen - konnte sich aber gegen das Angebot von Lufthansa nicht durchsetzen.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Austrian Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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