Fliegen ohne Lizenz

Mit 11 Flugsimulatoren im Emirates Aviation College in Dubai hat die arabische Fluglinie eine Alleinstellung in der Golfregion. Alle 2.500 Piloten kommen alle sechs Monate drei Tage lang zum Simulatortraining. Michael Csoklich hat in Dubai die Simulatoren besucht - und dabei auch einen A380 "fliegen" können.

Der Autor am Steuer des A380-Simulators (alles Fotos: Michael Csoklich).

Er ist in Irland geboren und in Südafrika aufgewachsen. Captain Thomas Cumming ist Herr über das Simulatortraining bei Emirates. Seit acht Jahren arbeitet er im Emirat Dubai. Er wacht über das Training in vier A380 Simulatoren, sechs 777-300 Simulatoren und einem Simulator für die 777X, die ab dem kommenden Jahr an Emirates ausgeliefert wird.

Freundlich erklärt mir Cumming, was der A380-Simulator alles kann. Das ist praktisch alles. Flug ohne Sicht, bei Triebwerksausfall, Notlandungen, Durchstarten. Es wäre zu wenig Platz, um alles hier aufzuzählen. Das Simulatorcockpit ist eine 1:1-Kopie des Originals. Anders ist, dass hinter den Pilotensessel der Instruktor sitzt, vor sich zwei große Bildschirme, über die er die Piloten in jede gewünschte Flugsituation bringen kann.

Dann fordert er mich auf, doch links vorne Platz zu nehmen. "Fliegen Sie eine Runde", sagt er und setzt sich neben mich. Er dreht und drückt zahlreiche Knöpfe, und er zeigt mir, wie die Gashebel am besten angefasst werden. "Los gehts", sagt er, "zuerst alle Hebel nach vorne in die Mitte drücken, dann auf Vollgas". Langsam beginnt sich die A380 zu bewegen und rollt los. Es wird laut und ruckelt wie im echten Flugzeug. Die Geschwindigkeit V1 ist überschritten, für Bremsen ist es zu spät, wir müssen abheben. Kurz darauf hebt das Flugzeug ab, fast wie von allein.

Thomas Cumming im A380-Sim.

Der Joystick in meiner linken Hand reagiert auf die leisesten Bewegungen. Das Flugzeug legt sich in die Kurve. Cumming beruhigt: "Das Flugzeug warnt vor allem, und es begrenzt vieles automatisch. Wie zu tief oder zu schnell fliegen, oder zu stark steigen oder zu stark in die Kurve legen." Tatsächlich hat es den Anschein, als könne ich nichts falsch machen.

Cumming erklärt mir, wie ich den künstlichen Horizont sehe, wie ich das Flugzeug ganz einfach stabil halten kann. Nachdem wir Dubai und seine Wolkenkratzer hinter uns gelassen haben, schlägt Cumming vor, doch wieder zu landen. Wieder dreht und drückt er ein paar der vielen Knöpfe. Jetzt fliegt der Autopilot. Er könnte das Flugzeug automatisch landen, und auch so abbremsen, dass es den richtigen Exit von der Landebahn nehmen kann. Doch per Autopilot landen - das machen die wenigsten Piloten, so Cumming.

Die Landebahn kommt ins Blickfeld. Wie auf Schienen schwebt ihr der A380 entgegen. Cumming schaltet den Autopiloten aus. Anfangs scheint es einfach, das Flugzeug im richtigen Sinkflug zu halten. Die Computerstimme im Cockpit beginnt, die Höhe anzusagen. "Fourhundred, threehundred, twohundred, onehundred" tönt es laut, "fifty, forty, thirty, twenty, ten - retard, retard". Mit einem lauten Rumpler setzt das Flugzeug am Flughafen von Dubai auf.

Eine harte Landung zwar - aber immerhin keine Bruchlandung. Dann kämpfe ich noch, das Flugzeug auf der Landebahn zu halten. Heftig trete ich in die Pedale, doch das Flugzeug bewegt sich erst in letzter Sekunde wieder in Richtung Mitte der Landebahn. Dort, wo es hingehört. "Ich habe es etwas erschwert, indem ich die Schubumkehr nur auf einer Seite aktiviert habe", schmunzelt Cumming verschmitzt.

Die Piloten von Emirates müssen alle sechs Monate für 3 Tage ins Trainingszentrum. Ein ganzer Tag ist nur dem freien Fliegen ohne jeder Automatik gewidmet. Damit die Piloten vor lauter Computerhilfe das Fliegen nicht verlernen, meint Cumming. Ein Fehler im Training ist kein Problem, ein zweiter allerdings führt zu einer Nachschulung. Die Abstürze der Boeing 737Max sind hier auch Gesprächsthema. "Wir sprechen mit den Piloten, aber auch mit Airbus", sagt Cumming. Tenor: "Kann so etwas auch bei Airbus passieren, kann man Piloten vorbeugend auf solche Situationen vorbereiten?"

 

Anmerkung im Sinne der Medientransparenz: Emirates hat die Reise nach Dubai organisiert und die Kosten übernommen.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Er ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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