Fluggastrechte: Virtuelle Airlines müssen nicht zahlen

Ohne AOC und Betriebsbewilligung kann nur die tatsächlich durchführende Airline zur Kasse gebeten werden.

Airbus A320 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Von Zeit zu Zeit werden immer wieder so genannte virtuelle Airline-Konstruktionen ins Leben gerufen. Eine Firma chartert Flugzeuge bei einer Fluggesellschaft und vermarktet die Sitze im Einzelplatzverkauf auf eigene Rechnung. Doch wer haftet eigentlich im Falle von Entschädigungsansprüchen nach der EU-Fluggastrechteverordnung. Mit dieser Frage mussten sich das Amtsgericht Kassel und der EuGH befassen.

Das deutsche Portal Airliners.de berichtet von zwei Reisenden, die gegen Sundair klagten, jedoch verfügte die Airline zum Zeitpunkt der Durchführung der Flüge noch über kein gültiges AOC, sondern bediente sich Drittcarriern, bei denen Maschinen gechartert wurden. Das Amtsgericht Kassel musste sich daher mit der Frage befassen, ob Sundair für Entschädigungsleistungen herangezogen werden kann oder nicht. Dazu rief das deutsche Gericht den Europäischen Gerichtshof an.

Sundair erhielt erst einige Monate später AOC und Betriebsbewilligung erteilt und gilt seit diesem Zeitpunkt als Fluggesellschaft. Zuvor war man eine GmbH, die Maschinen bei anderen Airlines charterte und die Sitzplätze auf eigene Rechnung im Einzelplatzverkauf vermarktete. Diesem Modell bedienen sich - wie erwähnt - diverse "virtuelle Konstruktionen".

Airliners.de berichtet weiters, dass die Haftung im Sinne der Fluggastrechteverordnung gerichtlich vereint wurde, da Sundair noch keine Betriebsbewilligung hatte. Demnach würde die entsprechende Verordnung nicht greifen. 

Tui beauftragte Sundair mit der Durchführung von Charterflügen, jedoch da deren AOC und Betriebsbewilligung erst einige Monate später erteilt wurden, musste diese den Auftrag sprichwörtlich weiterreichen. Die Verneinung der Ansprüche gegenüber dem "Auftraggeber" kann in weiterer Folge auch dahingehend interpretiert werden, dass im Fall von "virtuellen Airlines" nur die tatsächlich durchführende Fluggesellschaft zur Haftung im Sinne der Fluggastrechteverordnung herangezogen werden kann.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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