Flughafen Budweis: Von Null auf Hunderttausend

Der Österreicher Dieter Pammer soll dem neuen südböhmischen Airport als Head of Airline Marketing & Touroperator Management den nötigen Schub bei der Fluglinien-Akquise geben und helfen, die Kapazität von 100.000 kommerziellen Passagieren pro Jahr möglichst gut auszufüllen. Martin Metzenbauer hat sich mit dem Mühlviertler unterhalten.

Dieter Pammer (Foto: Budweis Airport).

Knapp 40 Kilometer nördlich der österreichischen Grenze liegt der tschechische Flughafen Budweis. Derzeit geht es dort noch recht beschaulich zu - doch in Kürze soll sich das ändern. Die Inhaber Stadt Budweis und Region Südböhmen haben der Betreibergesellschaft nämlich einen klaren Auftrag gegeben: Der ehemalige Millitärflugplatz soll zu einem internationalen Flughafen ausgebaut und damit neue Impulse für die Gegend geschaffen werden.

Die Voraussetzungen dafür scheinen grundsätzlich vorhanden zu sein: Eine 2.500 Meter lange Runway und genug Platz vor Ort - gepaart mit einigen der wichtigsten Touristenzielen Tschechiens und einer respektablen Catchment Area bis nach Oberösterreich. Neben Flughafendirektor Ladislav Ondrich ist unter anderem der Österreicher Dieter Pammer dafür verantwortlich, dass Budweis in schon zwei Jahren abheben und sowohl Airlines als auch Passagiere anziehen soll. Austrian Aviation Net hat sich mit dem Mühlviertler - der als Urgestein der Airline- und Reisebranche gilt und nun als Head of Airline Marketing & Touroperator Management tätig ist - über die Budweiser Pläne ausführlich unterhalten.

Austrian Aviation Net: Was genau ist am Flughafen Budweis geplant?

Dieter Pammer: Wir möchten einen Besuchermagneten mit der europäischen Reisewelt verbinden und die Besucherströme nach Böhmen und Oberösterreich über den Airport bündeln.

Austrian Aviation Net: Welche Bauvorhaben werden aktuell durchgeführt?

Dieter Pammer: Der Flughafen wurde 2008 als ziviler Airport umgewidmet. Seitdem wurde die Zivilflug-Operation für private Flüge, Business Jets, Flugschulen usw. aufbereitet - unter anderem mit einem modernisierten Tower. Derzeit läuft eine weitere Ausbaustufe, deren Herzstück das neue Terminal 1 sein wird, das im Herbst 2018 fertig gestellt wird. Darüberhinaus wird bis April 2019 die Runway renoviert und mit einem ILS und neuer Befeuerung versehen. Ab Anfang Mai 2019 ist also die Operation für den kommerziellen Flugbetrieb technisch einsatzfähig.

Das No-Frills-Terminal soll im Herbst 2018 fertiggestellt sein (Foto: Budweis Airport).

Austrian Aviation Net: Was darf man sich von dem Terminal erwarten?

Dieter Pammer: Das wird „schnittig, sportlich, no frills“ - also perfekt für eine flexible Flugabwicklung sein. Natürlich wird man dort auch Gastronomie usw. finden.

Austrian Aviation Net: Auf wieviele Passagiere pro Jahr wird der Flughafen in der ersten Phase ausgelegt sein?

Dieter Pammer: Anfangs wird es Kapazität für rund 100.000 Fluggäste pro Jahr geben. Diese kann aber erhöht werden, wenn sich der Bedarf ergibt. Das Terminal ist in einer Art Baukastensystem erweiterbar.

Austrian Aviation Net: Es gibt in Europa viele ehemalige Militärflugplätze, die mehr oder weniger erfolgreich die Transformation zu einem zivilen Flugbetrieb und Verkehr anzusaugen versucht haben. Warum soll das in Budweis klappen?

Dieter Pammer: Es gibt in der Umgebung starken Tourismus - beispielsweise in Richtung der Barockstadt Budweis oder des UNESCO-Weltkulturerbes Krumau, wo pro Jahr rund eine Million Besucher gezählt werden. Damit haben wir wirklich starke Magneten für den Incoming-Verkehr. Outgoing erwarten wir durch die Catchment-Area von rund zwei Millionen Menschen auch einiges. In Richtung Wirtschaft und Industrie tut sich hier viel - große Firmen wie Bosch haben sich in der Region angesiedelt.

Flughafendirektor Ladislav Ondrich (links) ist ehemaliger MiG-Pilot, Dieter Pammer ist seit Jahren in der Reise- und Aviation-Branche tätig (Foto: Budweis Airport).

Austrian Aviation Net: Welche Verteilung erwartet man sich zwischen Touristen- und Geschäftsreiseverkehr?

Dieter Pammer: Wir rechnen mit rund 60 Prozent Touristen. 

Austrian Aviation Net: Sie zielen auch auf Kunden aus Oberösterreich ab. Der Flughafen Linz wird sich darüber vermutlich nicht freuen…

Dieter Pammer: Wir haben sicherlich Konkurrenzpotential. Linz hat durch Wirtschaft und Industrie ein großes Einzugsgebiet und dadurch seine starke Berechtigung.

Austrian Aviation Net: Wie sieht die landseitige Anbindung zum Flughafen Budweis aus?

Dieter Pammer: Das Schnellstraßennetz in der Region wird bis 2024 ausgebaut, wodurch die Anreise aus Österreich erleichtert wird. Bis 2028 soll es auch eine Autobahn in Richtung Prag geben. Aus Budweis selbst gibt es eine direkte Zuganbindung zum Flughafen. Interessant werden auch Busverbindungen, die ja auch schon aus Prag in Richtung Österreich rotieren - hier schauen wir, dass am Flughafen ein Stop eingeplant wird.

Austrian Aviation Net: Wie sieht es denn mit Airlines aus? Wie begeistert man sie für das Projekt?

Dieter Pammer: Fluglinien suchen nach Kapazitäten, nach Masse. Wir haben hier in der Region Hotspots und Besuchermagneten - die Airlines sehen, dass sich hier etwas bewegt.

Bereits jetzt sind gelegentlich größere Flugzeuge in Budweis zu Gast (Foto: Budweis Airport).

Austrian Aviation Net: Ein wichtiger Faktor für die Fluglinien sind aber auch die Kosten. Wie wird es in Budweis damit aussehen?

Dieter Pammer: Kostentechnisch werden wir sehr wettbewerbsfähig sein - gerade für Low Cost Airlines.

Austrian Aviation Net: Sprechen Sie neben den Billigfliegern noch andere Airlines an?

Dieter Pammer: Ja, wir wollen auch klassische Ferienfluglinien gewinnen - die Tschechen sind ein sehr reisefreudiges Publikum. Interessant werden sicher auch Feederservices - beispielsweise zu deutschen Airports. Auch Wien könnte diesbezüglich eine Option sein, Cargo ist ebenfalls ein Thema.

Austrian Aviation Net: Wie sieht es mit Betriebsansiedelungen aus?

Dieter Pammer: Hier gibt es unter dem Titel „South Bohemian Airpark“ schon einige Startup-Firmen. Wir haben ein Gebiet von 120 Hektar, das für viele Möglichkeiten offensteht.

Austrian Aviation Net: Wer ist der Eigentümer des Flughafens?

Dieter Pammer: Das sind Stadt Budweis und die Region Südböhmen zu jeweils 50 Prozent.

Austrian Aviation Net: Wieviel wird in der aktuellen Ausbaustufe investiert?

Dieter Pammer: Das sind rund 15 Millionen Euro.

Austrian Aviation Net: Eine vielleicht naive Frage: Wie verdient eigentlich ein Flughafen trotz günstiger Gebühren Geld?

Dieter Pammer: Das ist eine wichtige Frage! Zum einen durch die Masse - zum anderen aber natürlich auch durch den Non-Aviation-Bereich.

Das neu errichtete Terminal samt Vorfeld (Foto: Budweis Airport).

Austrian Aviation Net: Wann soll der Flughafen profitabel sein?

Dieter Pammer: Möglichst schnell! Das hängt natürlich auch von den Partnern ab - und wieviele und wie schnell hier Kapazitäten geschaffen werden können.

Austrian Aviation Net: Die Finanzierung steht schon komplett? Es gab ja vor ein paar Jahren ein Problem mit einer zurückgezogenen EU-Förderung für den Flughafen Budweis.

Dieter Pammer: Das war für eine frühere Planung ein Thema - hat aber mit dem aktuellen Projekt eigentlich nicht mehr viel zu tun. Die Finanzierung erfolgt jetzt auch ohne EU-Förderung - wir sind eigenständig unterwegs.

Austrian Aviation Net: Gibt es hinsichtlich Airlineakquise schon konkrete Ergebnisse?

Dieter Pammer: Nachfrage ist auf jeden Fall vorhanden - Fluglinien kommen sogar schon aktiv auf uns zu. Wir sind erst seit kurzer Zeit auf dem Radar - aber schon in aller Munde. Konkretes kann ich aber noch nicht verraten - wir evaluieren Airlines und Destinationen. Aber es gibt auf jeden Fall schon interessante Projekte in der Pipeline!

Austrian Aviation Net: Wann geht es mit dem kommerziellen Flugbetrieb los?

Dieter Pammer: Wie gesagt, sollte Anfang Mai 2019 prinzipiell alles fertig sein. Danach kommt noch die Behörde und checkt über zwei bis vier Monate alles durch - und gibt dann grünes Licht. Wir planen, dass im Mai 2020 der erste kommerzielle Passagierflug abhebt.

Tower, Feuerwehr und Follow me (Foto: Budweis Airport).

Austrian Aviation Net: Aber dann vergeht ja fast ein Jahr zwischen Fertigstellung und erstem Flug?

Dieter Pammer: Ein Jahr ist hier gar nichts. Bereits jetzt werden die Flugpläne für den Sommer 2019 abgeschlossen - das ist alles bereits über die Bühne gegangen. Die Planung für 2020 findet jetzt statt - obwohl das natürlich lang klingt.

Austrian Aviation Net: Wie sieht es mit dem Branding aus? „Airport České Budějovice“ klingt ja für die internationale Klientel ein wenig holprig…

Dieter Pammer: Mit Jahresbeginn 2019 wird es einen neuen Markenauftritt geben.

Austrian Aviation Net: Wenn man sich auf ein solches Projekt einlässt, muss man ja auch ein wenig Visionär sein. Was sind Ihre Visionen wenn Sie auf das Jahr 2025 schauen? Wie wird der Flughafen Budweis nach fünf Jahren Betrieb aussehen?

Dieter Pammer: Wir möchten klein beginnen - aber die Entwicklungsmöglichkeiten im Billig- aber auch im Ferienflugsegment sind so groß, dass ich sehr optimistisch in die Zukunft schaue. Ich bin mir sehr sicher, dass wir 2025 einen wirklich interessanten Flugplan anbieten können.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Austrian Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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