Generell billigere Preise dank Laudamotion?

Ticketpreise sinken, aber nicht überall.

Niki Lauda und Michael O'Leary heizen den Wettbewerb an, jedoch profitiert nicht jeder davon (Foto: Jan Gruber).

Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair und der deutschsprachige Markt wollen seit vielen Jahren nicht so richtig zu einander finden. Die Iren sind zwar präsent und wachsen stetig auch außerhalb der im Volksmund als "Wald-und-Wiesen-Airports" verschmähten Regionalflughäfen, jedoch der große Durchbruch, in der Branche auch als Generalangriff gegen die Lufthansa Gruppe bezeichnet, gelang bislang nicht.

Die Ursachen für diesen Umstand sind äußerst unterschiedlich: Zum einen sträubte sich Ryanair bis vor gar nicht so kurzer Zeit vor großen Flughäfen wie Frankfurt am Main und verwies stets auf viel zu hohe Kosten. Ein weiterer Aspekt könnte auch der nicht gerade positive Ruf sein, den das Unternehmen insbesondere in Deutschland durch diverse TV-Berichte erlangt hat. Dabei spielt es keine Rolle, ob es berichtigte, investigative Recherchen waren oder aber Beiträge, in denen sich Reporter extra tollpatschig anstellen, um vor vermeintlicher "Mega-Abzocke" zu warnen. Das hat offensichtlich kaum Auswirkungen auf die Fluggastzahlen, doch der große Durchbruch gelang schlichtweg noch nicht.

Genau dieses Problem will Ryanair nun mit der Zweitmarke Laudamotion "beheben", denn durch die Österreicher kommen zahlreiche touristische Strecken ab so genannten "Premium-Flughäfen" ins Portfolio, die seitens der Iren bislang mangels Slots gar nicht bedient werden konnten. Das zweite Brand soll zwar ähnlich billig positioniert werden, dennoch sollen sich Unterschiede bemerkbar machen. Niki Lauda kündigte im Gespräch mit Austrian Aviation Net an, dass an Bord definitiv Do&Co-Speisen angeboten werden sollen. Sein Co-Geschäftsführer Andreas Gruber fügte im Gespräch mit Austrian Aviation Net hinzu, dass sehr hochwertige Mahlzeiten angeboten werden sollen, selbstverständlich als Buy-on-Bord.

Michael O'Leary denkt eigenen Angaben nach gar nicht daran aus Laudamotion eine "Ryanair Austria" oder eine Art Blockstundenfabrik für Ryanair zu machen, sondern will einen zweiten Carrier im Verbund haben, der möglicherweise Kundenschichten erreicht, die sich von der Marke Ryanair nicht angesprochen fühlen. Weiters passen jene Slots, die Laudamotion bedient, äußerst gut in die Wachstumsstrategie der Iren, denn trotz vieler Angebote spielt man im Urlauber- und Cityshuttle-Verkehr in der D-A-CH-Region noch keine führende Rolle. Außerhalb des deutschsprachigen Raums ist dies teilweise gänzlich umgekehrt.

Ryanair und Laudamotion kooperieren zwar in vielen Bereichen, doch auf einigen Routen, insbesondere in Richtung Palma de Mallorca, ist man auch Konkurrent. Selbstredend führen dies Flüge "Laudamotion operated by Ryanair" parallel zu "Ryanair operated by Ryanair" zum Teil ad-absurdum, jedoch muss Laudamotion für die ACMI-Dienstleistungen bezahlen, denn bekanntermaßen hat ja Niki Lauda nichts zu verschenken und Michael O'Leary wird schmähhaft nachgesagt, dass er schon über Sondergebühren für die Annahme seiner Weihnachtsgeschenke nachgedacht haben soll.

Unabhängig davon: Laudamotion prescht äußerst spät in das Sommergeschäft und das ganz ohne GDS-Buchungsmöglichkeit. Das bedeutet auch, dass man das komplette Geschäft mit Reiseveranstaltern nicht machen konnte, da dieses in der Regel äußerst langfristig erfolgt, aber auch, dass kleinere Tour Operator wohl eher nicht auf Flugsegemente von Laudamotion zurückgreifen wird. Dem Vernehmen nach bietet derzeit lediglich ITS Indi Pakete mit Flügen der heimischen Airline an. Im Direktvertrieb macht man derzeit durch niedrige Flugticketpreise auf sich aufmerksam, wobei dies laut Ryanair-Marketingdirektor Kenny Jacobs auch weitergehende Folgen haben könnte, denn er geht von sinkenden Ticketpreisen in der D-A-CH-Region aus. Vereinfacht gesagt geht der Manager davon aus, dass der Mitbewerb reagieren wird und die Preisschraube ebenfalls nach unten drehen wird.

Laudamotion und Ryanair sind allerdings nur ein Teil des wieder anziehenden Wettbewerbs, denn Lufthansa will mit Eurowings kräftig wachsen, Easyjet hat selbige Ambitionen und die International Airlines Group greift gar nach Norwegian Air Shuttle, um im Billigflugsegment noch besser aufgestellt zu sein. Sprichwörtlich auf der "Strecke" bleiben allerdings Routen, die überwiegend von Geschäftsreisenden frequentiert werden. Diese werden bei Netzwerkcarriern, aber auch Billigfliegern als so genannte "High-Yield-Routes" bezeichnet. Hier wird Geld verdient und mit den Überschüssen werden die Verluste auf Strecken mit starkem Wettbewerb querfinanziert.

Unterm Stich hat die Expansion der europäischen Billigflieger den faden Beigeschmack, dass nicht jeder Reisende von sinkenden Ticketpreisen profitieren wird. Wo es Wettbewerb gibt, sinken die Flugscheinpreise und wo im Monopol geflogen wird, ist die Anzahl der "Super-Billig-Spar-Tickets" auch weiterhin sehr knapp.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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