Zumindest ein Bieter für Belair

Kritik an Informationspolitik.

Airbus A320 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Für die schweizerische Air-Berlin-Tochter Belair soll es laut einem Bericht der Aargauer Zeitung zumindest einen Bieter geben. Das Blatt beruft sich dabei auf ein internes Memo, in dem Accountable-Manager Andrew Zahn entsprechendes erwähnt.

Nicht näher bezeichnete Mitarbeiter der eidgenössischen Airline üben allerdings heftige Kritik an der Kommunikationspolitik von Air Berlin und Belair. So würden die Beschäftigten seit mehreren Monaten keine Informationen erhalten. Vorsorglich wurde bereits im Frühjahr die komplette Belegschaft gekündigt, da das Unternehmen - so kein Verkauf stattfinden sollte - mit Ende Oktober 2017 geschlossen werden soll.

In den letzten Tagen - bedingt durch massenhafte Krankheitsfälle bei Air Berlin - soll Belair wiederholt für die Muttergesellschaft "eingesprungen" sein. Mehrere Belair-Mitarbeiter erklärten gegenüber Austrian Aviation Net, dass man trotz dessen, dass die gesamte Belegschaft bereits vor Monaten die Kündigung erhalten habe, zuverlässig fliegen wolle, eine Übernahme und damit den Erhalt der Firma und der Arbeitsplätze begrüßen würde.

Konkret heißt es in dem internen Memo, das Austrian Aviation Net vorliegt:

"This morning the 66th Belair Board of Directors meeting was held in Berlin. The ongoing commitment of all Belair staff in making our operation the most reliable amongst all the AOCs’ of the group has not gone unnoticed and I have been asked to pass on this message of gratitude to you all. Personally I have been through many up and downs in this industry and the work you perform on a daily basis is amazing to say the least."

Entgegen dem Bericht der Aargauer Zeitung, die spekuliert, dass Niki Lauda Interesse an der schweizerischen Airline haben könnte, liegen Austrian Aviation Net Informationen vor, dass es sich beim angeblichen Bieter um eine Gesellschaft mit Firmensitz in Deutschland handeln soll, die nicht branchenfremd ist und auch andere internationale Beteiligungen unterhält. 

Ein möglicher Verkauf der Belair würde mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls am 21. September 2017 im Gläubigerausschuss der insolventen Air Berlin und am 25. September 2017 in dessen Verwaltungsrat abgesegnet werden, so dass die Übergabe Anfang Oktober 2017 erfolgen könnte. Diese Vermutung gilt vorbehaltlich eventueller kartell- und flugrechtlicher Prüfungen durch die zuständigen Behörden.

Kritische Stimmen äußern gegenüber diversen Zeitungen jedoch auch, dass das behauptete Interesse an Belair auch eine Art von Hinhaltetaktik gegenüber den Beschäftigten sein könnte. Wie erwähnt: Besonders heftig wird seitens mehreren Mitarbeitern sowohl in der Aargauer Zeitung, als auch gegenüber Austrian Aviation Net kritisiert, dass es außer der Andeutung in zitiertem Rundschreiben keinerlei Informationen geben würde.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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