Eurowings Pilotengehälter durchgesickert

AUA-Piloten verdienen weniger als ihre EW-Kollegen.

Airbus A320 (Foto: Philipp Valenta).

Das Eurowings-Europe-Projekt der Deutschen Lufthansa AG scheint nicht aus dem Kreuzfeuer der Kritik zu kommen. Wie das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" vorab aus der kommenden Ausgabe berichtet, sollen die Pilotengehälter bei Eurowings Europe deutlich unter jenen eines bei der Mainline Neueingestellten liegen. Die Rede ist von einer jährlichen Differenz von bis zu 20.000 Euro. Lufthansa bestätigte die Recherchen des Wochenmagazins.

Eurowings ist ein zentraler Bestandteil der Strategie von Lufthansa-Generaldirektor Carsten Spohr, um die Kosten innerhalb des Kranich-Konzerns deutlich zu senken. Dem aktuellen Informationsstand nach soll der neue Billigableger im Herbst mit rund 80 Flugzeugen insbesondere gegen Ryanair, Easyjet, Vueling und Co. antreten. Gemeinsam betreibt der Low-Cost-Mitbewerb knapp 800 Maschinen.

Das österreichische Wien soll die erste neue Basis des künftigen Lufthansa-Subkonzerns Eurowings werden. Unter dieser Marke soll auch die bisherige Billigtochter Germanwings optisch vom Markt verschwinden. Der Betrieb der Flugzeugflotte soll allerdings durch verschiedene Firmen erfolgen: SunExpress Deutschland soll die Langstrecke bedienen, Austrian Airlines, Germanwings, Eurowings Deutschland und so weiter sollen sich um die Kurz- und Mittelstrecke kümmern. Darüberhinaus plant man alle Flottenneuzugänge einheitlich unter einem österreichischen AOC als Eurowings Europe zu betreiben. 

Insbesondere die Personalkosten sollen unter der Dachmarke Eurowings möglichst niedrig gehalten werden. Dies führt zu heftiger Kritik seitens Pilotengewerkschaften wie der Vereinigung Cockpit. Co-Piloten sollen laut dem Spiegel-Bericht im ersten Dienstjahr mit 44.000 Euro entlohnt werden. Nach zehn Jahren Betriebszugehörigkeit ist  aktuell eine Steigerung auf 58.000 Euro vorgesehen. 

Co-Piloten, die bei Austrian Airlines anfangen, erhalten laut dem neuen Kollektivvertrag von Beginn an ein Grundgehalt von rund 53.000 Euro jährlich. Bei Lufthansa hingegen würde dieser rund 65.000 Euro jährlich bekommen. Ein ähnliches Bild ist laut "Der Spiegel" auch bei Kapitänen festzustellen: Eurowings bezahlt 78.000 Euro, wobei sich der Bezug nach sechs Jahren Betriebszugehörigkeit auf 102.000 Euro erhöhen soll. Flugkapitäne der Mainline steigen bereits mit 136.000 Euro ein und bekommen nach zehn Jahren rund 189.000 Euro jährlich.

Aus dem Kollektivvertrag der Austrian Airlines Group geht allerdings hervor, dass es deutliche Unterschiede zwischen Kapitänen der ehemaligen Tyrolean-Operation im Regionalverkehr und den Airbus/Boeing-Piloten gibt. Regio-Kapitäne starten demnach mit 75.000 Euro und können sich binnen zehn Jahren auf 89.000 Euro steigern. Flugzeugführer der größeren Maschinen erhalten 89.000 Euro und nach zehn Jahren Betriebszugehörigkeit 99.000 Euro.

Zu allen genannten Werten kommen noch variable Gehaltsbestandteile hinzu. Offensichtlich sind Austrian-Airlines-Kapitäne günstiger als ihre zukünftigen Eurowings-Kollegen. Ob dies so bleiben wird, wird die Zukunft noch zeigen. Die Kritik an der Dumping-Lohnpraxis des Lufthansa-Konzerns ist allerdings heftig.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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