Frankfurt: Ryanair brockt Laudamotion eine Minister-Vorladung ein

OE319 von Palma nach Frankfurt permanent verspätet.

Airbus A320 (Foto: Jan Gruber).

Die österreichische Fluggesellschaft Laudamotion führte nach Angaben des hessischen Verkehrsministerium den Flug OE319 von Palma de Mallorca nach Frankfurt am Main an 31 Verkehrstagen nur sechs Mal vor der Nachtfluggrenze (23 Uhr 00) durch. Die Maschinen sollen 16 mal in der Kulanzstunde gelandet sein, was nun das Ministerium des Landes Hessen misstrauisch macht und Laudamotion zur Rechtfertigung aufgefordert hat.

Eigentlich sollte OE319 um 22 Uhr 45 in Frankfurt am Main landen, jedoch wurde auch mehrfach weit nach Mitternacht nach Frankfurt-Hahn, knapp 120 Kilometer entfernt ausgewichen, da man nicht einmal mehr die Kulanzstunde in Frankfurt/Main erreichen konnte. Am Hahn gilt übrigens kein Nachtflugverbot. Interessant ist die Angelegenheit zusätzlich deswegen, weil Laudamotion den größten Airport Deutschlands derzeit im Regelfall nicht selbst ansteuert, sondern die Flüge im Rahmen eines ACMI-Auftrags durch die irische Billigfluggesellschaft Ryanair durchgeführt werden. Und gerade dieses Unternehmen steht bezüglich Verspätungen und Ausnutzung der Kulanzstunde in Frankfurt am Main schon länger in der Kritik. Ryanair ist an Laudamotion beteiligt und wird in Kürze auch de-jure die Mehrheit besitzen.

Das hessische Verkehrsministerium wirft dem österreichischen Luftfahrtunternehmen aufgrund der auffälligen Häufigkeit der Verspätungen vor, dass diese quasi im Flugplan bereits einkalkuliert wären. Weiters sollen wiederholte Flugstreichungen, so auch am 1. August 2018, den Beamten sauer aufstoßen. 

Laudamotion muss sich nun für die Verspätungen, die durch den Wetlease-Partner Ryanair fabriziert werden, beim hessischen Verkehrsminister rechtfertigen. Eine entsprechende Ladung soll laut Behördenangaben an die Österreicher geschickt worden sein. Spannend wird wie sich dieses Gespräch entwickeln wird, denn der Ryanair-Ableger ist nur einer von vielen "Problem-Spätlander" in Frankfurt/Main.

Laudamotion keinesfalls ein "Einzeltäter", denn beispielsweise Condor, Ryanair, Lufthansa und zahlreiche andere Anbieter stehen seit mehreren Monaten im Kreuzfeuer der Kritik, dass diese die Kulanzstunde äußerst ausgiebig ausnutzen sollen. Laut Politikern, die dem Öko-Lager zuzuordnen sind, soll sich die Nutzung dieser Zeitspanne seit dem Markteintritt von Ryanair in Frankfurt am Main sehr stark erweitert haben. Jüngste Zahlen zeigen allerdings einen zumindest leichten Rückgang.

Das jüngste Negativ-Ranking der Nutzer der Kulanzstunde in Frankfurt am Main führt Ryanair mit 28 Prozent an. Lufthansa nimmt mit 20 Prozent den zweiten Stockerlplatz ein und neu erhält Tuifly Bronze mit 14 Prozent. Die übrigen "Anteile" verteilen sich auf verschiedene andere Anbieter.

Autor: Jan Gruber
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Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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