Goodbye 2016, hello 2017!

Nach einem abwechslungsreichen Jahr 2016 folgt ein sicherlich nicht weniger spannendes 2017. Statt eines Rückblicks versuchen wir eine Vorausschau.

Grafik: iStock.com/jack191, alle Fotos: Martin Metzenbauer.

Das alte Jahr 2016 war für die europäische Luftfahrtbranche abwechslungsreich wie schon lange nicht: Lufthansa wurde durch Streiks gelähmt, der Brexit versetzte die Airlines in UK in Alarmstimmung und der Beginn einer Aufsplitterung der Air-Berlin-Gruppe zum Jahresende lässt noch sehr viele Frage offen. So spannend wie das abgelaufene Jahr geendet hat, wird wohl auch 2017 beginnen. Statt eines Jahresrückblickes versuchen wir eine Idee davon zu bekommen, welche Themen uns in den nächsten zwölf Monaten erwarten werden - ohne Anspruch auf Vollständig- und Richtigkeit...

Das große Kuddelmuddel: Air Berlin, Eurowings, Niki, TUIfly, BlueSky, Alitalia, Etihad & Co
Ein riesiges Fragezeichen steht noch immer über der Zukunft der Air-Berlin-Gruppe samt ihrer diversen "Anhängsel" wie der österreichischen Niki. Ein paar Dinge sind dabei sicher: Die Hybridairline wird aufgesplittet - ein Teil der Flugzeuge wird künftig für die Lufthansa-Gruppe unterwegs sein, das touristische Geschäft samt Niki wird abgegeben und ausgegliedert - und Air Berlin will sich auf die Kernmärkte und die Langstrecke konzentrieren.

Was wird wohl aus Niki werden?

Vieles rundherum ist in diesem Zusammenhang allerdings noch unklar - beispielsweise, was genau mit Niki passieren soll. Bekannt ist, dass die Niki-Anteile von Air Berlin um 300 Millionen Euro an Etihad abgegeben werden sollen - Etihad wird damit neben der Niki Privatstiftung, die 50,2 Prozent der Anteile hält, wohl größter Aktionär der heimischen Airline werden. Aber wie geht es dann konkret weiter? Ein Joint Venture mit Tui bzw. der Tochter Tuifly soll den touristischen Flugbetrieb übernehmen - nähere Details sind dabei derzeit noch kaum bekannt. So weiß man momentan auch noch nicht, ob beispielsweise die Marke "Niki" bestehen bleibt oder ob das neue Joint Venture doch unter dem Projektnamen "Blue Sky" abheben wird. Dazu und zu weiteren Einzelheiten dieses Deals wird man wohl demnächst mehr erfahren. In diesem Zusammenhang wird auch interessant sein, welche Zukunft eine weitere Airline aus dem Etihad-Dunstkreis haben wird - nämlich Alitalia.

Lufthansa: Streiks, Kuscheln mit Etihad und neue Flugzeuge
Spannend wird das neue Jahr auch für Lufthansa. Bis Ende Jänner gibt es einen "Waffenstillstand" mit den streikfreudigen Piloten - dann muss aber eine Einigung hinsichtlich des eskalierten Tarifkonfliktes mit den Cockpitbesatzungen gefunden werden. Oder aber auch nicht - in diesem Falle kann man wohl weiteren Druck in Richtung des aufmüpfigen Personals erwarten.

So könnte beispielsweise noch mehr vom Flugprogramm der Lufthansa Group von der Stammairline zu den anderen Konzernfluglinien abwandern. Als Schuss vor den Bug der streikenden Piloten kann durchaus interpretiert werden, dass Eurowings 33 Flieger von Air Berlin übernimmt und vier Maschinen in München stationiert, von wo aus gleich einmal 32 Ziele angesteuert werden. Bislang war der Billigableger aus dem Konzern im Linienverkehr außerhalb der Drehkreuze Frankfurt und München unterwegs - der Einstieg in Bayern widerspricht diesem ursprünglichen Plan. Und natürlich könnte auch die nun zu 100 Prozent übernommene Brussels Airlines, die ab 2018 vollständig unter dem Eurowings-Dach fliegen soll, als sanftes Druckmittel gegen die Pilotenschaft der Stammlinie benutzt werden.

Das neue Jahr 2017 könnte für die Lufthansa-Zukunft ganz entscheidend werden. Eine der Kernfragen: Wird man sich mit den Piloten einigen können?

Interessant wird auch der neue Kuschelkurs, den Lufthansa mit einer der vormals verpönten Golf-Airlines fliegt. Die Mitte Dezember geschlossene Codeshare-Vereinbarung mit Etihad könnte erst der Anfang einer noch intensiveren Kooperation werden. Die Aussage von Lufthansa-CEO Carsten Spohr "Wir können uns vorstellen, unsere Zusammenarbeit in der Zukunft auf andere Bereiche auszuweiten" lässt für 2017 einiges erwarten. Ansonsten darf sich Lufthansa im neuen Jahr über ein vollkommen neues Langstreckenmuster freuen: Ab Februar 2017 fliegt die Airline mit dem Airbus A350 im Linienbetrieb, der hinsichtlich Komfort in neue Dimensionen starten soll.

Austrian Airlines: Von der Langstreckenflotte zu Internet an Bord
Der Tarifkonflikt bei Lufthansa wird vielleicht auch Einfluss auf die Tochter Austrian Airlines haben. Langstreckenflugzeuge, die der Konzern bestellt hat, könnten statt zu Lufthansa Passage zur billiger operierenden AUA wandern. Wie auf Austrian Aviation Net berichtet, wurde die überfällige Bestellung neuer Langstreckenmaschinen bei Austrian Airlines verschoben. Ob dies nur der Unbeweglichkeit der Politik bei der Abschaffung der Ticketsteuer geschuldet ist, oder ob hier vielleicht auch Kalkül hinsichtlich der langwierigen Verhandlungen mit der Vereinigung Cockpit steckt, sei dahingestellt.

Der Rollover der pensionsreifen Langstreckenflotte wird jedenfalls eines der wichtigsten Themen bei Austrian Airlines im neuen Jahr sein. Interessant wird aber auch, was genau die AUA mit den fünf Flugzeugen machen wird, die sie von Air Berlin erhält. Nachdem die Flotte in den letzten Jahren - vor allem in der Sommer-Hochsaison - tendenziell eher zu klein als zu groß war, wird man hier allerdings nicht unbedingt viele neue Ziele erwarten können.

Die Flotte von Austrian Airlines wächst 2017 um fünf Airbus A320 aus Air-Berlin-Beständen und eine (gebrauchte) Boeing 777. Spannend wird, ob, wann und wie man sich bei der AUA für die Nachfolge der Widebody-Flotte entscheidet.

Und auch sonst darf man vermutlich keine allzu großen Würfe im neuen Jahr erwarten. Zwar gibt es mit Los Angeles und den Seychellen zumindest zwei neue Langstrecken-Destinationen, die Ankunft in der Connectivity-Gegenwart durch den Launch von Internet an Bord wird gefeiert und man darf sich demnächst auch über eine Premium Economy Class freuen. Ob weitere große Veränderungen anstehen, ist aus heutiger Sicht aber eher weniger wahrscheinlich. Aber diese "heutige Sicht" kann sich ja morgen bekanntlich schon wieder ändern.

Flughafen Wien: Kommt Ryanair?
Spannend wird das neue Jahr auch für den Flughafen Wien - und dabei insbesondere die Frage: "Kommt sie oder kommt sie nicht?" Dabei geht es natürlich um Ryanair. Der Billigflieger klopft ja schon seit langem am wichtigsten Airport Österreichs an - und hat demnächst vielleicht Erfolg. Wer hätte schließlich gedacht, dass Ryanair auch irgendwann in Frankfurt (und damit ist nicht Hahn gemeint) landen würde?

Durch den Umbau bei Air Berlin wird nämlich in Wien zwangsläufig ein gewisses Vakuum und eine zunehmende Monopolsituation in Richtung Lufthansa-Gruppe entstehen. Das könnte der Startschuss für (noch) mehr Low-Cost-Konkurrenz am Vienna International Airport sein. Wenn Ryanair doch nicht zum Zug kommt, gibt es noch einige andere "Billigflieger" wie easyJet oder Vueling, die sich hierorts stärker engagieren könnten.

Ryanair kreist bereits über Wien. Wird die Fluglinie hier auch landen?

Der Flughafen Wien hat aber in den letzten Jahren auch immer wieder gezeigt, dass er durchaus für Überraschungen gut ist. So kann man auch 2017 erwarten, die eine oder andere neue Langstrecke am Flugplan zu entdecken. Und auch die geplanten Ausbaumaßnahmen im Terminalbereich dürften heuer konkreter werden.

Regionalairports zwischen Tourismus, Nischenangeboten und Politik
Weiterhin schwierig wird es für viele Regionalairports bleiben. Das größte Fragezeichen steht dabei sicherlich über dem kleinen Flughafen Klagenfurt, der in den letzten Jahren zwischen diversen wirtschaftlichen und politischen Interessen zerrieben wurde. Nun geht dem Wörthersee Airport auch noch dessen sympathischer Chef Max Schintlmeister verlustig, der sich verständlicherweise künftig lieber dem Beratungswesen widmen will.

Deutlich besser ist die Situation für die beiden Wintertourismus-Airports Salzburg und Innsbruck. Beide müssen sich gerade in der kalten Jahreszeit nicht über mangelndes Fluggastaufkommen sorgen und bieten auch im Rest des Jahres ein akzeptables Streckennetz an. In der Mozartstadt ist künftig sogar Eurowings zuhause - wenn auch mit einem etwas abgespeckteren als bisher geplanten Angebot.

Das neue Jahr wird auch für die Regionalflughäfen allerlei Herausforderungen bereithalten.

Die beiden anderen Flughäfen Linz und Graz könnten ihren Platz zunehmend in der Nische finden - beide Airports sind beispielsweise hinsichtlich Luftfracht recht gut unterwegs. Für Linienflüge von Regionalairports wird es in Anbetracht der Dichte von Flughäfen in Österreich, der ständigen Konsolidierung aber auch durch den Umbau bei Air Berlin, die ja immer wieder Verbindungen aufgenommen hat, auch im kommenden Jahr sicher nicht leichter.

Everything is on the move: Von Ancillary Revenues bis zu Google Flights
Was im kommenden Jahr den meisten Airlines gemeinsam sein wird, ist die weitere Fokussierung der Geschäftsmodelle auf Einkünfte abseits des reinen Flugpreises. Den Trend zum maßgeschneiderten Ticket nehmen - nachdem die Low Cost Airlines hier den Takt vorgegeben haben - mehr und mehr sogenannte Legacy Carrier in immer stärkeren Maße auf. Und man kann sich sicher sein, dass die Fluglinien hier noch die eine oder andere Idee in der Schublade haben.

Daneben werden auch die Verkehrswege jenseits des Luftverkehrs für die Airlines immer interessanter. Der "Zug zum Flug" ist keine Neuigkeit mehr - wird aber wohl auch in Zukunft ausgebaut werden. Aber auch Kooperationen mit Carsharing-Unternehmen werden künftig noch stärker für ein nahtloses Weiterkommen der Passagiere sorgen - ganz im Sinne eines vernünftigen Modal Split.

Reisewege werden künftig wohl verstärkt intermodal unter Gesichtspunkten wie Bequemlichkeit, Schnelligkeit, Kosten und Umweltverträglichkeit bewältigt - weitere Kooperationen wie mit der Bahn oder Carsharing-Partnern werden wohl folgen.

Beim Vertrieb wird der Trend wohl noch weiter weg von den etablierten Kanälen gehen. Ob dies das langsame Ende der klassischen Global Distribution Services bedeutet oder ob diese mit neuen Ideen und Modellen punkten werden, sei dahingestellt. Ziemlich sicher ist hingegen, das Google Flights künftig stärker am Buchungs-Kuchen mitnaschen wird. Das Produkt, das der Internet-Riese anbietet, lässt nämlich so manche andere Reiseplattform recht alt aussehen - schnelle und übersichtliche Ergebnisse, Grafiken zu den günstigsten Preisen, eine Karte zum Entdecken potentiell interessanter Destinationen und Features wie ein "Price Alert" dürften zunehmend Fans gewinnen.

Das junge Jahr 2017 wird wohl wieder zu einem interessanten, herausfordernden und höchst abwechslungsreichen Jahr werden. Die Luftfahrtwelt wird sich weiter drehen und die Player die eine oder andere Turbulenz durchfliegen. Das wichtigste ist dabei aber immer: "Happy Landings"! "Many" davon wünschen wir auch für das neue Jahr der Luftfahrt-Branche - und natürlich den Leserinnen und Lesern von Austrian Aviation Net!

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Austrian Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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